Internet-Fernsehen: Für wen eignet sich IPTV?

11.11.2011

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: dapd

Hannover - Fernsehen kann man längst nicht mehr nur über Kabel oder Satellit empfangen. Viele Anbieter haben inzwischen spezielle Pakete mit "IPTV" im Programm - Fernsehen aus der DSL-Dose. Doch für wen eignet sich dieses Angebot?

Wer als Fußballfan die Bundesliga live sehen will, kann entweder ein Abo beim Pay-TV-Kanal "Sky" abschließen oder das Angebot "Liga total" von der Deutschen Telekom buchen. Der Unterschied ist die Technik. Während Sky die klassischen Übertragungswege über Satellit und Kabel bedient, bietet die Telekom "IPTV" an, also Fernsehen aus der DSL-Dose. Nico Jurran vom Branchendienst "Heise" hält den in diesem Zusammenhang oft verwendeten Begriff Internetfernsehen für irreführend. Liefe das TV-Programm tatsächlich über das Netz, könne man auch nicht verhindern, dass die Übertragung stocke. Tatsächlich fände die Übertragung jedoch über ein geschlossenes Netz und damit störungsfrei statt. Voraussetzung sei allerdings, dass Telefonie, DSL und IPTV im Paket von einem einzigen Anbieter bezogen werden.

Neben der Telekom mit ihrem "Entertain-Paket" bieten Alice und Vodafone IPTV. Große Unterschiede zwischen den Providern gibt es hinsichtlich des TV-Angebotes. So liefert "Liga total" einzig und allein der rosa Riese. Es ist einschließlich Telefon und Internet ab rund 28 Euro zu bekommen. Wer Pay-TV-Kanäle dazu haben will, muss noch einmal zwischen drei und 23 Euro je nach gewünschten Sendern draufzahlen - wobei die Telekom bietet nach einem Streit mit "Sky" dessen Kanäle nicht mehr anbietet. Aus Sicht von Branchenexperte Jurran ist das nicht das einzige Manko bei Entertain. So seien Sender wie RTL Crime, Kabel Eins Classic oder Sat1Comedy einfach aus dem Programm genommen worden, vermutlich weil sich Sender und DSL-Anbieter nicht darüber einig geworden seien, wie sie Kosten und Gewinne teilen. "Das passiert nicht bei Satellit und auch nicht bei anderen Kabelanbietern", sagt Jurran.

Für Mieter interessant

IPTV sei für Mieter eine Überlegung wert, die keine Satellitenschüssel am Gebäude anbringen dürfen und Fernsehzuschauern, die mit dem Angebot des frei empfangbaren DVB-T nicht zufrieden sind. "Wenn jemand die Möglichkeit hat, Satelliten-TV zu empfangen, dann sollte er das tun", rät Jurran. Die Bildqualität sei mit IPTV bei Sendern, die in Normalauflösung ausstrahlen, teilweise schlechter, gibt der Experte zu bedenken. Das liege an der Komprimierung: "Bei schnellen Bewegungen im Bild kann das zu Problemen führen."

Kaum Zusatzinformation und Mehrwertdienste

Das hierzulande angebotene IPTV biete außerdem bei weitem nicht die technischen Möglichkeiten wie zum Beispiel in den USA: "Leider ist in Deutschland das IPTV-Angebot sehr enttäuschend", kritisiert Jurrans. Der Zuschauer könne am Programm nicht interaktiv teilnehmen und erhalte auch kaum Zusatzinformationen und Mehrwertdienste, etwa über Spieler einer Fußballmannschaft. Das von der Telekom als Basissystem genutzte Mediaroom gäbe diese Möglichkeiten her, die Telekom habe sie aber bisher fast nicht genutzt, moniert er.

Neben dem Empfang via Satellit empfiehlt der Experte digitale Kabelanbieter wie Kabel Deutschland (in 13 Bundesländern verfügbar) oder Kabel BW. Diese böten eine erheblich größere Auswahl von Sendern mit hochauflösendem Fernsehen (HD-Sendern) als IPTV.

Pay-TV ist die Zukunft

Ein weiterer Vorteil bei privaten Kabelanbietern: Für deren Angebot kann man HD-taugliche Receiver verwenden, die im Handel frei erhältlich sind. Dagegen sind Zuschauer bei IPTV auf Geräte festgelegt, die vom Anbieter bereitgestellt werden, erläutert Jurrans. Die frei erhältlichen Geräte seien unter Umständen günstiger.

Mit dem kostenlosen Empfang von Satellitenprogrammen wird es jedenfalls nach Überzeugung Jurrans früher oder später vorbei sein: "Die Zukunft ist das Bezahlfernsehen". Spätestens, wenn die derzeit noch in Standardauflösung ausgestrahlten Privatsender auf hochauflösendes Fernsehen umgestellt hätten, würden sie sich das auch bezahlen lassen, davon ist der Fachredakteur überzeugt. Nach seiner Schätzung dauert es bis dahin aber noch rund 15 Jahre.