eSIM-Karte wird Mobilfunk-Markt umkrempeln

27.11.2017

Text: Verivox

Heidelberg - Seit über 25 Jahren gibt es SIM-Karten als kleine austauschbare Chips. Die neue Generation von SIM-Karten (eSIM) ist fest im Gerät verbaut und umprogrammierbar. Die Tarifexperten von Verivox nennen drei Gründe, warum der neue SIM-Standard Potenzial für eine Marktrevolution hat.

1. Grund: Die Karte ist überschreibbar.

Die eSIM kann immer wieder neu programmiert und „überschrieben“ werden. So werden Anbieterwechsel erleichtert. „Verbraucher erhalten damit mehr Macht“, sagt Christian Schiele, Bereichsleiter Telekommunikation bei Verivox. „Jeder Kunde kann künftig mehrere Tarife gleichzeitig speichern, etwa für die Nutzung im In- und Ausland oder für private und berufliche Zwecke. Die Laufzeiten der Verträge ändern sich dadurch jedoch nicht.“

Der internationale eSIM-Standard legt fest, dass die Geräte offen für eSIM-Profile aller Anbieter sein sollen. Weil die Technik stetig fortschreitet, wird der Standard noch über Jahre weiterentwickelt werden. Anpassungen gab es zum Beispiel für die eSIM-Profile der aktuellen Apple Watch.

2. Grund: Die Karte bleibt im Gerät.

Das „e“ in eSIM steht für „embedded“: Die Karte ist fest mit dem Gerät verbaut und kann nicht ausgetauscht werden. Der Kunde entscheidet sich also zunächst für ein Gerät und wählt dann das Netz und den Tarif aus. „Die über Jahre gängige Praxis, dass Mobilfunkanbieter Smartphones für andere Netze als das eigene gezielt sperrten, dürfte mit den eSIM-Standards massiv an Bedeutung verlieren“, prognostiziert Christian Schiele.

Wenn Kunden noch gezielter als bisher die Entscheidung für ein Gerät treffen und Tarife womöglich öfter wechseln, steigt der Einfluss der Hersteller – zu Ungunsten der Mobilfunkanbieter. Im Klartext: Hersteller könnten mithilfe der neuen Technik selbst Mobilfunktarife anbieten und die eSIM-Profile gleich mitliefern. Es gibt auch technische Vorteile: Weil die eSIM rund 90 Prozent kleiner ist als die herkömmlichen Karten, lässt sie sich auch in kleine und flache Geräte wie zum Beispiel smarte Uhren einbauen. Zudem sind eSIMs robuster und langlebiger als die bisherigen Karten.

3. Grund: Das „Internet der Dinge“ braucht die eSIM.

Bis 2021 werden weltweit insgesamt 28 Milliarden eSIM-fähige Geräte erwartet – überwiegend außerhalb des klassischen Mobilfunksegments, etwa Anwendungen für Autos, Fahrräder, Drohnen, Messgeräte oder Maschinen (Ericsson Mobility). Schon 2018 könnte die Zahl dieser IT-Geräte erstmals die Zahl der internetfähigen Smartphones überholen. „Mit dem eSIM-Standard sind völlig neue Geschäftsmodelle möglich“, sagt Christian Schiele. „Warum sollten Verbraucher auch künftig für jedes internetfähige Gerät einen eigenen Tarif abschließen? Alle Geräte sollten über einen Vertrag gesteuert werden können.“

eSIM-Karten bieten große Vorteile für das „Internet der Dinge“. In Smartphones oder Tablets ließen sich die herkömmlichen SIM-Karten relativ leicht wechseln. Fast unmöglich würde der Wechsel etwa bei Modulen im Auto, die ab Werk fest verbaut sind – oder bei schwer zugänglichen Masten, die aus luftiger Höhe Daten senden.

„Künftig müssen Hersteller nicht bereits ab Werk wissen, mit welchem Netzanbieter sie zusammenarbeiten wollen. Die eSIM wird dem mobilen Internet weltweit einen weiteren Schub verleihen: Jeder Kunde kann in praktisch jedem Netz jederzeit online gehen und erhält sein Tarifprofil direkt aufs Handy geschickt“, sagt Christian Schiele.   

Wettbewerb wird sich neu ausrichten

In den kommenden Jahren werden beide Standards, die eSIM und die herkömmliche SIM-Karte, zunächst parallel existieren. Weil die Einführung der eSIM viel Geld kostet, dürften große Namen wie Apple und Samsung ihre Vorreiterrolle weiter ausbauen. Verivox-Experte Schiele erwartet einen vorübergehend abgeschwächten Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt: „Aufgrund der hohen IT-Kosten wird die Einführung der eSIM für die kleinen Mobilfunkanbieter nicht so leicht zu meistern sein - und deren Abhängigkeit von den großen Netzbetreibern steigt.“