LG's neues Smartphone G3 im Test: Scharf, schnell, schön

07.07.2014

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Das LG G3 geht „aufs Ganze“ und spricht jedwede Zielgruppe an: ergonomisches Design im Metallic-Look, superschneller Autofokus dank Laser-Unterstützung, Fotos mit 13 Megapixel, Videos mit vierfacher Full-HD-Auflösung (4K oder auch UHD genannt) und vor allem das schärfste Display, das hierzulande im Handel zu finden ist.

Bislang bildeten Smartphones mit Full-HD-Display die technische Speerspitze hierzulande. Das HTC One (M7) hatte die höchste Pixeldichte und damit die schärfste Mattscheibe. Das LG G3 stellt das erste Handy dar, das breitflächig verfügbar ist und hiesigen Garantiebedingungen unterliegt. Dessen Monitor misst eine Diagonale von knapp 139 Millimeter oder 5,47 Zoll. Bei einer Auflösung von 1440 x 2560 Pixel – genannt Quad-HD oder QHD – ergibt das eine Pixeldichte von 447 Pixel pro Quadratmillimeter respektive 537 ppi, damit 29 Prozent mehr als der bisherige Spitzenreiter. Man darf daher mit Fug und Recht von einem Qualitätssprung sprechen. In der Praxis allerdings fällt der Unterschied eher gering aus: Der Bildschirm des G3 ist zwar fraglos der beste derzeit am Markt, doch bei genauem Hinsehen erkennt man eine höhere Detailtreue, aber nicht in einem Maße wie etwa beim Unterschied zwischen DVD und BluRay

Erweiterbares Gedächtnis

Gute Nachrichten auch in puncto Speicher: Ließ sich das Gedächtnis des G2 noch nicht mittels Micro-SD-Karten erweitern, so findet sich nun im G3 unter dem abnehmbaren Akkudeckel ein entsprechender Slot. Die Speicherchips werden auch gleich mit bis zu zwei Terabyte unterstützt –zumindest in der Theorie, denn bei 128 Gigabyte ist momentan bei Micro-SD-Karten Schluss. Der interne Speicher beträgt wahlweise 16 oder 32 Gigabyte, wofür LG 549 respektive 599 Euro als unverbindliche Preisempfehlung aufruft. Hinzu kommt, dass die „kleine“ Version mit 2 Gigabyte Arbeitsspeicher ausgestattet ist, in der „großen“ stecken 3 Gigabyte. Dafür sind 50 Euro Differenz wahrlich nicht viel.

Mächtiger Rechenchip

Der Qualcomm Snapdragon 801 stellt den stärksten Mobilprozessor derzeit dar – der Snapdragon 805 ist nämlich noch nicht verfügbar. Dessen vier Kerne sind mit 2,5 Gigahertz getaktet und werden unterstützt von der mächtigen Grafikeinheit Adreno 330. Im Test lieferte die „kleine“ Variante des G3 mit zwei Gigabyte Arbeitsspeicher ambivalente Ergebnisse in den Benchmarks: Quadrant beispielsweise bescheinigt dem G3 ein Resultat, das 20 Prozent über dem des G2 liegt, der browserbasierte und mathematisch orientierte Sun Spider kommt gar auf ein um 47 Prozent besseres Ergebnis. Bei grafischen Aufgaben wie „Ice Storm Unlimited“ von 3DMark hat hingegen das G2 mit vier Prozent knapp die Nase vorn. Da macht sich beim G3 die deutlich höhere Zahl der zu berechnenden Bildschirmpixel bemerkbar. In der Gesamtwertung von dreizehn der bekanntesten Tempo-Tests rangiert der Proband am Ende 12 Prozentpunkte vor dem G2, das zwar schon neun Monate auf dem Buckel hat, aber bereits mit dem Snapdragon 800 ausgerüstet war, der seiner Zeit ein ganzes Stück voraus war. Da fällt der jetzige Sprung zum Snapdragon 801 geringer aus. Das schnellste Mobiltelefon ist das G3 damit allerdings nicht: Obwohl mit exakt identischem Chip bestückt, rangiert das Samsung Galaxy S5 in der Gesamtwertung 13 Prozentpunkte vor dem G3, ebenso das Galaxy Note 3 und HTC One (M8). Nummer eins bleibt das iPhone 5S mit einem Vorsprung von 16 Prozent auf das G3. Aber auch als Nummer fünf gehört der Koreaner fraglos zu den kräftigsten Boliden, die man derzeit hierzulande kaufen kann. Wie sich die „große“ Variante mit drei Gigabyte Arbeitsspeicher in den Benchmarks behauptet, lässt sich derzeit nicht beurteilen, weil noch nicht verfügbar. Aufgrund des etwas größeren Arbeitsspeichers dürfte sie aber geringfügig über den Ergebnissen des „kleinen“ G3 liegen.

Akku austauschbar und drahtlos ladbar

Erfreulich, dass LG auch auf die Kritik hinsichtlich des Akkus reagiert hat: Beim G2 konnten Nutzer den Stromspeicher nicht selbst austauschen, das G3 kann hingegen bei Bedarf mit einem Zweitakku durchstarten – wichtig vor allem für Intensivnutzer oder mobile Gamer ohne Stromanschluss. Die Kapazität blieb indes bei 3.000 Milliamperestunden. Im Laufzeittest bei der Videowiedergabe mit maximaler Bildschirmhelligkeit im Flugmodus erzielte der Proband damit 370 Minuten. Auf den ersten Blick enttäuschend, denn dieser Wert liegt 14 Prozent unter dem Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones. Hierbei muss allerdings die Größe des Displays berücksichtigt werden, und dann entspricht dieses Resultat haargenau dem Mittelwert. Für 5,5 Zoll und QHD kann sich die Laufzeit also absolut sehen lassen. Wer allerdings einen Marathonläufer sucht, ist mit dem Samsung Galaxy S5 und dessen AMOLED-Bildschirm in Full-HD-Auflösung besser beraten, das unter identischen Bedingungen 765 Minuten lang durchhielt, also mehr also zweimal so lange wie das G3. Dafür hat das G3 am Ende noch ein besonderes Schmankerl parat: Der Stromspeicher lässt sich nämlich ab Werk drahtlos aufladen. Wer eine Ladestation nach Qi-Standard besitzt, kann das G3 darauf laden, ohne teures Zubehör erwerben zu müssen.

Schnellstmögliche Daten

Die restliche Ausstattung lässt keine Wünsche offen: LTE wird mit Cat 4 unterstützt, ermöglicht also Datenempfangsraten von nominal bis zu 150 Megabit pro Sekunde, in UMTS-Netzen sorgt DC-HSPA (auch bekannt als HSPA+) für Downloads mit maximal 42 Megabit. WLAN ac ist ebenso an Bord wie Bluetooth 4.0 und NFC. Sogar die Infrarot-Schnittstelle zur Nutzung des Telefons als Fernbedienung für Fernseher & Co. ist wieder dabei.

Laserschneller Autofokus

Als Weltneuheit unter den Smartphones nutzt der Autofokus des G3 einen Laser. Dieser stellt nicht nur besonders akkurat scharf, sondern vor allem auch fix: Binnen 0,276 Sekunden soll ein Foto geschossen sein und damit schneller noch als ein Wimpernschlag. Da will LG eindeutig die landsmännische Konkurrenz unterbieten, denn für das Galaxy S5 hat Samsung einen Wert von 0,3 Sekunden genannt. Wobei der eine so theoretisch ist wie der andere, denn in der Praxis hängt die Dauer maßgeblich vom Motiv und der Lichtsituation ab. Fest steht aber definitiv, dass die beiden Kontrahenten aktuell die schnellsten sind, da hinkt das Gros der Konkurrenz spürbar hinterher. Die Auslöseverzögerung liegt unter einer Hundertstelsekunde und ist somit praktisch nicht vorhanden. Die Kamera-App bietet die üblichen Optionen wie HDR oder Panorama, die manuellen Einstellungen etwa von ISO-Zahl oder Weißabgleich wie beim G2 fielen jedoch weg. Diese dürften aber wohl ohnehin nur die Allerwenigsten genutzt haben. Die Frontkamera nimmt Fotos und Video in Full HD (1920 x 1080 Pixel) auf. Wie sich der zweifarbige Blitz schlägt und in welcher Qualität die 13-Megapixel-Fotos geschossen werden, klärt das folgende Video:

Videos mit viermal Full HD

Videos nimmt der Koreaner in 4K auf, also mit 3840 x 2160 Pixel bei 30 Bildern pro Sekunde. Hierbei kommt der optische Bildstabilisator noch stärker zum Tragen als bei den Fotos, wirken die Clips doch angenehm ruhig. Die üblicherweise verwendeten digitalen Stabilisatoren wie im Galaxy S5 können da weit nicht mithalten, wie ebenfalls im obigen Video zu sehen ist. Auch Schärfe, Dynamik und Farben begeistern: Die Videos des G3 zeigen die beste Qualität, die bislang je von einem Smartphone zu sehen war. Sensationell!

Allerdings fordern die 4K-Aufnahmen den Prozessor enorm, weshalb deren Dauer auf fünf Minuten begrenzt ist. Das halten auch Konkurrenten wie das Galaxy S5 oder Galaxy Note 3 so. Wer mehrere Videos hintereinander aufnimmt, wird daher früher oder später ausgebremst: Dann nämlich wird die Aufnahme zwangsbeendet – auch das ist vollkommen branchenüblich. Im Test bei einer Raumtemperatur zwischen 18 und 20 Grad geschah dies regelmäßig nach etwa sechs 4K-Clips à fünf Minuten, also nach rund 30 Minuten 4K-Aufnahme. So viel dürfte kaum jemand im Dauerbetrieb filmen, zumal dabei gut 4,5 Gigabyte an Daten anfallen! Das S5 gab mal einige Minuten früher, mal etwas später auf – und schaltete dann die Videoaufnahme komplett aus. Ehe der Prozessor nicht abgekühlt ist, sind somit nicht einmal mehr Full-HD-Aufnahmen möglich. Anders das G3, das auch mit heißem Prozessor unbegrenzt Full-HD-Videos aufnimmt, bei 4K gelangen im Test nach der ersten Hitzewarnung noch Aufnahmen von teils einer knappen Minute, mitunter aber auch mehr als drei Minuten. Besser als nichts. Hobbyfilmer, die sich davon nicht abschrecken lassen, sollten zudem bedenken, dass 4K-Komprimierung in Echtzeit auch den Akku förmlich leersaugt: Nach besagten 30 Minuten Aufnahme waren vom einem ursprünglich zu 100 Prozent gefüllten Akku gerade mal 40 Prozent übrig! Zur intensiven Nutzung empfiehlt sich daher dringend die Anschaffung eines Zweit- oder gar Drittakkus. Und natürlich einer dicken Speicherkarte.

Erstklassiger Sound

Bei so viel Begeisterung für die Kamera soll aber der Musikplayer nicht vergessen werden. Dieser hat nämlich in der hauseigenen App „Musik“ neben einer ansprechenden Nutzeroberfläche auch einen manuell wunderbar fein justierbaren Equalizer zu bieten. Und einen hervorragenden Klang: Am Referenz-Kopfhörer, den Ultimate Ears Reference Monitors, begeistert das G3 mit einem kräftigen, sehr natürlichen Sound. Selbst bei ganz genauem Hinhören kann kein Unterschied zur Referenz, dem iPhone 4S, festgestellt werden: Die Höhen tönen ebenso spritzig und filigran, die Bässe nicht minder druckvoll und voluminös. Damit gehört der Klang des LG zum besten aller Smartphones, wofür der Proband das dritte „Sehr gut“ in der Disziplin Multimedia kassiert.

Angenehme Haptik

Die Verarbeitungsqualität war bereits beim G2 hoch, wurde aber weiter verbessert. So ist etwa der Übergang vom Gorillaglas zum Korpus kaum zu erspüren. Der Akkudeckel besteht zwar aus Kunststoff, wurde aber mit einer neuartigen Beschichtung bedampft, die Metallpartikel enthält, weshalb die Rückseite nicht nur aussieht wie Metall, sondern sich bis zu einem gewissen Grad auch so anfühlt. Dabei bleibt das Gewicht von 155 Gramm vergleichsweise gering für die Maße von rund 75 x 146 Millimeter. Der Rücken wölbt sich von 5 Millimeter am Rand auf 10 Millimeter in der Mitte, wodurch das Telefon sehr ergonomisch in der Hand liegt. Weitgehend beträgt die Dicke 9,4 Millimeter. Im Vergleich zum G2 wurde die Form der rückseitigen Lautstärkewippe optimiert: Durch deren Dellen mit dem nun runden Ein-/Aus-/Standby-Taster in der Mitte lässt sich alles noch besser mit dem Finger ertasten.

Hilfreiche Komfortfunktionen

Über Android 4.4.2 legt LG seine übliche Nutzeroberfläche, die zahlreiche Komfortfunktionen mit sich bringt. Von früheren Telefonen der Koreaner her bekannt sind die scrollbaren und konfigurierbaren Schnellzugriffe am oberen Rand des Benachrichtigungscenters oder die individualisierbaren Onscreen-Navigationstasten. Neu ist hingegen, dass sich nun die Tastatur auf Wunsch in der Höhe anpassen lässt, ebenso wie die Tastenbelegung der unterer Reihe. Highlight ist und bleibt aber „Knock On“: Ein Doppelklick auf den Touchscreen reicht, um das Telefon aus dem Standby-Modus zu wecken oder in selbigen zu versetzen. Hinzu kommt „Knock Code“ in einer optimierten Version: Nun kann nämlich das Klopfmuster an beliebiger Stelle und in jedweder Größe auf dem Display ausgeführt werden, um das Gerät zu entsperren. Das erweist sich vor allem bei der Einhandbedienung als immens viel einfacher. Diese und weitere Neuerungen sowie Highlights die Oberfläche zeigt das folgende Video:

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Mit diesen Funktionen macht LG die Bedienung nicht nur weitgehend intuitiv, sondern auch in hohem Maße individualisierbar. Kritikpunkte sind nicht auszumachen, weshalb es in der Handhabungswertung eine der seltenen Wertungen mit „sehr gut“ gibt.

Fazit: Derzeit das beste Smartphone

LG hat nicht zu viel versprochen: Das G3 ist in der Tat ein echtes Super-Smartphone. Das 5,5-Zoll-Display überzeugt mit ultrahoher Auflösung und brillantem Bild, der austauschbare und drahtlos aufladbare Akku hält für diese Mattscheibengröße ordentlich lange durch, der Prozessor gehört zu den stärksten derzeit am Markt und der Speicher kann per SD-Karte erweitert werden. Da hat LG schnell auf die Kritik am G2 reagiert – das erlebt man selten.

Darüber hinaus überzeugt die Kamera mit exzellenten 13-Megapixel-Fotos sowie hervorragenden 4K-Videos, und auch der Klang des Musikplayers gehört mit zum Besten, was man derzeit bei Smartphones finden kann. Solide Verarbeitung, gelungene Ergonomie und edles Design werden ergänzt von einer ebenso intuitiven wie komfortablen Bedienung. Bis auf den fehlenden Schutz vor Staub und Wasser lässt sich da kein Haar in der Suppe finden.

Deshalb überholt das LG G3 auf der Zielgeraden den bisherigen Spitzenreiter, das Samsung Galaxy S5, um Haaresbreite. Das G3 ist damit das derzeit beste Smartphone hierzulande!

Ausstattung                 175 von 175

Foto                             23 von 25

Video                           24 von 25

Musik                          23 von 25

Handhabung                218 von 250

gesamt                        463 von 500