Huawei Ascend P7 Mini im Test: Auf Sparflamme

20.08.2014

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Mit seinem 4,5 Zoll Display fällt das Ascend P7 Mini im Vergleich zum P7 entsprechend leicht und handlich aus. Ob es bei der Reduktion der Größe bleibt, oder ob auch an anderer Stelle gespart wurde, zeigt der Test von Verivox.

Smartphones mit Bildschirmdiagonalen von 5 Zoll und mehr mögen sich zur Darstellung von Multimedia-Inhalten ausgezeichnet eignen, doch sobald man sie mit einer Hand zu bedienen versucht, wird es schwierig – selbst wenn sie so schlank sind wie das Huawei Ascend P7. Deshalb ist es eine gute Idee, Kunden mit dem P7 Mini eine Schrumpfversion als Alternative anzubieten. Deren Display misst knapp 56 x 99 Millimeter und kommt somit auf eine Diagonale von 4,45 Zoll.

Geringere Auflösung

Allerdings hat sich mit dem Panel auch die Auflösung geändert: Anstelle der Full-HD-Mattscheibe des P7 kommt das Display des P7 Mini auf lediglich 540 x 960 Pixel, weshalb die Schärfe von 445 auf 247 ppi sank. Das klingt nach viel, macht sich aber in der Praxis deutlich weniger bemerkbar als man meinen mag, wie der direkte Vergleich zeigt:

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Um beispielsweise Mails zu lesen reicht also auch die Auflösung des P7 Mini vollkommen aus. Wer jedoch primär Videos in nativem Full HD betrachten möchte, ist beim Original-P7 besser aufgehoben.

Schlapper Prozessor

Bis hierher werden gewiss die meisten Interessenten noch bei der Stange geblieben sein. Doch leider haben die Entwickler auch noch die weitere Ausstattung reduziert. So kommt als Prozessor im P7 Mini der Snapdragon 400 von Qualcomm samt dem Grafikmodul Adreno 305 zum Einsatz: Dessen vier Kerne sind lediglich mit 1,2 Gigahertz getaktet, zudem handelt es sich um eher sparsame Cortex-A7-Kerne. Das bestätigen auch die Benchmarks. Besonders die Grafikleistung nimmt im Vergleich zum P7 enorm ab. In der Gesamtwertung rangiert das Mini schließlich 22 Prozentpunkte unter dem Flaggschiff und 28 Prozent unter dem Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones. Ein arg schwaches Ergebnis! Da hilft nicht einmal der Blick auf den Preis: Selbst unter Berücksichtigung des aktuellen Straßenpreises von 260 Euro bleibt die Prozessorleistung 12 Prozent unter dem Mittelwert.

Partitionierter Speicher

Den internen Speicher hat Huawei ebenfalls minimiert: von 16 auf 8 Gigabyte. Es gibt zwar einen Slot für Micro-SD-Karten, die mit bis zu 32 Gigabyte unterstützt werden – im Test funktionierte auch ein Chip mit 64 Gigabyte von SanDisk anstandslos, nicht aber der mit 128 Gigabyte –, doch lassen sich nicht alle Programme dorthin verschieben. Normalnutzer mit 50 Apps werden keine Probleme bekommen. Intensivnutzer mit mehreren 100 Apps und dem entsprechend vielen Programmen, die sich nicht auslagern lassen, könnten hingegen früher oder später an die Grenze stoßen.

Kurzatmiger Akku

Schlechte Nachrichten auch in Bezug auf den Akku: Die Kraftzelle kann nicht vom Nutzer ausgetauscht werden. Die Kapazität beträgt 2.000 Milliamperestunden, was in Relation zur Größe des Displays, dem hungrigsten Stromfresser, ordentlich dimensioniert ist. Im Laufzeittest bei der Videowiedergabe mit maximaler Helligkeit im Flugmodus erzielt der Proband dennoch gerade mal 371 Minuten und landet damit 13 Prozent unter dem aktuellen Durchschnitt. Für Intensivnutzer eignet sich das P7 Mini eher weniger. Da haben die Entwickler also grundsätzlich noch viel Luft nach oben.

Mäßige Bildqualität

Die Kamera wurde ebenfalls abgespeckt und schießt Fotos mit maximal 3264 x 2448 Bildpunkten oder 7,99 anstelle der 13 Megapixel des Flaggschiffs. Bei guten Lichtverhältnissen ist die Schärfe prima, wenngleich ein deutliches Grieseln schon bei geringer Vergrößerung die starke Software-Nachschärfung verrät. Bei bewölktem Himmel jedoch sinkt die Detailtreue bereits sichtlich. In geschlossenen Räumen oder am Abend läuft man schnell Gefahr, dass die Aufnahmen verwackeln und in dunklen Bildbereichen zeichnet sich ein gewisses Farbrauschen ab. In der Fotowertung bleibt es unterm Strich bei einem „Ausreichend“.

Unscharfe Videos

Bewegtbilder zeichnet das P7 Mini ebenso wie das Original-P7 in Full HD auf. Der Autofokus stellt nur einmal zu Beginn der Video-Aufnahme scharf und danach nie wieder. Auch der Stereo-Ton überzeugt aufgrund der eingeschränkten Verständlichkeit von Stimmen nicht sonderlich. Farben, Belichtung und Dynamik stimmen hingegen weitgehend, Tearing-Effekte sind kaum auszumachen. Lobend erwähnt werden muss zudem, dass Komprimierungsartefakte dank der hohen Datenrate von bis zu 20 Megabit pro Sekunde nahezu gar nicht auftreten. Weshalb die Wertung trotz der unbefriedigenden Schärfe und Detailtreue noch zu einem „Ausreichend“ langt.

Miserabler Klang

Im Hörtest erzeugte der Musikplayer des Probanden am Referenz-Kopfhörer, den Ultimate Ears Reference Monitors, einen unnatürlichen Klang: Höhen und Bässe sind extrem überzogen. Musikliebhaber mit guten Kopfhörern sollten daher einen Bogen um das P7 Mini machen. Immerhin sind die Mitten nicht übersteuert – doch auch ein „Mangelhaft“ stellt natürlich nicht gerade eine Glanzleistung dar.

Klon des Ascend G6

In Form, Größe, Gewicht, Design und Verarbeitung entspricht das P7 Mini haargenau dem Ascend G6. Das gilt sogar für die Bedienung, weil beide unter Android 4.3 laufen, über das Huawei die Nutzeroberfläche „Emotion UI 2.0 Lite“ legt. Sowohl die positiven Aspekte wie etwa die Profile als auch die Kritikpunkte gelten daher für das P7 Mini. Dazu zählen beispielsweise die Unart, dass jede USB-Verbindung zum PC bestätigt werden muss und die Probleme beim Tastaturmanagement. Für Details sei auf den Test des Ascend G6 verwiesen.

Fazit

Huawei hat leider mehr geschrumpft als nur das Display: Beim Ascend P7 Mini kommt ein schlapperer Prozessor als beim Ascend P7 zum Einsatz, der Speicher wurde auf 8 Gigabyte halbiert, von denen lediglich 1,43 Gigabyte für Apps zur Verfügung stehen, und der Akku ist ähnlich schwach auf der Brust wie der des Original-P7. Hinzu kommt, dass zwar LTE, nicht aber DC-HSPA unterstützt wird. Vor allem aber enttäuschen die multimedialen Qualitäten: Die 8-Megapixel-Fotos sowie die Videos in Full HD ernten lediglich ein „Ausreichend“, der Musikplayer kassiert gar ein „Mangelhaft“.

Ausstattung                 135 von 175

Foto                             16 von 25

Video                           14 von 25

Musik                          12 von 25

Handhabung                165 von 250

gesamt                        342 von 500