Im Test: Das Huawei P10 fordert das iPhone heraus

Heidelberg - Das Huawei P10 bleibt so kompakt wie sein Vorgänger, das P9. Doch das Innenleben hat sich erheblich verbessert und bedrängt damit selbst Topmodelle wie das iPhone 7. Dem sieht es auch noch verblüffend ähnlich. Doch erstens kommt das P10 mit Android 7 als Betriebssystem und ist zweitens erheblich günstiger als das iPhone. Im Verivox-Test fordert das Huawei P10 das iPhone 7  heraus und steht gleichzeitig seinem Vorgänger, dem Huawei P9, gegenüber.

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Bild: Huawei P10 Bild: ©Huawei Technologies Co. Ltd. / Text: Verivox

Wer das Huawei P10 zum ersten Mal in die Hand nimmt, ist angetan von Haptik und Optik: edler Unibody aus Aluminium, flacher Rücken, abgerundete Ecken und Kanten – der reinste Handschmeichler. Und in Zeiten, in denen immer mehr Flaggschiffe riesige Bildschirme aufweisen und deshalb groß und schwer sind, fallen die Maße von 70 x 145 x 7,2 Millimeter bei 146 Gramm erfreulich kompakt aus. Dem vergleichsweise moderaten Display von 5,1 Zoll oder 129 Millimeter sei Dank. Das Design erinnert fraglos an das iPhone 7, doch kostet das Huawei P10 mit 599 statt 759 Euro eine ganze Ecke weniger. Aber natürlich kommt der Proband mit Android statt iOS als Betriebssystem. Und er hat in vielen Belangen mehr zu bieten als das Apfelhandy, dessen Mattscheibe mit 4,7 Zoll (119 Millimeter) ein ganzes Stück kleiner ist.

Auch die Auflösung von 1080 x 1920 Pixel, die zu einer Schärfe von 289 Pixel pro Quadratmillimeter oder 432 ppi führt, liegt deutlich über den 165 Pixel pro Quadratmeter (326 ppi) des iPhone. Die Helligkeit von 510 Candela pro Quadratmeter kann zwar nicht ganz mit den 597 Candela des iPhone mithalten, reicht aber selbst im Freien aus. Und dank Dual-Domain-IPS kann sich auch die Blickwinkelstabilität sehen lassen. Im Vergleich zum Vorgänger, dem Huawei P9, hat sich die Mattscheibe des Probanden indes nicht verändert.

Akku

In puncto Laufzeit übertrumpft der Herausforderer das Smartphone von Apple ebenfalls: 698 Minuten hält das P10 im Laufzeittest bei der Videowiedergabe mit auf 200 Candela gedimmten Bildschirm im Flugmodus durch, ein glattes Viertel länger als das iPhone 7 mit seinen 556 Minuten. Damit liegt der Kandidat 36 Prozent über dem Durchschnitt aller in den letzten 24 Monaten getesteten Smartphones, womit selbst die meisten Intensivnutzer über den Tag kommen sollten, ohne zwischentanken zu müssen. Das P9 rangiert mit 434 Minuten aktuell 15 Prozent unter dem Mittel, was sogar dem einen oder anderen Normalnutzer nicht reichen dürfte, um den Tag zu überdauern. Ein riesiger Sprung nach vorne für das P10 mithin.

Ladezeiten

Das Huawei P10 wird mit einem Netzteil ausgeliefert, das bis zu 22,5 Watt erzeugt: Kräftig für ein Smartphone. An diesem ist der zuvor vollständig entladene Akku nach 15 Minuten bereits wieder zurück auf 26 Prozent, nach 30 Minuten sind es 51 Prozent und nach einer Stunde 85 Prozent. Für die volle Ladung benötigt der Proband 103 Minuten: in Relation zur Akkukapazität 31 Prozent schneller als üblich. Das P9 schippert in dieser Disziplin 6 Prozent unter dem Mittel, das iPhone 7 sogar 38 Prozent.

Speicher

In Sachen Gedächtnis fährt Apple ja eine andere Strategie und bietet verschiedene Speicher-Varianten zu unterschiedlichen Preisen an. Doch selbst das kleinste iPhone, das preislich dem P10 am nächsten kommt, muss sich beim Preis-Leistungs-Verhältnis dem Huawei klar geschlagen geben: Die netto 26,8 Gigabyte des iPhone 7 rangieren im Verhältnis zum Preis 27 Prozent unter dem Durchschnitt. Das P10 bringt es mit 64 (netto: 48,2) Gigabyte auf 44 Prozent über dem Mittel, liefert also weit mehr Speicher fürs Geld. Vor allen Dingen aber lässt sich die Ablage per Micro-SD-Karte um offiziell bis zu 256 Gigabyte erweitern: Davon können iPhone-Nutzer nur träumen. Auch sei angemerkt, dass das P10 mit Micro-SD-Karte auf nominal 320 Gigabyte kommt und damit sogar die teuerste iPhone-Version mit 256 Gigabyte toppt. Zudem können mit Hilfe eines optionalen Adapters beispielsweise USB-Sticks angedockt werden (“USB On-the-Go“). Beachtet sei hierbei aber, dass es sich um eine USB-Buchse des neuen „Typ C“ handelt, also eventuell neue Adapter erforderlich werden. Im Vergleich zum P9, das über 32 (netto: 22,6) Gigabyte erweiterbaren Speicher verfügt, hat das P10 mithin ums Doppelte zugelegt, netto gerechnet sogar etwas mehr.

Prozessor

Als Rechner verwenden die Chinesen den hauseigenen Kirin 960, dessen acht Kerne mit 2,4 und 1,8 Gigahertz getaktet sind. Als Grafikmodul ist die Mali G71 mit an Bord, der Arbeitsspeicher fasst 4 Gigabyte. Damit erzielt der Kandidat in der Gesamtwertung von mehr als 50 Einzelwerten aus 15 Benchmarks ein Resultat, das 89 Prozent über dem Mittel liegt. Das bedeutet Rang 7 in den Tempo-Charts! Das P9 segelt derzeit 54 Prozent über dem Mittel, ist also immer noch ungemein stark. Dem iPhone 7 muss sich das P10 allerdings geschlagen geben, das mit seinen 180 Prozent über Mittel weiterhin ungeschlagen bleibt. Doch ehe bei Interessenten Enttäuschung aufkommt: Die Bilanz des Huawei P10 ist dennoch erstklassig! Wie die Probe aufs Exempel beweist, die Verivox anhand des grafisch aufwändigen Spiels „Dead Trigger 2“ durchführt: Hier schafft der Proband im Durchschnitt stolze 59 von 60 möglichen Bildern pro Sekunde, das dürfte sogar anspruchsvollste Gamer vollauf zufriedenstellen.

Sonstiges

In LTE-Netzen empfängt das P10 Daten mit 600 Megabit pro Sekunde und damit nominal doppelt so schnell wie sein Vorgänger – sofern Netz und Vertrag mitspielen. Die weitere Ausstattung hat sich nicht verändert, weil bereits beim P9 auf dem neuesten Stand: WLAN ac, Bluetooth 4.2, NFC, Fingerabdruck-Sensor, USB-C-Anschluss und sogar das Nano-Coating zum Schutz der Bauteile vor Feuchtigkeit sind schon beim Vorgänger vorhanden. Der SAR-Wert sank von recht hohen 1,43 Watt pro Kilogramm auf mittelprächtige 0,96 Watt pro Kilogramm. Im Soll bleibt das P10 mit UKW-Radio, Infrarot-Sender zur Nutzung des Telefons als Fernbedienung sowie der Unterstützung von Googles VR-Plattform Daydream. Details zu Letzterem im folgenden Video:

Foto

Die Frontkamera des Huawei P10, laut Hersteller in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt, fängt Selfies weiterhin mit 8 Megapixel ein, der Blendenwert der Linse hat sich aber von f 2,4 auf f 1,9 verbessert, das Objektiv schattet also weniger ab und es fällt mehr Licht auf den Sensor. Im Test gelangen die Frontaufnahmen des P10 meist etwas heller als beim P9, einen sonderlich großen Fortschritt hinsichtlich der Qualität macht das aber nicht aus. Auf der Rückseite erwartet Nutzer wie beim P9 eine Dual-Kamera, ebenfalls mit Leica-Brand. Der erste Sensor mit 20 Megapixeln nimmt Schwarz-Weiß-Bilder auf, der zweite mit 12 Megapixeln schießt Farbfotos. Am Ende werden die Daten beider Sensoren miteinander vereint, sofern der Anwender nicht den Modus „Monochrom“ wählt, der direkt auf die Daten des monochromen Sensors zugreift. Die Funktionen der Kamera-App haben sich nicht geändert, weshalb man Auto-HDR weiterhin vergebens sucht.

Video

Die Frontkamera nimmt Videos nun in Full HD (1920 x 1080 Pixel) statt mit 1280 x 720 Pixel auf, die Hauptkamera filmt in Ultra HD (auch 4K genannt), also mit 3840 x 2160 Bildpunkten. Wie üblich legen Schärfe und Details in Ultra HD tüchtig zu: Da kommt richtig Freude auf. Selbst bei der Sichtprüfung auf einem 4K-Bildschirm mit 65 Zoll lassen sich so gut wie keine Fehler finden; lediglich an besonders kleinen Details macht sich ein minimales Flirren breit, das unter regulären Umständen aber niemand entdecken dürfte.

Aufgrund der exquisiten Qualität in UHD reicht es dem Huawei P10 trotz der Kritik an den Videos in Full HD zu einem knappen „Sehr gut“ in der Videowertung.

Audio

Wie bei Huawei üblich, kommt auch das P10 ohne UKW-Radio und Stereo-Lautsprecher. Immerhin hat man darauf verzichtet, die Klinkenbuchse für Kopfhörer zu streichen wie andere Hersteller bei ihren Flaggschiffen. Beim Hörtest an den Ultimate Ears Reference Monitors, die als Referenz-Kopfhörer dienen, produziert der Proband einen erfreulich kräftigen Klang. Im direkten Vergleich zur Referenz, dem Samsung Galaxy Note 4, tönen die Höhen aber nicht ganz so spritzig und räumlich. Doch das ist wirklich nur ein haudünner Unterschied. Deutlicher ist da schon die Abweichung der Bässe, die beim Huawei zwar wuchtiger wirken, dafür aber auch unpräziser. Außerdem sind die Bässe dadurch überrepräsentiert, was zusammen mit den reduzierten Höhen den Gesamteindruck eine Spur dumpfer scheinen lässt. Deshalb erntet das P10 wie schon sein Vorgänger lediglich ein „Gut“. Es sei aber angemerkt, dass gerade günstige Headsets schwache Bässe aufweisen, weshalb Nutzer solcher Kopfhörer den Sound des P10 in aller Regel sogar als vorteilhaft empfinden dürften.

Verarbeitung

Die Fertigungsqualität ist allererste Sahne, da bleibt das Huawei P10 ohne jeden Fehl und Tadel. Auch im Verwindungstest gibt der Kandidat nicht das leistete Knarzen von sich. Der Übergang vom Deckglas aus Gorilla-Glas 5 zum Metallkorpus verläuft gefühlt nahtlos, ebenso wie die Kunststoffeinleger für die Antennensignale. Beeindruckend! Das ansprechende Design des P10 lässt sich im folgenden Hands-on-Video mit seinen zahlreichen Nahaufnahmen gut erkennen:

Auch die aufwändige Fertigung des Frontglases wird im obigen Video deutlich. Denn anders als üblich, haben die Entwickler nicht etwa das Deckglas für den Fingerabdruck-Sensor ausgeschnitten und selbigen mit einem Metallrahmen ringsum eingefasst; vielmehr handelt es sich um ein durchgehendes Deckglas, das lediglich eine Vertiefung aufweist, unter der sich der Scanner befindet. Grandiose Haptik!

Zwei Varianten

Neben der Standardversion mit glatter Rückseite, die bereits einen guten Grip bietet, gibt es vom Huawei P10 auch eine Version in Blau, deren Rücken den so genannten Hyper Diamond Cut aufweist: Dabei wurden winzige Rillen ins Metall gefräst, die sich nur hauchzart erspüren lassen, aber den Finger noch eine Spur mehr Halt bieten. Haptisch dürfte das aber nicht jedermanns Geschmack sein. Gezeigt wurden die Varianten des P10 bereits anlässlich der Vorstellung auf dem Mobile World Congress:

Android 7

Das Huawei P10 wird ausgeliefert mit Android 7.0 als Betriebssystem, über das die Chinesen ihre Nutzeroberfläche Emotion UI 5.1 legen. Grundsätzliche Unterschiede zu Vorgängermodellen wie dem P9 sind nicht ersichtlich, einige Details haben die Entwickler jedoch optimiert. Das obige Hands-on-Video zeigt die Schnellzugriffe ebenfalls. Schon vom Huawei Mate 9 her bekannt ist das Comeback des Menüs, auch App Drawer genannt: Über die Einstellungen können Anwender das Menü samt dem zugehörigen Button zurückholen. Näheres hierzu im Video des Huawei Mate 9:

Fazit

Viel zu meckern gibt es nicht beim Huawei P10: Die Chinesen haben ihre Hausaufgaben weitgehend gemacht. Lediglich ein paar Details hier und da ließen sich noch optimieren. Den einzigen Knackpunkt stellt ausgerechnet die Dual-Kamera dar: Obwohl wie beim Huawei P9 zusammen mit Leica entwickelt, schneiden die 20-Megapixel-Fotos schlechter ab als beim Vorgänger. Für ein knappes „Gut“ reicht es aber noch. Auch die Videos in Full HD fallen im Vergleich zum P9 ab, doch aufgrund der knackigen und detailreichen 4K-Aufnahmen ergattert das P10 trotzdem noch ein dünnes „Sehr gut“ in der Videowertung. Der Klang am Kopfhörerausgang erntet ein strammes „Gut“. Gerade multimedial beweist das P10 mithin Schwächen, obwohl der Hersteller hierauf besonderes Augenmerk beim Marketing legt. Weshalb in diesen Disziplinen das iPhone 7 auch klar gewinnt.

Der Rest aber überzeugt: Das 5,1-Zoll-Display ist zwar nicht das hellste, doch ansonsten prima. Außerdem macht es das P10 im Vergleich zu vielen anderen Flaggschiffen angenehm kompakt. Verarbeitung, Haptik und Optik gefallen erstklassig, die Bedienung geht meist einfach und intuitiv von der Hand. Schnelles LTE, WLAN ac, Bluetooth 4.2, NFC und Fingerabdruck-Sensor bilden den aktuellen Stand ab. Das ist aber auch bei Huawei P9 und iPhone 7 der Fall.

Positiv stechen drei Aspekte heraus: Der Prozessor liegt 89 Prozent über dem aktuellen Durchschnitt, was so gut wie allen Interessenten reichen dürfte und das P10 auf Rang 7 der Tempo-Charts hievt. Das iPhone 7 ist hier mit 180 Prozent über Mittel noch besser, das P9 mit 54 Prozent über Schnitt immer noch klasse.

Der Speicher fasst 64 (netto: 48) Gigabyte, also doppelt so viel wie das P9. Das dürfte bereits den allermeisten Anwendern völlig reichen. Trotzdem lässt sich das Gedächtnis mittels Micro-SD-Karten um bis zu 256 Gigabyte erweitern, womit das P10 selbst das teuerste iPhone übertrifft.

Der fest verbaute Akku schließlich hält 36 Prozent länger durch als üblich und dürfte damit selbst die meisten Intensivnutzer über den Tag bringen. Das sieht beim P9 ganz anders aus, dessen Laufzeit 15 Prozent unter dem Mittel bleibt, was schon für etliche Normalnutzer zu knapp sein dürfte. Das iPhone 7 mit einer Ausdauer von 8 Prozent über Mittel wird Intensivnutzer ebenfalls zum Zwischentanken zwingen.

Damit hat sich das Huawei P10 im Vergleich zum P9 klar verbessert – wenn man von der schlechteren Fotoqualität und dem identischen Display absieht. Im Vergleich zum iPhone 7 fällt der Proband multimedial sowie in puncto Prozessor ab, punktet dafür aber bei Akku sowie Speicher. Und ist mit einer Preisempfehlung von 599 Euro geradezu ein Schnäppchen im Vergleich zu den 759 bis 979 Euro, die Apple für sein kleines Smartphone aufruft.

Beim Preis-Leistungs-Verhältnis steigt das P10 daher 43 Prozent unterdurchschnittlich ein, was einen normalen Wert darstellt, weil die meisten Neuheiten der Ober- und Mittelklasse zwischen 30 und 60 Prozent unter Mittel beginnen. Das iPhone 7 rangiert derzeit glatte 50 Prozent unter dem Schnitt. Das P9 begann letztes Jahr mit 569 Euro und 23 Prozent darunter und liegt aktuell bei rund 399 Euro sowie aufgrund des angestiegenen Durchschnitts 24 Prozent unter dem Mittel. Doch werden die Preise des P10 in den nächsten Wochen und Monaten kräftiger fallen als die des P9, weshalb sich das Preis-Leistungs-Verhältnis zugunsten des P10 entwickeln wird.

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