Preis für Telefonieren verliert an Bedeutung

Heidelberg - Auf dem Telekommunikationsmarkt sinken die Kosten für das reine Telefonieren immer weiter. Die Preise für Internet-Geschwindigkeit und Datenvolumen sind wichtiger. Die Tarifexperten von Verivox erläutern den Bedeutungsverlust der Telefonie für die Tarifgestaltung – und für den Verbraucher.

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Bild: Festnetz: Am Telefon Bild: ©WavebreakmediaMicro / Adobe Stock / Text: Verivox

Marktöffnung sorgt für deutliche Preissenkungen

Mit der Öffnung des Telekommunikationsmarktes im Jahr 1998 durften erstmals andere Anbieter als die Deutsche Telekom eigene Tarife im Festnetz anbieten. Wettbewerber wie Tele2 oder Mobilcom unterboten die Telekom-Minutenpreise oft um mehr als 50 Prozent.

Telekom-Kunden mussten sich über viele Jahre bis zu sechs verschiedene Tarifzeiten merken. Über den Minutenpreis entschied sowohl die Anrufzeit als auch der Zielpunkt eines Telefonats (innerstädtisch, regional, deutschlandweit). „Viele neue Anbieter führten Preise ein, die rund um die Uhr galten – ein Novum auf dem deutschen Telefonmarkt. Zum ersten Mal hatten Kunden die Möglichkeit, zu wählen und Preise zu vergleichen“, sagt Christian Schiele, Bereichsleiter Telekommunikation bei Verivox.  

Die ersten Community- und Pauschaltarife

Im Jahr 2000 hatte die Telekom den Minutenpreis tagsüber auf 18 Pfennig gesenkt, 1998 waren es noch 52 Pfennig. Die Konkurrenz reagierte mit neuen Rabattmodellen. So waren beispielsweise kostenlose Telefonate unter Mobilcom-Kunden in derselben Stadt möglich – der Community-Tarif war geboren.

Erst 2005 stellte die Telekom ihre erste Telefon-Flatrate vor; sie kostete in der günstigsten Version 35,95 Euro im Monat. Der Wettbewerb startete bereits 2004 mit Pauschaltarifen: Für die erste Flatrate im deutschen Festnetz fielen bei Arcor 19,95 Euro an.

Ähnliche Entwicklung im Mobilfunk

Die Telefon-Flatrate ist heute zum Standard geworden – Minutenpreise sind im Festnetz allenfalls noch für Call-by-Call sowie Auslandsgespräche von Bedeutung. Im Mobilfunk hat eine ähnliche Entwicklung stattgefunden: Während die Gesprächsminute Ende der 90er Jahre über 1,80 Mark kosten konnte, sanken die Preise mit dem Markteintritt der Discounter 2004 drastisch und sind in den Folgejahren um über 70 Prozent gefallen. Längst bestimmen Pauschaltarife auch die Mobilfunk-Tariflandschaft. Inzwischen können Flatrates sogar im EU-Ausland ohne Zusatzkosten genutzt werden.

Der Minutenpreis ist kein Gradmesser mehr

Trotz des deutlich gesunkenen Preisniveaus wird in den klassischen Netzen immer weniger telefoniert. Seit 2007 ging die Zahl der Verbindungsminuten im Festnetz um 37 Prozent zurück, seit 2016 ist sie auch im Mobilfunk erstmals leicht rückläufig (Zahlen: VATM). Stattdessen werden immer öfter datenbasierte Dienste wie Skype oder WhatsApp zum Telefonieren genutzt.

Ob ein Tarif teuer oder günstig ist, wird nur noch bei Nischenprodukten vom Minutenpreis bestimmt. Gradmesser zur Bepreisung sind heute Datenvolumen und Internetgeschwindigkeit – im Festnetz wie im Mobilfunk. Christian Schiele sieht den deutschen Markt hier noch stark entwicklungsfähig: „Dass heute zunehmend über Datendienste kommuniziert wird, bildet sich im Tarifgefüge nur unzureichend ab. Noch immer werden Verbraucher ausgebremst: Echte Datenflats ohne Drosselung sind die absolute Ausnahme, ebenso wie die Übertragung von Daten- und Telefonbudgets innerhalb einer Nutzergruppe. Die Tarifstruktur sollte von Grund auf überarbeitet werden, sie hinkt der gesellschaftlichen Realität längst hinterher.“

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