Energie sparen mit Fußbodenheizung

23.10.2013

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: dpa/tmn

Berlin - Wer im Winter schon einmal barfuß über einen erwärmten Fußboden gelaufen ist, weiß eine Flächenheizung zu schätzen. Sie verteilt ihre Wärme über den gesamten Boden und heizt den Wohnraum sanft von unten auf. "Ihre große, warme Fläche finden viele Menschen behaglich", sagt Christian Stolte von der Deutschen Energie-Agentur (dena) in Berlin. Dabei verbraucht sie meist weniger Energie als die herkömmlichen Heizkörper an der Wand.

Fußbodenheizungen laufen mit geringeren Übertemperaturen als normale Heizkörper, erklärt Stolte. "Bei 29 Grad Oberflächentemperatur wird es im Raum schon 20 Grad warm." Zum Vergleich: Ein normaler Heizkörper muss sich auf etwa 55 Grad erhitzen, um eine entsprechende Raumtemperatur zu erreichen. Das kostet deutlich mehr Energie.

"Fußbodenheizungen haben auch den Vorteil, dass man sie gut mit energieeffizienten Systemen wie der Wärmepumpe kombinieren kann", sagt Stolte. "Beide arbeiten mit geringen Heizwasser-Temperaturen."

Ihr hoher Anteil an Strahlungswärme ermögliche aber selbst mit geringen Temperaturen eine angenehme Wärme im Raum. "Hierdurch kann die Raumlufttemperatur um ein bis zwei Grad abgesenkt werden", erläutert Joachim Plate vom Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF) in Hagen. Das Einsparpotenzial an Energie liegt bei sechs bis zwölf Prozent pro Jahr, hat sein Verband berechnet.

Ein Nachteil ist, dass die Fußbodenheizung ein vergleichbar träges System ist, sagt dena-Experte Stolte. Zunächst müsse der Estrich warm werden. "Da Fußbodenheizungen gleichmäßig und langsam heizen, bleiben die Raumtemperaturen aber stabiler." Da keine Heizkörper gebraucht werden, kann der Bauherr seinen Wohnraum flexibler gestalten. "Außerdem wirbeln Fußbodenheizungen kaum Staub auf", sagt Plate. "Das kommt dem Allergiker zugute."

Nach welchem System die Heizrohre verlegt werden, hängt von den Gegebenheiten auf der Baustelle ab. "Die klassische Methode ist die Nassverlegung", erläutert Plate. "Hierbei wird auf den Rohboden eine Wärme- und Trittschalldämmung gelegt, darauf die Heizungsrohre befestigt und anschließend der Estrich eingebaut." Der Estrich umschließt die Rohre fest, wodurch er ihre Wärme gut aufnehmen und sie gleichmäßig über die gesamte Bodenfläche verteilen kann.

Allerdings benötigt die konventionelle Methode auch einen etwa 65 Millimeter hohen Estrichaufbau, so Plate. Das sei ein Grund, warum Nasssysteme eher bei Neubauten eingeplant werden. Der Estrich muss vollständig durchtrocknen, bevor der Oberboden darauf kommt.

"Fließen eignen sich gut als Belag, weil sie sehr wärmeleitfähig sind", sagt Plate. Aber auch Parkett, Laminat und Linoleum seien möglich. Da die Heizrohre näher am Fußboden liegen, sei die Aufheizzeit kurz. Die Vor- und Rücklauftemperatur könne daher noch abgesenkt werden. Wichtig ist, dass vor dem Verlegen die Heizlast berechnet wird. Darunter versteht man die benötigte Wärmezufuhr, um in einem Raum eine bestimmte Temperatur zu erreichen.

Plate empfiehlt, ein Komplettsystem eines Herstellers zu wählen. Hier seien alle Komponenten aufeinander abgestimmt. "Sonst wird es schwierig mit der Haftung im Mängelfall", erläutert der Experte. Da die Bauteile später schwer zugänglich sind, müssen sie passgenau verlegt werden. "Aufgrund der Gewährleistung sollten nur Profis mit dem Einbau beauftragt werden", so Plate. Von einer Eigenleistung rät er ab.

Auch im Altbau kann eine Modernisierung sinnvoll sein. "Der nachträgliche Einbau erfordert zwar einen höheren Zeitaufwand, ist aber technisch relativ einfach möglich", sagt Joachim Plate. Geeignet seien hier Dünnschicht- und Trockensysteme mit einer geringen Aufbauhöhe von bis zu 20 beziehungsweise 50 Millimetern.

Beim Dünnschichtverfahren werden die Rohre und Folienelemente direkt auf dem Estrich oder dem bereits vorhandenen Fußboden verlegt. "Fliesen müssen dabei nicht abgeschlagen werden", erklärt der Experte. "Sie werden gereinigt und mit einer dünnen Noppenplatte beklebt, an der man die Rohre einklippt." Zum Schluss werde das Ganze mit Vergussmasse begradigt.

In unsanierten Altbauten kann es aber sein, dass die Fußbodenheizung nicht einmal 21 Grad warm wird - im Raum ist es dann noch kälter. Darauf weist Matthias Wagnitz vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima in Sankt Augustin bei Bonn hin. Ihre Wärme kann verloren gehen, wenn der Boden nicht ausreichend gedämmt ist. In diesem Fall decke die Fußbodenheizung nur die Grundlast ab, an sehr kalten Tagen werden zusätzlich Heizkörper benötigt.

"Wer nicht in allen Räumen eine Fußbodenheizung verlegen möchte, sollte zwei Heizkreise installieren", empfiehlt Wagnitz. "Einen für die Heizkörper an der Wand und einen für die Flächenheizung." Dies sei insbesondere ratsam, wenn eine Wärmepumpe installiert wurde, die für hohe Vorlauftemperaturen von Radiatoren nahezu ungeeignet ist. Brennwertkessel könne man hingegen hydraulisch auf die beiden Heizsysteme abstimmen, so der Referent für Energie- und Wärmetechnik.

"Meistens sind Fußbodenheizungen teurer als ein Heizkörpersystem", sagt Christian Stolte von der dena. "Über die Lebenszeit der Heizung kann sich das aufgrund ihrer Energieeinsparungen aber lohnen." Finanzieren können Hausbesitzer die Modernisierung zum Beispiel über Fördermittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). "Entweder als Zuschuss oder als Kredit mit derzeit ein Prozent Zinsen", so Stolte.