Gutachter warnen vor Mängeln in Atomkraftwerk Biblis

28.09.2010

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: dapd

München - Das hessische Kernkraftwerk Biblis B weist einem Gutachten zufolge zahlreiche Schwachstellen auf. In dem Kraftwerk bestehen offenbar mindestens 80 sicherheitsrelevante Mängel. Dies berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf ein bislang unveröffentlichtes Gutachten des Darmstädter Öko-Instituts, das im Auftrag des Bundesumweltministeriums durchgeführt wurde. Der Atommeiler, der zu Beginn der 70er Jahre gebaut wurde, entspreche in vielen Punkten nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik.

Die Zeitung schrieb, das Gutachten habe klären sollen, inwieweit Vorwürfe der Ärzteorganisation IPPNW berechtigt sind, nach denen Biblis insgesamt 210 sicherheitstechnische Defizite aufweist. Es liste Mängel auf, zum Beispiel im Notstandssystem oder beim Schutz gegen Erdbeben und Überflutungen. So könne eine "anlageninterne Überflutung", etwa durch ein geplatztes Rohr, dazu führen, dass alle vier Aggregate des nuklearen Zwischenkühlsystems ausfallen. Auch seien mittlerweile viele Materialien veraltet, beispielsweise Kabel aus PVC oder Rohrleitungen mit anfälligen Schweißnähten. Für eine Verbesserung müsste das Atomkraftwerk aufwendig nachgerüstet werden.

Nach Ansicht des Bundesumweltministeriums gibt die Novelle des Atomgesetzes den Aufsichtsbehörden in den Ländern zusätzliche Möglichkeiten, schärfere Sicherheitsauflagen einzufordern, schrieb das Blatt. Es sei nun an der hessischen Atomaufsicht, die Liste zu überprüfen und gegebenenfalls auf Nachrüstungen zu pochen. Das Umweltministerium in Wiesbaden habe indessen mitgeteilt: "Wir haben die Vorwürfe bereits geprüft, können aber keine sicherheitsrelevanten Defizite feststellen". Der Kraftwerksbetreiber RWE betonte, Biblis sei sicher. Dagegen erklärte der IPPNW: "Die Anlage muss jetzt nach geltendem Recht stillgelegt werden."

Zu den wichtigsten Auftraggebern des Öko-Instituts gehören nach dessen Angaben Ministerien auf Bundes- und Landesebene, Unternehmen sowie die EU. Darüber hinaus arbeitet das gemeinnützige Institut für Nicht-Regierungsorganisationen und Umweltverbände.