Lenovo P2 im Test: Akku-König mit Ausdauer

07.02.2017

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Das Lenovo P2 hat ein ganz dickes Ass im Ärmel: Der Hersteller gibt die Kapazität des Akkus mit sage und schreibe 5.100 Milliamperestunden an. Das P2 hält damit länger durch als jedes bisher getestete Smartphone! Trotz Riesen-Akku, 5,5-Zoll-Display, 13-Megapixel-Kamera und Fingerabdruck-Sensor bleibt der Preis mit 349 Euro aber recht moderat. Wo das P2 der König ist und wo es hinter anderen Anwärtern zurücksteht, erfahren Sie im Verivox-Test.

Akkus sind die Achillesferse heutiger Smartphones: Gegen Tagesende kommt mitunter sogar Otto Normalnutzer in die Bredouille und Intensivnutzer schleppen für den Notfall meist ein Power-Pack zum Nachladen mit. Manche Nutzer greifen daher sogar zu Akku-Alternativen auf dem asiatischen Markt. Die Probleme fangen teilweise jedoch bereits bei der Netzversorgung an, denn nicht jedes Mobiltelefon aus Asien unterstützt alle in Europa gängigen LTE-Frequenzen und Sprachen. Und spätestens im Garantiefall könnte Reue das Ende des Lieds markieren, denn der Versand ist teuer und dauert.

Wer solche Risiken gar nicht erst eingehen möchte, und dennoch auf lange Akkuzeiten setzt, findet im Lenovo P2 einen mehr als ausdauernden Gefährten: Hierzulande gab es bisher noch kein Telefon mit den Herstellerangaben von 5.100 Milliamperestunden. So weist das Moto Z Play, das bislang mit einem Testergebnis von 819 Minuten die Spitzenposition der Marathon-Charts innehatte, nur 3.500 auf, was bereits als viel gilt. Nun ist also das P2 da und hängt die Kontrahenten ab: Sage und schreibe 1.048 Minuten erzielt der Marathonläufer im Laufzeittest bei der Videowiedergabe mit auf 200 Candela gedimmtem Display im Flugmodus. Das P2 liegt damit glatte 28 Prozent über dem bisherigen Sieger Moto Z Play. Und insgesamt hält es um 109 Prozent länger durch als der Durchschnitt aller in den letzten 24 Monaten getesteten Smartphones – das ist mehr als doppelt so lang! Damit können selbst extreme Intensivnutzer den Power-Pack auch mal zuhause lassen und dürften ohne Zwischentanken über den Tag kommen. Grandios!

Maße bleiben regulär

Bei solchen Rekordwerten kommt natürlich der Verdacht auf, das Mobiltelefon müsse klobig und schwer sein. Doch beweist das Lenovo P2 das Gegenteil: Mit 76 × 153 × 8,4 Millimetern liegt es nämlich gerade mal 2 Prozent über dem Durchschnitt des für diese Bildschirmgröße üblichen Gewichts ist. Gleiches gilt für das Gewicht von 180 Gramm, denn schließlich steckt der Proband in einem Aluminium-Unibody. Seiten und Rücken bestehen also aus einem einzigen, durchgehenden Stück Metall. Einzige Ausnahme: Auf der Rückseite oben und unten ist je ein Streifen Kunststoff eingelassen, um die Antennensignale durchzulassen. Der Rahmen ringsum bleibt aber ununterbrochen. Das macht sich bei der Stabilität bemerkbar: Im Verwindungstest gibt das P2 kein Stück nach und fühlt sich an wie ein Backstein. Ganz anders als etwa das optisch sehr ähnliche Honor 6X: Dieses verfügt zwar ebenfalls über einen Alu-Rücken, aber nicht über einen ringsum durchgehenden Vollmetall-Korpus und lässt sich deswegen schnell verbiegen. Kurzum: Das Lenovo P2 ist trotz des XXXL-Akkus keine Spur größer oder schwerer als andere Handys mit entsprechender Displaygröße und Metallmantel.

Turbo-Tanken

Noch ein potenzielles Hindernis bei solch mächtigem Akku stellt in der Regel das Laden dar, denn schließlich will niemand einen halben Tag lang sein Handy betanken müssen. Aber auch in diesem Punkt kann Entwarnung gegeben werden: Lenovo legt dem P2 serienmäßig ein Netzteil mit stolzen 24 Watt bei, welches den vollständig entleerten Stromspeicher binnen 15 Minuten zu respektablen 27 Prozent füllt. Nach 30 Minuten sind es 54 Prozent, nach einer Stunde 85 Prozent. Und für die volle Ladung benötigt der Kandidat 106 Minuten: Angesichts der gigantischen Kapazität sind das unglaubliche 106 Prozent schneller als der Durchschnitt. Das P2 lädt damit mehr als doppelt so schnell wie üblich, und das bei einem grob gerechnet doppelt so dicken Akku. Allerdings gilt zu bedenken, dass nach aktuellem Kenntnisstand derart schnelles Laden die Batterie fünfmal schneller abnutzt als ohnehin (siehe hierzu die Ausführungen im Test des Sony Xperia X). Daher sollte, wann immer möglich, ein Netzteil mit geringerer Leistung verwendet werden.

Hochwertiger Bildschirm

Die Mattscheibe misst 5,48 Zoll respektive 139 Millimeter. Das P2 gehört damit zu den üppigeren Zeitgenossen. Die Auflösung von 1080 × 1920 Bildpunkte führt zu einer Schärfe von 250 Pixel pro Quadratmillimeter oder 402 ppi und liegt damit 6 Prozent unter dem Durchschnitt. Die Auflösung ist damit aber immer noch im grünen Bereich, erst recht, wenn man den vergleichsweise moderaten Straßenpreis von 329 Euro zum Verkaufsstart bedenkt. Dank Super-AMOLED-Panel mit Diamond-Matrix fallen zudem Kontraste sowie Blickwinkelstabilität exzellent aus, da können klassische LCDs nur von träumen. Selbst die Helligkeit, bei OLED-Bildschirmen meist geringer als bei LCDs, kann sich sehen lassen: Bis zu 550 Candela pro Quadratmeter werden in der Mitte gemessen – selbst für LCDs wäre das gut, für ein OLED-Panel aber 37 Prozent mehr als üblich. Allerdings erreicht das P2 diesen Wert nur in heller Umgebung wie beispielsweise bei Sonnenschein. Bei dunkleren Lichtverhältnissen, wie in geschlossenen Räumen, leuchtet das Display mit bis zu 338 Candela, was aber auch völlig ausreicht. Am Bildschirm gibt es mithin absolut nichts zu meckern.

Octa-Core-Prozessor

Als Prozessor werkelt der Snapdragon 625 von Qualcomm unter der Haube, dessen acht Kerne allesamt mit 2 Gigahertz getaktet sind. Ebenfalls auf dem Chip sitzt das Grafikmodul Adreno 506. Der Arbeitsspeicher fasst 4 Gigabyte, was für diese Preisklasse äußerst üppig ist. Damit erzielt der Proband in der Gesamtwertung aus mehr als 50 Einzelwerten von 15 der bekanntesten Benchmarks ein Ergebnis, das 5 Prozent über dem aktuellen Schnitt liegt. Insgesamt liegt hier der Durchschnitt mittlerweile erfreulich hoch, weshalb die allermeisten Anwender mit dieser Leistung vollauf zufrieden sein dürften. Dazu ein Beispiel aus der Praxis: In einem grafisch aufwändigen Spiel wie „Dead Trigger 2“ schafft das Lenovo ordentliche 55 von 60 möglichen Bildern pro Sekunde – die Darstellung darf also durchaus als flüssig gewertet werden. Wer mehr will, muss auch mehr bezahlen: Sowohl die Darstellung von „Dead Trigger 2“ als auch eine Auswahl an Alternativen mit 59 und 60 Bildern pro Sekunde samt deren Preise findet sich im folgenden Hands-on-Video zum Lenovo P2 ab Minute 5:09

Positive Nachrichten gibt es auch in Bezug auf den internen Speicher: Von den 32 Gigabyte brutto bleiben nach Aktualisierung aller vorinstallierten Komponenten noch 21,8 Gigabyte netto übrig. Das sind stramme 32 Prozent mehr Netto-Ablage als man für dieses Geld erwarten dürfte und ist ziemlich üppig für diesen Preis. Das Gedächtnis lässt sich mittels Micro-SD-Karte um offiziell bis zu 128 Gigabyte erweitern, alternativ kann stattdessen auch eine zweite Nano-SIM eingelegt werden. Darüber hinaus beherrscht das P2 USB On-the-Go: Mit Hilfe eines optionalen Adapters lassen sich also beispielsweise USB-Sticks oder ganze Festplatten mit eigener Stromversorgung andocken. Bei der USB-Buchse handelt es sich nicht um den neuen Typ C, sondern um den bisher üblichen Micro-USB-Anschluss („Typ B“). Das bedeutet zwar einerseits, dass sich das Kabel noch nicht beidseitig einstöpseln lässt. Andererseits wird aber auch kein Adapter benötigt, wenn man altes Zubehör wie etwa Netzteile weiterverwenden möchte.

Nicht ganz up to date

In der Abteilung Funk bietet der Kandidat mit WLAN ac den aktuellen Standard. Mit Bluetooth 4.1 hinkt das P2 jedoch eine Generation hinterher. Der Unterschied von Version 4.1 zu 4.2 betrifft primär höhere Datenübertragungsraten, geringeren Stromverbrauch und erhöhte Sicherheit beim Pairing. NFC ist an Bord, und in LTE-Netzen empfängt der Proband Daten mit nominal bis zu 150 Megabit pro Sekunde: Das ist ebenfalls nicht State of the Art, doch erstens sind die hiesigen Netze noch weit von flächendeckenden 300 oder gar 600 Megabit pro Sekunde entfernt, und zweitens unterstützt auch nicht jeder Vertrag das maximale Tempo. In der Praxis dürfte der ältere Bluetooth-Standard also für die Allerwenigsten ein Grund sein, vom etwaigen Kauf Abstand zu nehmen.

13-Megapixel-Kamera

Die Kamera des P2 nimmt Fotos mit maximal 13 Megapixel auf. Die Frontkamera schießt Selfies mit maximal 5 Megapixel. Die zweifarbige Doppel-LED auf der Rückseite liefert stramme 74 Lux und leuchtet den Nahbereich damit relativ ordentlich aus. Im Panorama-Modus beträgt die Auflösung 11 Megapixel, wobei das Telefon ganz unkonventionell im Hochformat gehalten werden muss. Das führt dazu, dass der Schwenkbereich ungewöhnlich groß ausfällt, geschätzt etwa rund 300 Grad. Nicht alltäglich ist auch der künstliche Horizont, der sich in den etwas unübersichtlichen Einstellungen hinter dem Eintrag „Dreiaxiale Nivellierung“ verbirgt: Anhand dieser Anzeigen kann der Nutzer das Telefon in drei Achsen gerade ausrichten. Die manuellen Einstellungen warten hinter der im Deutschen etwas verunglückten Modus-Bezeichnung „Vorteile“. Unter „Künstlerisches HDR“ finden sich gleich vier verschiedene HDR-Modi (Klassisch, Automobil, Stillleben, Stadt). Die allermeisten Anwender dürften aber wohl den „Smart“-Modus aktiviert lassen, der automatisch das passende Programm wählt und, wenn erforderlich, sogar den Kontrastoptimierer HDR zuschaltet. Die folgenden Testfotos sind deshalb auch in diesem praxisnahen Modus aufgenommen.

Bildqualität

Unter guten Lichtbedingungen wie am Tag erzielt das P2 erfreulich gute Resultate: Schärfe, Detailtreue, Kontraste, Dynamik und Farben sehen nach einem deutlich teureren Smartphone aus, wie sich am folgenden Beispiel sehen lässt:

Bei kritischen Motiven wie etwa bei Dunst und Gegenlicht kann man zwar ein kräftiges Bildrauschen ausmachen, aber nicht die sonst häufig anzutreffenden Klötzchen, die bei der Komprimierung entstehen. Hier geht es zum Testfoto bei Gegenlicht: Zum Testfoto Gegenlicht (jpg)

So weit, so gut. Doch leider nimmt die Qualität proportional zum Licht ab. Außerdem fehlt ein optischer Stabilisator, weshalb die Aufnahmen früher oder später verwackeln. Das folgende Foto wurde bei dunklen 100 Lux mit Stativ geschossen und ist dennoch völlig unscharf und verrauscht: Zum Testfoto Bildrauschen (jpg)

Die Kamera des P2 ist damit eine typische Schönwetterkamera. Schärfe und Details sind aber trotzdem beeindruckend, weshalb es trotz dieser Einschränkungen unterm Strich noch zu einem „Befriedigend“ in der Fotowertung reicht.