Mehr Kohlestrom in Deutschland

10.01.2013

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Berlin - Es ist paradox: Während der Kohlestromanteil steigt, exportiert Deutschland so viel Strom ins Ausland wie noch nie. Teilweise wird er sogar verschenkt.

Trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien ist der Anteil des klimaschädlichen Kohlestroms in Deutschland im Jahr 2012 gestiegen. Der Braunkohleanteil am Strommix kletterte von 24,6 auf 25,6 Prozent, der von Steinkohle von 18,5 auf 19,1 Prozent. Dies teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am Donnerstag in Berlin mit. Zugleich stieg aber auch der Ökostromanteil von 20,3 Prozent auf den neuen Rekordwert von 21,9 Prozent.

Der Anteil von Atomkraft ging von 17,7 auf 16 Prozent zurück. Der Stromverbrauch sank leicht um 1,4 Prozent. Insgesamt wurde mehr Strom produziert als benötigt wurde. Mit rund 23 Milliarden Kilowattstunden wurde so viel Strom ins Ausland geleitet wie nie zuvor. Teilweise wurde Strom verschenkt oder sogar noch draufbezahlt, um ihn aus dem deutschen Netz zu bekommen. Allerdings ist ein Teil des Exports auf physikalische Umwege zurückzuführen, er wird also nicht ins Ausland verkauft. Mangels Netzen sucht sich Windstrom aus dem Norden immer öfter den Umweg über Polen und Tschechien nach Bayern. Polen will daher sogenannte Phasenschieber einbauen, um den unerwünschten Stromdurchfluss aus Deutschland etwas zu drosseln.

Wind- und Solarstrom werden vorrangig eingespeist, daher kann etwa bei überraschend viel Wind zu viel Strom aus Kohle- oder Atomkraftwerken im deutschen Netz sein. Am 1. Weihnachtsfeiertag führte dies dazu, dass ausländische Abnehmer dafür bezahlt wurden, wenn sie deutschen Strom abnehmen. Besonders die Niederlande waren damals ein Nutznießer der deutschen Stromgeschenke.

Der Anstieg des Kohlestromanteils hängt besonders mit dem Preisverfall im europäischen Handel mit Verschmutzungsrechten zusammen, dadurch ist die Kohlestromproduktion höchst lukrativ. Während Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) durch Markteingriffe den Preis für CO2-Ausstoßrechte wieder steigern will, ist Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) strikt dagegen.

BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller betonte bei einer Pressekonferenz in Berlin, besonders Gaskraftwerke würden so aus dem Markt gedrängt. Zudem kritisierte sie die hohen Kosten für die Verbraucher beim Ausbau gerade der Solarenergie. "Die Energiewende darf nicht dazu führen, dass die Preise und die CO2-Emissionen steigen", betonte Müller. Sie forderte eine bessere Synchronisierung des Ökoenergie-Ausbaus mit dem Netzausbau und mehr Koordination. "Ein komplexes Thema bedarf einer komplexen Steuerung", sagte Müller.