Fraunhofer-Studie: Klimaschutzziele in der Energieversorgung erreichbar

18.02.2020

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Das Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE hat die Studie »Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem – Die deutsche Energiewende im Kontext gesellschaftlicher Verhaltensweisen« veröffentlicht. Darin werden die Entwicklungspfade des deutschen Energiesystems untersucht, die zu einer Verminderung der energiebedingten CO2-Emissionen zwischen 95 und 100 Prozent bis 2050 führen. Das Fazit: Die Klimaschutzziele in der Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien ist aus technischer und systemischer Sicht machbar.

Sichere Versorgung aus Erneuerbaren ist möglich

»Die stundenscharfe Betrachtung für die nächsten 30 Jahre zeigt, dass trotz eines sehr hohen Anteils fluktuierender erneuerbarer Energien für die Strombereitstellung in jeder Stunde und in allen Verbrauchssektoren eine sichere Versorgung erreicht werden kann«, erklärt Prof. Dr. Hans-Martin Henning, Institutsleiter des Fraunhofer ISE und einer der Autoren der Studie.

Ausbau dringend notwendig

Zugleich zeigen die Ergebnisse verschiedener Szenarien, dass auf Basis erneuerbarer Energien hergestellter Strom zur wichtigsten Primärenergie wird. Durch die Sektorenkopplung, die Umstellung aller Bereiche auf erneuerbare Energien, ist mit einem stark steigenden Strombedarf zu rechnen. Die Ergebnisse reichen vom 2- bis 2,5-fachen des heutigen Wertes. Die installierte Leistung von Wind- und Photovoltaikanlagen muss dafür um einen Faktor vier bis sieben im Vergleich zur heute installierten Gesamtleistung ansteigen.

Aufwand und Kosten unterscheiden sich deutlich

Aufwand und Kosten zur Erreichung der deutschen Klimaschutzziele hängen maßgeblich von den Rahmenbedingungen ab, die sich aus dem Verhalten und den Einstellungen der Gesellschaft ergeben. Bei einem sparsameren Umgang mit Energie (Szenario Suffizienz) ist die notwendige Anzahl an Anlagen zur Wandlung, Speicherung, Verteilung und Nutzung von Energie substanziell niedriger als bei der weiteren Nutzung von Verbrennungstechniken für Wärmeversorgung und Mobilität (Szenario Beharrung). Hierfür braucht es deutlich höhere Ausbauraten für erneuerbare Energien und größere Importmengen synthetischer chemischer Energieträger.

Lokale Energiegewinnung wichtig

Eine wesentliche Voraussetzung für ein kostengünstiges Erreichen der Klimaschutzziele ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Markteinführung sämtlicher Technologien zur Wandlung, Speicherung, Verteilung, Nutzung und zur Systemintegration erneuerbarer Energien. »Trotz der Berücksichtigung der Importmöglichkeit erneuerbaren Stroms und erneuerbar hergestellter stofflicher Energieträger in unseren Untersuchungen erweist sich auch der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur sowie die Nutzung von thermischen und elektrischen Speichern in Deutschland im Kontext der Entwicklung des Gesamtsystems als sinnvoll«, so Studienautor Dr. Christoph Kost, Gruppenleiter Energiesysteme und Energiewirtschaft am Fraunhofer ISE.