Refinanzierung

Der Begriff „Refinanzierung“ steht für die Möglichkeit der Banken, sich mit Geldern zu versorgen, die auf der anderen Seite wieder als Kredite ausgegeben werden. Für die Refinanzierung bieten sich den Kreditinstituten zahlreiche Möglichkeiten, die je nach Bedarf ausgeschöpft werden. Es müssen jedoch nur die Gelder refinanziert werden, die durch eine Geldleihe an die Kunden ausgegeben werden. Für Avale und Bürgschaften, die Eventualverbindlichkeiten darstellen, besteht kein Refinanzierungsbedarf.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Refinanzierung über die Zentralbanken
  3. Aufnahme von Krediten am Kapitalmarkt
  4. Spareinlagen als Refinanzierungsinstrument
  5. Der Kreditverkauf
  6. Kosten der Refinanzierung
  7. Zusammensetzung der Refinanzierung im Jahr 2010
  8. Bilanzielle Auswirkung der Refinanzierungswege
  9. Verwandte Themen
  10. Weiterführende Links

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Eintreten der Finanzkrise im Jahr 2008 bietet die Europäische Zentralbank den Geldhäusern extrem günstige Konditionen zur Refinanzierung, um die Investitionen in der Wirtschaft anzukurbeln.
  • Dieser Weg ist aber nur einer von mehreren. Banken können sich etwa auch über die Kreditaufnahme am Kapitalmarkt, über Spareinlagen oder über den Kreditverkauf refinanzieren.
  • Eine günstige Möglichkeit der Refinanzierung bieten auch die historisch niedrigen Sparzinsen, da die Spanne zu den Margen, die im Kreditgeschäft erreicht werden, groß ist.

Refinanzierung über die Zentralbanken

Die Refinanzierung über die nationalen Zentralbanken und die Europäische Zentralbank (EZB) erfolgt in Form einer Kreditaufnahme. Dazu kann einerseits direkt Geld geliehen werden, welches mit dem Leitzins verzinst wird. Der Leitzins wird von der EZB festgesetzt. 2016 erreichte er den historischen Tiefstand von 0 % pro Jahr. Andererseits können Banken auch über die Spitzenrefinanzierungsfazilität, die Nachfolgerin des klassischen Lombardkredites, Gelder aufnehmen. Für diesen rund drei Monate laufenden Kredit werden als Sicherheit Wertpapiere bei der Zentralbank hinterlegt.

Aufnahme von Krediten am Kapitalmarkt

Eine andere Alternative stellt die Aufnahme von Krediten am Kapitalmarkt zur Refinanzierung dar. Zu diesem Zweck werden seitens der Geschäftsbanken klassische Anleihen ausgegeben. Hypothekenbanken refinanzieren sich durch die Ausgabe von Pfandbriefen. Sparkassenbriefe fallen nicht unter die Rubrik von Fremdmittelfinanzierung, sondern zählen zum Einlagengeschäft. Die Refinanzierung über den Kapitalmarkt bedeutet für die Banken jedoch auch ein Risiko. Wurden Anleihen in einer Phase mit höheren Zinsen ausgegeben und der Zinssatz für Kredite fällt, übersteigen die Kosten für die langfristige Refinanzierung die Erträge aus dem Kreditgeschäft.

Spareinlagen als Refinanzierungsinstrument

Die dritte, klassische Variante der Refinanzierung von Banken erfolgt über das Einlagengeschäft. Dazu zählen Tagesgelder, Guthaben auf Girokonten und Sparbüchern sowie Festgelder und Sparbriefe. Sichteinlagen, Tagesgelder, Giroguthaben und Sparbücher unterliegen auf der anderen Seite aber den Auflagen in Bezug auf die Mindestreservehaltung bei den Zentralbanken.

Der Kreditverkauf

Eine noch relativ junge, aber bereits mit Makel versehene Refinanzierung stellt der Kreditverkauf dar. In diesem Fall werden Darlehen mit identischer Ausstattung gebündelt und in verbriefter Form an einen Investor weiterverkauft. In den USA findet ein reger Handel mit sogenannten Subprime-Hypotheken statt, der vor einigen Jahren zur Subprime-Krise führte. Als die Hypotheken von den Schuldnern nicht mehr bedient werden konnten, ging der US-Immobilienmarkt in die Knie.

Kosten der Refinanzierung

Je nach dem, für welche Variante sich eine Bank zur Refinanzierung entscheidet, fallen unterschiedliche Kosten an.

Die Geldleihe von der EZB stellt aktuell die günstigste Möglichkeit dar, hat allerdings nur kurzfristigen Charakter. Mit der Ausgabe von Anleihen, die einer langfristigen Refinanzierung dient, sind nicht nur die Aufwendungen für die Zinsen verbunden, sondern auch die Kosten für die Emission der Wertpapiere.

Deutlich kostengünstiger stellt sich die Refinanzierung durch das klassische Einlagengeschäft dar. Die historisch niedrigen Sparzinsen bieten eine extreme Spanne zu den Margen, die im Kreditgeschäft erreicht werden. Liegen die Sparbuch-Zinsen unter einem Prozent, beläuft sich der Ratenkredit-Zinssatz für einen Darlehensnehmer mit mittlerer Bonität auf rund fünf Prozent effektiv, abhängig von Institut und Laufzeit. Die Margen bei Hypothekendarlehen sind jedoch deutlich niedriger.

Zusammensetzung der Refinanzierung im Jahr 2010

Kein Institut wird nur auf eine Refinanzierungsquelle bauen. Die Aufteilung der Mittelherkünfte im Jahr 2010 zeigt eine mögliche Quotierung:

  • 34 Prozent stammten aus Termingeldern, Tagesgeldern und Giroguthaben von Nichtbanken.
  • 28 Prozent resultierten aus Verbindlichkeiten gegenüber anderen Banken.
  • 27 Prozent der Mittel wurden durch Anleihen refinanziert.
  • 9 Prozent der Refinanzierung erfolgten durch Spareinlagen.

Bilanzielle Auswirkung der Refinanzierungswege

Je nach Art und Weise der erfolgten Refinanzierung verändert sich die Bilanz. Eine Veränderung auf der Passivseite der Bilanz erfolgt durch die Erhöhung von Spareinlagen oder die Ausgabe von Anleihen. Eine Veränderung auf der Aktivseite ergibt sich durch den Verkauf von Geldmarktpapieren oder der Geldleihe bei den Zentralbanken.

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