So stark profitieren deutsche Kreditnehmer vom Zinstief

Heidelberg. Allein durch die Zinsentwicklung des letzten Jahres haben deutsche Ratenkreditnehmer gut 600 Millionen Euro gespart. Das haben die Tarifexperten von Verivox ausgerechnet. Leidtragende der anhaltenden Niedrigzinspolitik bleiben die Sparer.

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Bild: Online Banking: Rechnungen überweisen Bild: ©Comstock Images/Stockbyte/thinkstock.de / Text: Verivox

Das Zeitalter historischer Niedrigzinsen in der Euro-Zone hält an. Wer die Profiteure der Niedrigzinspolitik aber ausschließlich in Südeuropa glaubt, sitzt einem Irrtum auf. Unter den deutschen Verbrauchern sind die Ratenkreditnehmer die großen Gewinner der Geldpolitik.

Kreditzinsen erreichen Allzeit-Tief

Der Durchschnittszins der von Verivox ausgewerteten Banken betrug im April noch 4,74 Prozent und erreichte im Mai mit 4,67 Prozent ein neues Allzeit-Tief. Vergleichen lohnt sich dennoch, denn bei den günstigsten Banken erhalten zwei Drittel aller Kunden sogar einen Effektivzins von 2,92 Prozent. Während sich Spar- und Bauzinsen in den letzten Monaten auf niedrigem Niveau stabilisiert haben, setzten die Zinsen für Ratenkredite ihre Talfahrt fort.

Die Bundesbank weist Monat für Monat das Gesamtvolumen neu abgeschlossener Konsumentenkredite aus. Die Statistik reicht bis zum April. Von Mai 2017 bis zum April 2018 waren die Durchschnittszinsen jeden Monat niedriger als im jeweiligen Vorjahresmonat. Hochgerechnet auf das Gesamtkreditvolumen in Deutschland und 48,1 Monate durchschnittliche Laufzeit sparten deutsche Ratenkreditnehmer allein durch die Zinsentwicklung in diesem Einjahreszeitraum rund 600 Millionen Euro.

Sparer sind die Leidtragenden

Leidtragende der anhaltenden Niedrigzinspolitik bleiben die deutschen Sparer. Die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen verharren nahe der Nulllinie und auch 2-jähriges Festgeld wirft mit durchschnittlich 0,22 Prozent kaum Erträge ab. Zugleich zog im Mai die Inflationsrate spürbar an und knackte erstmals seit April 2017 wieder die 2-Prozent-Marke (2,2 Prozent).

Das ist Fluch und Segen zugleich: Höhere Teuerungsraten vergrößern die Kaufkraftverluste, die Sparer bei sicheren Anlagen hinnehmen müssen. Ein Wechsel zu Top-Anbietern kann diesen Schaden zumindest begrenzen. Top-Banken zahlen immerhin 0,8 Prozent aufs Tagesgeld. 2-jährige Festgelder bringen in der Spitze 1,4 Prozent.

Andererseits schafft eine stabile Inflation überhaupt erst die Basis dafür, dass die EZB ihre vorsichtige Normalisierung der Geldpolitik fortsetzt und die Zinsen mittelfristig wieder steigen. Bis dahin ist allerdings Geduld gefragt. Eine erste Leitzinserhöhung erwarten wir nicht vor Sommer 2019.

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