Russische Ecodefense kritisiert deutsche Uran-Transporte nach Sibirien

Moskau - Die russische Umweltorganisation Ecodefense hat ihren Vorwurf bekräftigt, wonach Fässer mit giftigen Stoffen aus Deutschland in Sibirien unter freiem Himmel lagern sollen. Der Ecodefense-Vorsitzende Wladimir Sliwjak sagte am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Moskau, dass das in Russland von niemandem dementiert werde, auch von (der staatlichen Atomholding) Rosatom nicht. Seine Organisation könne die Lagerstätten jedoch nicht näher untersuchen, da sie sich auf militärischem Sperrgebiet befänden. Sliwjak fügte hinzu, dass auch die russische Aufsichtsbehörde Rostechnadsor die Lagerung in ihren Prüfberichten seit 2002 kritisiere. Die seien aber ebenso machtlos, weil das alles eine Art geheime Militärsache sei.

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Bild: Behälter für Atommüll Bild: ©tiero/fotolia.com / Text: dpa

Sliwjak schätzte die Menge der seit 1996 aus Deutschland nach Russland verbrachten Giftstoffe auf rund 100 000 Tonnen. Er habe mehrere Uran-Transporte mit eigenen Augen in der Stadt St. Petersburg ankommen sehen. "Die Container sind an ihrer Markierung und Lackierung eindeutig zu erkennen." Es gebe keine außergewöhnlichen Sicherheitsvorkehrungen, sagte Sliwjak. "Wir haben uns problemlos mit einem Geigerzähler nähern und die Radioaktivität messen können." Die meisten Transporte aus Deutschland würden nach Nowouralsk bei Jekaterinburg am Ural rollen. "Auch das ist wegen ihrer strategischen Bedeutung aber eine geschlossene Stadt", betonte der 36-Jährige.

Sliwjak sagte, man gehe an den Lagerstätten von zahlreichen Strahlenopfern aus. "Die Ärzte würden aber nie zugeben, dass die Ursache für die Krankheit Atommüll ist." Trotz der Nachbarschaft mit giftigem radioaktivem Uranhexafluorid würden nur wenige Menschen aus den betreffenden Orten wegziehen. "Die Leute bleiben in diesen geschlossenen Städten, weil sie dort aufgewachsen sind und arbeiten. Die Psychologie dieser Menschen ist sehr speziell." Grundsätzlich könne nur Deutschland etwas an dem Problem ändern, klagte Sliwjak. "Für die Gesellschaft und die Medien in Russland ist das kein Thema."

Die einzige deutsche Urananreicherungsanlage hatte am Vortag die Kritik an Uran-Transporten nach Russland zurückgewiesen. Sowohl Transport als auch Lagerung seien an Verträge mit der russischen Firma Tenex gekoppelt und völlig legal, sagte die Sprecherin des Unternehmens Urenco in Gronau, Antje Evers.

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