Ratenkredite für Frauen 6 Prozent teurer als für Männer
Stand: 10.09.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Frauen zahlen in Deutschland für Ratenkredite im Mittel 6 Prozent höhere Zinsen als Männer. Zudem werden ihre Kreditanfragen wesentlich häufiger abgelehnt. Ein wesentlicher Grund: Frauen verdienen im Schnitt deutlich schlechter als Männer. Entsprechend kleiner ist auch ihr finanzieller Handlungsspielraum. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox.
6 Prozent mehr Zinskosten für Frauen
6,77 Prozent – so hoch ist der mittlere Zinssatz von Frauen, die im Juli einen Kredit abgeschlossen haben. Bei Männern lag der mittlere Zins im selben Zeitraum bei 6,39 Prozent. Das bedeutet: Frauen müssen für ihre Kredite rund 6 Prozent höhere Zinskosten schultern als Männer.
Frauen müssen im Mittel nicht nur mehr Zinsen zahlen, sie haben es auch schwerer überhaupt einen Kredit aufzunehmen. Sie erhalten auf ihre Kreditanfragen um 15 Prozent häufiger kein Finanzierungsangebot von einer Bank als männliche Kreditinteressenten.
Die Unterschiede lassen sich nicht darauf zurückführen, dass Frauen allein aufgrund ihres Geschlechts höhere Zinsen berechnet werden.
"Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit öfter – entsprechend verdienen sie im Durchschnitt noch immer deutlich weniger als Männer. Das geringere Einkommen schwächt aus Sicht der Banken die Kreditwürdigkeit. Dadurch haben sie es schwerer einen Kredit aufzunehmen oder müssen dafür aufgrund des Risikos zumindest höhere Zinsen zahlen", erklärt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH.
Einkommensunterschiede wirken sich auf Kreditkosten aus
Ein wesentlicher Faktor für die unterschiedlichen Kreditkosten ist die finanzielle Ausgangslage. Das mittlere Nettoeinkommen der Frauen in der Verivox-Auswertung lag bei 2.443 Euro und damit 557 Euro beziehungsweise rund 19 Prozent unter dem der Männer (3.000 Euro). Damit liegt die Einkommensdifferenz in der Verivox-Auswertung in einer ähnlichen Größenordnung wie der aktuelle Gender Pay Gap in Deutschland von 16 Prozent. Ein geringeres Einkommen kann sich bei der Kreditprüfung auf die Bonität und damit auf die angebotenen Konditionen auswirken.
"Bei der Kreditwürdigkeitsprüfung achten Banken unter anderem auf Einkommen und Beschäftigungssituation. Wenn sich diese Faktoren zwischen den Geschlechtern deutlich spiegelt sich das auch in den Kreditkonditionen wider", sagt Oliver Maier.
Weil die Kredithöhe zum Einkommen passen muss, schränkt der geringere Verdienst von Frauen auch ihren finanziellen Handlungsspielraum ein. Der durchschnittliche Kreditbetrag von Frauen ist mit 14.382 Euro rund 18 Prozent niedriger als bei Männern (17.509 Euro).
Kreditvergleich kann Kostenunterschiede minimieren
Unabhängig vom Geschlecht können Kreditinteressierte Zinsen sparen, indem sie vor dem Abschluss einen Anbietervergleich machen. Denn die Zinssätze unterscheiden sich je nach Bank teilweise erheblich.
So liegen die Zinsen für Ratenkredite laut Bundesbank aktuell im Schnitt bei 8,73 Prozent. Der durchschnittliche Kreditbetrag bei Frauen beträgt 14.382 Euro. Somit werden bei einer sechsjährigen Laufzeit insgesamt 3.976 Euro Zinsen fällig. Frauen, die vor dem Abschluss über Verivox Kredite vergleichen, zahlen mit 6,77 Prozent im Mittel zwar etwas höhere Zinsen als Männer, sparen damit im Vergleich zum deutschen Durchschnittskreditnehmer aber immer noch 918 Euro.