Archos 50c Oxygen: Das Mittelklasse-Smartphone im Test

15.07.2014

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Zur Preisempfehlung von 199 Euro ohne Vertrag bietet das Archos 50c Oxygen nicht nur ein IPS-Display mit 5 Zoll, sondern auch einen Octacore-Prozessor. Die Kamera soll Fotos mit 8 Megapixel und Videos in Full HD aufnehmen. Unser Test hat dem Franzosen auf den Zahn gefühlt.

Die Mattscheibe des Archos 50c Oxygen misst rund 62 x 110 Millimeter und bringt es so auf eine Diagonale von 126 Millimeter oder umgerechnet 4,98 Zoll. Damit liegt das Display genau im aktuellen Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones. Die unverbindliche Preisempfehlung von 199 Euro ohne Vertrag bleibt hingegen weit darunter; Straßenpreise existieren aktuell noch nicht, weil das Gerät erst dieser Tage in den Verkauf wandert. Allerdings beträgt die Auflösung lediglich 720 x 1280 Pixel, das ergibt eine Schärfe von 135 Pixel pro Quadratmillimeter respektive 295 ppi. Absolut gesehen ist das mager, doch berücksichtigt man wiederum den Preis, so landet diese Relation satte 69 Prozent über dem Mittelwert. Auch in puncto Schärfe hat der Proband somit viel zu bieten für seinen Preis. Multimedia-Fans, die maximale Darstellungsqualität mit Full HD oder mehr wollen, müssen dafür deutlich tiefer in die Tasche greifen: Das LG G3, der aktuelle Schärferekordhalter hierzulande, kostet derzeit mindestens 480 Euro, also weit mehr als doppelt so viel!

Dual-SIM

Abgesehen davon kann das 50c Oxygen mit einem Trostpflaster aufwarten: Als eines der wenigen Smartphones hierzulande verwaltet es nämlich zwei UTMS-fähige SIM-Karten. Bei LTE muss das Archos allerdings passen, ebenso wie bei DC-HSPA, das mancherorts auch unter der Bezeichnung HSPA+ läuft. Was aber durchaus zur Zielgruppe passt, denn die meisten Discount-Tarife spielen bei LTE ohnehin nicht mit und enden bei 21 Megabit pro Sekunde. Und genau die unterstützt auch das Oxygen. Passt!

Magerer Speicher

Doch eine weitere Einschränkung sollten Interessenten bedenken: Der interne Speicher des Oxygen fasst lediglich 8 Gigabyte, von denen nach Aktualisierung sämtlicher vorinstallierten Apps gerade mal 5,59 Gigabyte übrig bleiben. Bekanntlich lassen sich nicht alle Apps auslagern: Systemnahe Anwendungen etwa können nicht auf die Speicherkarte verschoben werden. Außerdem steht es Entwicklern frei, dies zu unterbinden, etwa wenn es sich um performance-kritische Anwendungen handelt. Der Durchschnittsnutzer mit seinen statistisch weniger als 100 Apps stößt da nicht annähernd an die Kapazitätsgrenzen, doch Intensivnutzer dürften vom Erwerb des 50c Oxygen wohl eher Abstand nehmen.

Achtkern-Prozessor

Der Proband hat aber noch ein Ass im Ärmel: einen Octacore-Prozessor! Die Taktung von 1,7 Gigahertz bleibt hinter dem aktuellen Maximum von 2,5 Gigahertz zurück, und auch der Arbeitsspeicher ist mit nur einem Gigabyte nicht eben luxuriös bestückt. Es wundert daher wenig, dass der Kandidat in den Benchmarks keine neuen Rekorde aufstellt. Basemark 2.0 etwa bescheinigt dem Oxygen mit 556 Punkten ein um 19 Prozent unterdurchschnittliches Ergebnis. Andere Tests wie Antutu 4 sehen es elf Prozent über dem Mittel. Auffällig ist vor allem das mäßige Abschneiden bei Grafik-Aufgaben wie GFX oder „Ice Storm Unlimited“, deren Ergebnisse 30 bis 36 Prozent unterdurchschnittlich ausfallen. In der Gesamtwertung aus 13 der bekanntesten Benchmarks rangiert der Kandidat schließlich sechs Prozent unter Durchschnitt: Mitnichten ein schlechtes Ergebnis, aber für einen Octacore-Prozessor dennoch enttäuschend. Bringt man auch hier den Preis in Anrechnung, sieht die Welt erneut schon anders aus: Bei 199 Euro liegt diese Relation 79 Prozent über dem Mittel, der Kunde bekommt also wiederum vergleichsweise viel Leistung für sein Geld.

Schlapper Akku

Die große Frage bleibt natürlich, wie der Akku mit dem Octacore-Prozessor sowie dem 5-Zoll-Display klarkommt. Denn mit 2.000 Milliamperestunden ist dieser nicht gerade üppig bestückt. Der Laufzeittest bei der Videowiedergabe mit maximaler Bildschirmhelligkeit im Flugmodus ergibt 326 Minuten: Dieser Wert liegt 25 Prozent unter dem Schnitt, selbst wenn man die Bildschirmgröße in die Berechnung einfließen lässt. Das 50c Oxygen stellt also alles andere als einen Marathonläufer dar. Immerhin kann der Nutzer die Kraftzelle bei Bedarf austauschen: Mit einem Zweitakku wäre er also umgehend wieder im Spiel. Intensivnutzer sollten somit einen Ersatz-Stromspeicher gleich mit einkalkulieren, und eine Micro-SD-Karte sowieso.

Unkomfortable Kamera-App

Das Oxygen ist ab sofort in Deutschland vorerst mit Android 4.2.2 zu haben, das vom Hersteller vorgelegte Testmuster trug jedoch bereits eine Beta-Version von Android 4.4.2, das ab Sommer offiziell „Over the Air“ ausgeliefert werden soll. Die Foto-App des Updates zeigt jedoch einige Unregelmäßigkeiten: So soll das 50c Oxygen Fotos eigentlich mit 8 Megapixel schießen, das Testmuster brachte es jedoch auf lediglich 3328 x 1872 Bildpunkte oder  6,23 Megapixel. Und nur diese wurden im vorliegenden Test bewertet. Auch die Frontkamera mit ihren 1280 x 720 Pixel blieb hinter den angekündigten 1600 x 1200 Bildpunkten zurück. Unangenehm fiel zudem auf, dass einige Beschriftungen selbst im Querformat mit reichlich Platz abgekürzt werden wie etwa „Nachtpor..“ statt „Nachtportrait“. Dass „EBS“ in den Videoeinstellungen für „Elektronischer Bildstabilisator“ steht, kann man noch erahnen, doch was „ZSD“ in den Foto-Optionen bedeutet, konnte nicht einmal Archos erklären. Und anstelle konkreter Auflösungen gibt die Einstellung „Videoqualität“ lediglich die Auswahl „Niedrig“, „Mittel“, „Hoch“ und „Fein“ vor. Dass zum Beispiel mit „Fein“ Full HD gemeint ist, muss der Anwender also erst einmal herausfinden. Nicht zuletzt erweisen sich einige der verwendeten Icons als nicht selbsterklärend, weshalb der Nutzer anfangs lernen muss, welche Funktion sich hinter welchem Piktogramm verbirgt. All das zieht Punktabzüge in der Handhabungswertung nach sich.

Software-Pushup

Die Qualität der 6-Megapixel-Fotos lässt ebenfalls zu wünschen übrig: Die Aufnahmen wirken zwar scharf, doch sobald man einen Ausschnitt vergrößert, wird eine hohe Körnigkeit sichtbar, und auch die Detailtreue könnte besser sein. Das sieht ganz danach aus, als habe da die Software kräftig nachgeschärft. Bei Situationen mit schlechten Lichtverhältnissen kommt es zu den für Smartphones typischen Unschärfen aufgrund der langen Belichtungszeiten, doch das Bildrauschen ist weit höher als normal. Da tröstet es wenig, dass Belichtung und Farben meist stimmen. Unterm Strich steht am Ende nur ein „Mangelhaft“.

Fixierter Autofokus

Videos zeichnet der Kandidat mit 1920 x 1088 Pixel bei 30 Bildern pro Sekunde auf, also in Full HD. Auch hier scheint das Bild auf den ersten Blick scharf zu sein, was sich bei näherer Betrachtung wiederum als Resultat einer starken Software-Nachschärfung erweist, wie das körnige Bild und das Grieseln um viele Motive herum verrät. Trotzdem verwaschen manche Details – obwohl die Datenrate von 17 Megabit pro Sekunde eigentlich ausreichen sollte. Negativ macht sich der Bildstabilisator bemerkbar, der zu Beginn einer jeden Bewegung deutliche Verzerrungen produziert – daher sollte man diese Option tunlichst nicht verwenden. Teuer erkauft ist der auffällig stabile Autofokus, der anders als bei vielen Konkurrenten während der Videoaufnahmen nicht pumpt. Es stellt sich jedoch heraus, dass dieser lediglich einmal zu Beginn der Aufzeichnung scharf stellt und danach nie wieder; bei einem Schwenk etwa von einem nahen auf ein fernes Motiv muss der Anwender daher den Autofokus manuell durch einen Tipp auf die entsprechende Stelle des Touchscreens reaktivieren. Für mehr als ein „Mangelhaft“ reicht es daher auch in der Videowertung nicht.

Miserabler Musikklang

Am Referenz-Headset, den Ultimate Ears Reference Monitors, hört sich die Musikwiedergabe des das Archos äußerst schlapp an: Höhen sind so gut wie gar nicht vorhanden, und auch den Bässen fehlt jegliches Volumen. Der Frequenzgang muss somit an beiden Enden enorm früh einbrechen. Das Ergebnis klingt lustlos, wenig dynamisch, ja wie durch dicke Pappe hindurch. Da kommt keinerlei Freude auf. In heutigen Zeiten ein Unding für Smartphones aller Preisklassen, weshalb es hierfür ein „Ungenügend“ setzt.

Schickes Design

Dickstes Plus des 50c Oxygen ist seine dünne Bauweise: Gerade mal 7,5 Millimeter misst der Franzose. Nur um die Ausbuchtung der rückwärtigen Kameralinse herum beträgt die Tiefe 9,1 Millimeter. Und das bei Maßen von 70 x 145 Millimetern und einem Gewicht von 140 Gramm! Dennoch kann dem Probanden Stabilität bescheinigt werden, denn beim Verwinden knarzt da nichts, und auch das Glas des Displays drückt sich nicht durch auf das Panel.

Natives Android

Das Design mit seiner am unteren Ende abgerundeten Kante erinnert stark an das Huawei Ascend P7, welches allerdings eine ganze Ecke teurer ausfällt. Eine ausführliche Gegenüberstellung dieser beiden Telefone findet sich im folgenden Video:

Archos Smartphone mit Tarif finden

Alle Smartphone-Testberichte

Anders als Huawei setzt Archos aber keine eigene Nutzeroberfläche ein, es bleibt also beim nativen Android. Nur eine einzige Ausnahme machen die Franzosen, und diese betrifft die Audioprofile: Hier lassen sich beliebige eigene Ton-Konfigurationen abspeichern, während das native Android derlei nicht kennt. Wobei man Apps mit demselben oder gar weitreichenderem Funktionsumfang selbstverständlich dutzendweise im Play Store findet. Dennoch ein ungemein nützliches Feature. Negativ fiel im Test hingegen auf, dass die USB-Verbindung bei jedem Einstöpseln des USB-Kabels aktiviert und anschließend bestätigt werden muss – andernfalls erscheint der Speicher des Telefons nicht im Windows Explorer auf dem PC. Eine Einstellung, mit der sich die einmal getroffene Wahl speichern ließe, fehlt leider. Antiquiert! Zusammen mit den bereits zuvor erwähnten Komforteinbußen führt dies zur mageren Handhabungsnote „befriedigend“.

Fazit

Das Archos 50c Oxygen ist vergleichsweise günstig und bietet für sein Geld ein großes, recht helles, hochwertiges IPS-Display. Sogar die Auflösung geht angesichts des Preises in Ordnung, ebenso wie die für einen Octacore-Prozessor enttäuschende Rechenkraft. Interessenten sollten sich aber bewusst machen, dass LTE sowie DC-HSPA fehlen, die multimedialen Qualitäten des schicken Flachmanns miserabel sind, der Akku im Vergleich zur aktuellen Konkurrenz 25 Prozent früher schlapp macht und diverse Macken im Detail den Bedienkomfort mindern. Intensivnutzer mit mehreren hundert Apps sollten eher Abstand vom 50c Oxygen nehmen, weil der interne Speicher gerade mal 5,6 Gigabyte netto fasst und sich bekanntlich nicht alle Apps auf die SD-Karte auslagern lassen. Gleiches gilt für ambitionierte Gamer, denn mit zwei Spielen à zwei Gigabyte, die sich nicht auf die Speicherkarte verschieben lassen, wäre das Gedächtnis des Telefons schon am Ende; zumal auch Nachrichten, Kontakte & Co. Platz benötigen.