Börsenstrompreise auf Talfahrt: Energiekonzerne suchen Zukunft

Essen/Düsseldorf - Die "großen Vier" der deutschen Energieversorgung haben ihren Platz in der Krise scheinbar fest gebucht. RWE legte am Donnerstag Halbjahreszahlen mit erneut starken Gewinneinbußen vor. Zuvor hatten schon Eon und Vattenfall enttäuschende Ergebnisse präsentiert. Nur EnBW kommt im ersten Halbjahr mit einem blauen Auge davon, weil Gewinne von Windparks zu sprudeln beginnen. Aber auch dort ist die Lage aber ernst. Die vier Konzerne suchen ihren Weg in die Zukunft.

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Bild: Erneuerbare Energiequellen Bild: ©galam/fotolia.com / Text: dpa

Durch das rapide gewachsene Angebot aus Wind- und Sonnenkraft sind die Börsenstrompreise auf um die 30 Euro pro Megawattstunde abgestürzt - noch vor wenigen Jahren waren es 55 Euro. Allein im ersten Halbjahr 2015 hat sich der RWE-Gewinn aus der konventionellen Stromerzeugung etwa mehr als halbiert. Gas- und viele Kohlekraftwerke rechnen sich nicht mehr. Kernkraftwerke sind bereits abgeschaltet oder gehen bald vom Netz und müssen mit hohem Milliardenaufwand zurückgebaut werden. Immer drängender fragen Politiker, ob die Rückstellungen der Konzerne dafür ausreichen.

Eon-Chef Johannes Teyssen geht im Kampf gegen diese Situation einen mutigen Schritt: Er spaltet die konventionelle Erzeugung in Deutschlands größtem Energiekonzern mit Kohle, Gas und Atom komplett in die Firmenneugründung Uniper ab. Mehr als 1000 Konzernfirmen müssen dabei zwischen Eon und Uniper verteilt werden. 2016 soll Uniper an die Börse kommen. Dann tue jeder Teil der einstigen Eon das, was er am besten kann, sagt Teyssen. Die Energiewelt sei einfach zu komplex geworden für einen einzigen Konzern.

Die Börse glaubt dem Konzernchef offensichtlich: Die Verluste für Eon-Aktien fielen bisher trotz der Branchenkrise moderat aus. Deutlich stärker stürzte RWE ab - am Donnerstag nach Veröffentlichung der neuen Gewinneinbußen zeitweise auf ein neues 25-Jahres-Tief.

Doch man kann den Abspaltungsplan auch anders sehen als Teyssen: Integrierte Konzerne, die Strom herstellen, zum Kunden transportieren, vertreiben und an der Börse handeln, haben Synergievorteile. Nicht umsonst sei europaweit bisher noch kein anderer Konzern Eon gefolgt, sagt RWE-Chef Peter Terium. Eine Aufspaltung produziert erst mal Kosten - ob sie sich auszahlt, kann nur die Zukunft zeigen.

Wenn das Konzept klappe, könne RWE ja immer noch aufspringen, betont Terium. Manchmal sei es besser, "fast follower" zu sein als "first mover" (schnell zu folgen statt sich zuerst zu bewegen). Und in Berlin wird diskutiert, ob Eon tatsächlich nach fünf Jahren aus der Mithaftung für die Atomtochter Uniper entlassen werden soll. Wenn Eon weiter für die Altlasten mitverantwortlich bleibt, obwohl es die kompletten Konzern-Atomrückstellungen von über 16 Milliarden Euro an Uniper übertragen hat, könnte das Teyssens Plänen den Boden wegziehen.

Einig sind sich alle Konzerne in einem Punkt: Sie sparen, was das Zeug hält, und was an raren Investitionsmitteln noch da ist, stecken sie vor allem in erneuerbare Energien mit einem Schwerpunkt bei der Windkraft.

Die einstige Gewinnmaschine Braunkohleverstromung hat bei den Managern dagegen rapide an Sympathie verloren: Vattenfall, der deutsche Ableger des Staatskonzerns im rot-grün regierten Schweden, will seine deutsche Braunkohle-Förderung in Sachsen und Brandenburg ganz verkaufen. Seine konventionellen Kraftwerke in Dänemark hat Vattenfall vor kurzem bereits abgestoßen. RWE rechnet für das Rheinische Revier wegen der Klimaschutzpläne der Bundesregierung mit dem Wegfall von 10 bis 15 Prozent der Braunkohlekapazität - erneut rund 1000 Jobs weniger.

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