Handynetz an beliebten Wanderstrecken oft schlecht

23.03.2021 | 12:30

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Im Frühjahr startet die Wandersaison: Doch wer sich bei der Planung auf sein Handy verlässt, könnte verloren gehen – fast jeder zweite prämierte Wanderweg startet mit Netzlücken.

Schöner Ausblick, aber kein Balken auf dem Smartphone in Sicht: 46 Prozent von Deutschlands schönsten Wanderwegen haben schon zum Start Netzlücken oder gar keinen Empfang. Verivox hat die Netzabdeckung an 28 Tagestouren vom Wattenmeer bis in den Schwarzwald untersucht.

LTE-Lücken oder Funkloch zum Streckenstart

An 13 von 28 Startpunkten gibt es in mindestens einem Netz kein mobiles Internet über 4G (LTE). An zehn dieser Standorte fallen betroffene Handynutzer ins 2G-Netz zurück, das nur Mobilfunk-Grundfunktionen zulässt. Der fast 30 Jahre alte Netzstandard reicht meist nur zum Telefonieren aus; der Download einer Karte mit 100 Megabyte würde über 2G fast eine Stunde dauern. Auf den restlichen drei Wegen gibt es zum Start bei der Telekom oder Telefonica gar kein Netz. „Noch immer ist die Erschließung abgelegener Regionen für die Netzbetreiber kaum wirtschaftlich oder wird durch lange Genehmigungsverfahren ausgebremst,“ sagt Jens-Uwe Theumer, Vice President Telecommunications bei Verivox. „Künftig wollen die Provider mehrere Tausend Antennenstandorte kooperativ nutzen, um Netzlücken schneller zu schließen. Die gemeinsame Nutzung von Standorten reduziert Aufwand und Kosten deutlich.“

Flache Topografie meist mit besserer Netzabdeckung

Die Standorte mit dem schlechtesten Empfang befinden sich vor allem an Wanderwegen in Rheinland-Pfalz (Eifel, Saar-Hunsrück, Pfälzer Wald), aber auch in Bayern (Frankenwald). Im waldreichen Rheinland-Pfalz liegen gleichzeitig auch die meisten der schönsten Wanderstrecken Deutschlands. Die LTE-Abdeckung ist an Startpunkten mit flacher Topografie eher gewährleistet, etwa in Sachsen (Dresdner Elbland), Niedersachsen (Lüneburger Heide), Brandenburg (Seenland Oder-Spree) oder in Mecklenburg-Vorpommern (Mecklenburgische Seenplatte). Am Start von insgesamt 15 der 28 untersuchten Wanderwege gibt es nach Auskunft der Netzbetreiber ein gutes bis sehr gutes LTE-Netz. Im Routenverlauf kann die Netzabdeckung schlechter sein, da die Strecken häufig in wenig ausgebauten Regionen abseits von Städten oder Verkehrswegen liegen.

Smartphone auf Offline-Nutzung vorbereiten

Wer sein Smartphone als digitalen Wanderbegleiter nutzt, sollte sich vorbereiten. Nutzer können das notwendige Kartenmaterial und wichtige Infos zur Route vorher herunterladen, damit sie nicht unterwegs auf eine Internetverbindung angewiesen sind. Einige Navigations-Apps nutzen satellitengestützte GPS-Daten und benötigen kein Datennetz. Außerdem gehört ein Ersatzakku oder eine Powerbank in den Rucksack, damit das Smartphone nicht auf der Strecke ausgeht. Zur Akkuschonung empfiehlt es sich, das Gerät in den Flugmodus zu setzen. „Wer unterwegs in Gefahr gerät, kann auch dann einen Handy-Notruf absetzen, wenn der eigene Anbieter nicht verfügbar ist,“ erklärt Theumer. Im eingeschränkten Service-Modus ist es für die Rettungsleitstelle allerdings nicht möglich, die Position des Anrufers genau zu ermitteln. Ist kein Netz vorhanden, sollten Hilfesuchende möglichst einen höher gelegenen Standort aufsuchen – die 112 ist oft auch bei schwachem Empfang erreichbar.

Methodik

Untersucht wurden 28 Wanderwege in 11 von 13 deutschen Flächenländern (Tagestouren zwischen 5 und 22 Kilometern Länge). Basis für die „Schönsten Wanderwege Deutschlands“ ist die jährlich durchgeführte Leserwahl des „Wandermagazins“. Enthalten sind die bereits prämierten Wege für 2020 sowie die Nominierungen für 2021. Ermittelt wurde die Netzverfügbarkeit an den Startpunkten der Wanderrouten. Datengrundlage sind die Netzabdeckungskarten der Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefonica sowie das Mobilfunk-Monitoring der Bundesnetzagentur (1&1 Drillisch betreibt noch kein eigenes Netz). Die Karten ermöglichen das Auslesen von Empfangsdaten für konkrete Adressen, nicht jedoch für Geo-Koordinaten in freier Natur. Stand: 22.02.2021