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Steigen 2015 die Kosten für Mobilfunkkunden?

29.12.2014 | 13:59

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox | dpa-AFX

Frankfurt - Der deutsche Mobilfunkmarkt erfährt mit der Fusion von O2 und E-Plus eine wesentliche Veränderung. Deutschen Verbrauchern drohen höhere Mobilfunkpreise, wie Experten und Verbraucherschützer warnen. Denn nach jahrelangen Preissenkungen will die Branche offensichtlich nun wieder Geld verdienen. Die Deutsche Telekom und Vodafone begrüßten den neu fusionierten Rivalen auf Augenhöhe. Mit der Übernahme von E-Plus ist in München mit rund 46 Millionen Anschlüssen der größte Mobilfunker in Deutschland entstanden.

Dass der neue Riese freundlich begrüßt wurde, hat Gründe: Ein scharfer Preiskampf nagte über Jahre an Tarifen und Gerätepreisen. Mit E-Plus ist nun ausgerechnet der Anbieter weggekauft, der erfolgreich der Konkurrenz Marktanteile abgejagt hat. Neben der Marke Base steckt E-Plus unter anderem hinter den Billigmarken Simyo und Aldi Talk. "Die Fusion war gut, weil wir noch mehr Konsolidierung in Europa brauchen", sagte Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme im Sommer der "Berliner Zeitung" - sprach aber von weiter starkem Wettbewerb.

Kritik an Verzögerungen rund um die Roaming-Abschaffung

Dennoch könnte es 2015 mit der für Verbraucher günstigen Preisentwicklung vorbei sein. Auch, weil die Eingriffe der Regulierer nicht mehr so groß sind. Die Aufseher hatten die Entgelte der Telefonfirmen untereinander immer weiter zusammengestrichen, weil die Netzbetreiber gut an der Durchleitung von Gesprächen und Daten verdienten. Verbraucherschützer kritisieren zudem, dass bei grenzüberschreitenden Gesprächen zu wenig Tempo gemacht wird. Nach dem Willen des Europaparlaments sollten eigentlich sämtliche Extrakosten für die Handynutzung im europäischen Ausland zum 15. Dezember 2015 gestrichen werden.  Eine endgültige Entscheidung dazu steht aber noch aus – es droht eine Verzögerung der geplanten Roaming-Abschaffung. „Für Reiseziele außerhalb der EU ist auch künftig keine Regulierung geplant“, sagt Telekommunikationsexperte Sven Ehrmann, Mitglied der Geschäftsleitung bei Verivox.

Beispiel Österreich: Preissteigerungen um 30 Prozent

Wo die Entwicklung hingehen könnte, zeigt Österreich. Dort gibt es zwar nur gut ein Zehntel so viele Kunden wie hierzulande - aber ansonsten viele Ähnlichkeiten. Jahrelang galt der Markt mit vier Netzbetreibern als einer der umkämpftesten in Europa, die Preise sanken und sanken. Dann verkaufte der französische Orange-Konzern 2013 seine österreichische Tochter an den zweiten kleinen Anbieter Hutchison. Seit Oktober 2013 zogen die Mobilfunkpreise bis September dieses Jahres nach Daten des österreichischen Telekomregulierers RTR um satte 30 Prozent an.

Verivox-Experte Ehrmann sieht für Deutschland im laufenden Jahr nur wenig Spielraum für Preissenkungen: „Wer einen Tarifwechsel anstrebt, sollte deshalb nicht zu lange warten. Es ist unklar, ob das derzeit niedrige Preisniveau auf breiter Basis gehalten werden kann.“ Denn die Telekom-Manager beschwören nun gleichsam unisono das Ende weiterer Kostensenkungen. Auch Provider ohne eigenes Netz, von denen oft der Impuls für Preissenkungen ausging, sehen das ähnlich.

Branche: Schnelle Netze benötigen Investitionen

Aber jetzt hält die Branche offensichtlich die Zeit für gekommen, die Margen wieder zu erhöhen. Ein Grund: Die schnellen Mobilfunknetze der Zukunft brauchen Investitionen, und diese müssen bezahlt werden. O2-Chef Thorsten Dirks sagt, den Konzernen dürfe deswegen nicht der Umsatz genommen werden. Die Monopolkommission hält in einem Gutachten dagegen, gerade der Wettbewerb treibe Investitionen an, nicht die Bevorzugung von Großunternehmen.

O2 hat bei der Qualität im Mobilfunknetz noch Nachholbedarf, räumt Dirks ein. Die Frequenzen und Funktürme dafür hat Telefonica jetzt. Kehrseite für den Verbraucher: In diesem Prozess dürften sich die Preise der Münchener den höheren von Telekom und Vodafone annähern, schätzt Mobilfunkexperte Tim Boddy von der US-Investmentbank Goldman Sachs. O2 sei wohl nicht darauf aus, weitere Marktanteile zu gewinnen.