Energie: Konzerne legen Kraftwerksneubauten auf Eis

Hannover - Mit Gas- und Kohlekraftwerken lässt sich derzeit in Deutschland vielfach kein Geld mehr verdienen. Die Energiebranche hat ihre Neubaupläne deshalb radikal zusammengestrichen. Mittelfristig könnten Kapazitäten fehlen, warnt der Verband BDEW.

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Bild: Kraftwerk Bild: ©arsdigital/fotolia.com / Text: dpa

Wegen unklarer politischer Rahmenbedingungen und zunehmender Unwirtschaftlichkeit legt die Energiebranche ihre Pläne für Kraftwerksneubauten vielfach auf Eis. Nach einer am Montag zur Hannover Messe vorgestellten Kraftwerksliste des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fehlt derzeit für 22 Neubauprojekte eine konkrete Investitionsentscheidung. Zunehmend würden Projekte trotz vorliegender Baugenehmigungen unter den Vorbehalt einer Wirtschaftlichkeitsprüfung gestellt, sagte BDEW-Chefin Hildegard Müller. "Beim Kraftwerksbau droht eine neue Eiszeit."

Mittelfristig reiche die neue Kraftwerkskapazität nicht aus, um die Abgänge durch den Kernenergieausstieg und altersbedingte Stilllegungen von rund 16.000 Megawatt zwischen 2013 und 2022 zu ersetzen, sagte Müller. Außerdem drohten zu den absehbaren Kraftwerksschließungen weitere Stilllegungen bestehender Kraftwerke in den nächsten Jahren, weil Gas- und Steinkohlekraftwerke wirtschaftlich unter Druck gerieten. Die nächste Bundesregierung müsse bis 2015 ein neues Marktdesign zum Verhältnis zwischen konventioneller und Erneuerbarer Energie erarbeiten. Die Branche brauche Klarheit für ihre milliardenschweren Investitionen, forderte Müller.

Der starke Zubau von Wind- und Sonnenstrom und der Einspeisevorrang der Erneuerbaren Energien haben vor allem die umweltschonenden Gaskraftwerke weitgehend aus dem Markt gedrängt. Die teuren Kraftwerke kommen nur noch auf geringe Laufzeiten, die vielfach nicht einmal für die Deckung der Kapitalkosten ausreichen, wie etwa der Chef des größten deutschen Energiekonzerns E.ON, Johannes Teyssen, regelmäßig beklagt. Konventionelle Kraftwerke werden aber auch in Zukunft benötigt, um die schwankende Einspeisung aus Erneuerbaren Energien bei Bedarf ausgleichen zu können, wie Müller erneut betonte. Die Branche fordert deshalb eine Reform der Marktordnung.

Derzeit haben die beiden größten Stromkonzerne E.ON und RWE neue Planungen für neue Gas- und Kohlekraftwerke ganz gestrichen. E.ON will nur noch bereits begonnene Großprojekte abschließen. Weitere konventionelle Neubauvorhaben kämen "konsequent ad acta", hatte Teyssen Mitte März bei seiner Bilanzvorlage gesagt. RWE-Chef Peter Terium hatte ebenfalls den Verzicht auf neue "Großkraftwerke auf Basis von Kohle und Gas" angekündigt - allenfalls mit der Ausnahme eines Braunkohlekraftwerkes im Rheinischen Revier.

Nach der BDEW-Erhebung lassen ab 2016 die Neubauplanungen der Branche deutlich nach. Insgesamt sind danach derzeit 76 Anlagen mit einer Leistung von 38.000 Megawatt geplant. Davon sind aber nur 24 in der konkreten Umsetzung, 52 mit oder ohne Genehmigung im Planungsstadium.

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