Heizungshersteller: Wasserstoff wird im Haushalt keine Rolle spielen

16.03.2020

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Ende März will die Bundesregierung ihre nationale Wasserstoffstrategie veröffentlichen. Der Heizungshersteller Stiebel Eltron erklärt dazu, dass grüner Wasserstoff wichtig für die Energiewende sei. Für die Heizung im Privathaushalt wird der Energieträger nach Einschätzung des Unternehmens jedoch keine Rolle spielen.

Wasserstoff mit Farbbezeichnungen

Da reiner Wasserstoff in der Natur nicht vorkommt, muss er in aufwändigen Verfahren produziert werden. Das ist nur umweltfreundlich, wenn für diese Produktion erneuerbare Energien eingesetzt werden. Wird dazu Ökostrom verwendet, wird von „grünem Wasserstoff“ gesprochen. Wird fossiles Erdgas für die Erzeugung eingesetzt, wird der Wasserstoff als „blau“ oder „grau“ bezeichnet. Einen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leistet nur der grüne Wasserstoff.

Warum sich das Heizen mit Wasserstoff nicht lohnt

Für die Heizung im Eigenheim ist die Nutzung von Wasserstoff nicht effizient, weil der für die Produktion benötigte Ökostrom sich effektiver für den Betrieb einer Wärmepumpe nutzen lässt. Es brauche etwa fünf Mal so viel Strom, um den Wasserstoff erst zu produzieren und dann wieder in Wärme umzuwandeln, als wenn man die gleiche Menge Wärme mit einer Wärmepumpe erzeugt. Weiterhin sei die Nutzung von grünem Wasserstoff im bestehenden Gasnetz noch mit viele Fragen verbunden, die die Infrastruktur, die Beimischung und die passenden Endgeräte betreffen.

Heizungshersteller pocht auf realistische Versprechen

Daher sollte beim Thema Wasserstoff nichts versprochen werden, was man nicht halten kann. Darum drängt Stiebel Eltron darauf, dass die Politik beim Thema realistische Einschätzungen vornehmen und keine unrealistischen Erwartungen schüren sollte. Es brauche ein ehrliches und seriöses "Management of expectations". Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gehe beispielsweise vorbildlich mit dem Thema um und schreibt:

"Bei strombasierten Energieträgern wie grünem Wasserstoff oder entsprechenden Kraftstoffen sind Umwandlungsverluste unvermeidlich. Derzeit fallen diese sehr hoch aus. Am Beispiel Auto kann man das sehen: Der Strombedarf bei der Nutzung synthetisch hergestellter Kraftstoffe für PKW ist zwischen zwei- und fast siebenmal höher als die direkte Stromnutzung eines Elektroautos. Deshalb ist es wichtig, nachhaltig produzierte Power-to-X-Produkte gezielt dort einzusetzen, wo eine direkte Elektrifizierung nicht möglich ist, also etwa im Luftverkehr, Seeverkehr oder in der Stahlindustrie."

Daher zieht der Heizungshersteller das Fazit: Grüner Wasserstoff ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende - im häuslichen Wärmebereich sollte und wird er allerdings bis auf Weiteres keine Rolle spielen. Ein theoretischer Markthochlauf käme für den Gebäudesektor ohnehin schon jetzt zu spät, um die Klimaziele bis 2050 zu erreichen. Benötigt werden aber keine utopischen Lösungen aus ferner Zukunft, sondern eine konsequente Festlegung auf die Nutzung bereits vorhandener Gebäudelösungen wie Photovoltaik und Wärmepumpen.