Unternehmen fragen weniger Kredite an – Banken werden strenger

28.01.2021 | 17:27

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Obwohl vielen Unternehmen durch den erneuten Lockdown Umsatz und Erträge wegbrechen, ist die Nachfrage nach Krediten im Firmenkundengeschäft im letzten Quartal deutlich gesunken. Wie eine aktuelle Analyse der KfW zeigt, sich darüber hinaus auch die Banken bei der Entscheidung über Kreditanträge von Unternehmen restriktiver geworden.

Einbruch bei der Nachfrage nach Unternehmenskrediten

Die aufgrund steigender Covid19-Infektionszahlen in den letzten Monaten des Jahre 2020 notwendig gewordenen erneuten Beschränkungen des wirtschaftlichen Lebens bedeuten für Unternehmen der betroffenen Branchen die Wiederauflage massiver Ertragseinbußen. Dennoch brach das Interesse an neuen Krediten im 4. Quartal 2020 ein.

Laut der KfW-Untersuchung reduzierte sich der Anteil der Mittelständler, der Kreditverhandlungen mit Banken führte, um rund 8 Prozentpunkte auf 22,1 %. Bei den Großunternehmen war der Rückgang mit fast 11 Prozentpunkten noch ausgeprägter. In dieser Größenklasse bemühten sich zuletzt noch 28,7 % bei ihrer Bank um neue Darlehen. Das sind die jeweils niedrigsten beobachteten Werte seit Beginn der regelmäßigen KfW-Befragungen im Jahr 2017.

Firmen halten sich bei Investitionen zurück

„Bankkredite sind in der zweiten Coronawelle bislang wenig gefragt, die Nachfrage der Unternehmen fällt auf ein Rekordtief“, sagt die KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Der wichtigste Grund dafür sei die ausgeprägte Investitionszurückhaltung aufgrund der Unsicherheit über den weiteren Pandemieverlauf. „Das ist aus Unternehmenssicht verständlich, hat aber für die Gesamtwirtschaft mittelfristig schwere Folgen, weil so der Rückstau bei wichtigen strukturellen Themen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit immer größer wird“, warnt die Expertin. 2020 hätten die Unternehmen nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes 6,6 % weniger für Investitionen ausgegeben als im Vorjahr.

Zusätzlich bremsend auf die Nachfrage nach Finanzierungen wirke, dass das Verarbeitenden Gewerbe im Gegensatz zum Frühjahr dieses Mal kaum von Einschränkungen betroffen sei. Außerdem begrenzten auch die zusätzlichen staatlichen Finanzhilfen für Unternehmen die Liquiditätsenpässe. „Meiner Einschätzung nach dürfte es darüber hinaus auch eine Rolle spielen, dass einige Unternehmen zusätzliche Verschuldungslasten zur Kompensation von Umsatzverlusten mit anhaltender Krise nicht mehr tragen können oder wollen.“

Strengere Maßstäbe bei der Kreditvergabe

Für die Unternehmen, die dennoch Kreditfinanzierungen anstreben, nehmen laut der KfW-Analyse die Schwierigkeiten zu. Für den Mittelstand stieg die sogenannte Kredithürde im vierten Quartal zwar nur geringfügig um 0,4 Prozentpunkte, doch immerhin war dies der sechste Anstieg in Folge. Von den Mittelständlern, die sich zum Befragungszeitpunkt in Kreditverhandlungen mit ihrer Bank befanden, bewerteten 22,1 % deren Vergabepolitik als „restriktiv“.

Besonders restriktiv verhalten sich die Banken demnach bei Kreditanfragen mittelständischer Dienstleister (29,5%), während die Firmen des Verarbeitenden Gewerbes Entspannung (16%) vermelden. In diesen branchen-spezifischen Unterschieden beim Kreditzugang spiegelt sich die asymmetrische Betroffenheit der Wirtschaftsbereiche durch die Pandemie wider.

Auch große Unternehmen kamen nach der Atempause im Vorquartal nun wieder schwerer an Bankdarlehen. Nach einem kräftigen Anstieg um fast 5 Prozentpunkte trifft fast ein Fünftel der Großunternehmen im Schlussquartal 2020 auf skeptische Finanzinstitute.