Deutlich mehr Privatinsolvenzen im ersten Quartal

01.06.2021 | 12:38

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Nach zehn Jahren sinkender Fallzahlen werden die Privatinsolvenzen 2021 wieder deutlich steigen. Darauf weisen aktuelle Daten der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel hin. Den Angaben zufolge liegt der Anstieg vor allem an einer Gesetzesänderung, die in diesem Jahr wirksam geworden ist. Auch die Folgen der Corona-Pandemie spielen eine Rolle.

Prognose: Doppelt so viele Privatinsolvenzen wie 2020

Im ersten Quartal 2021 sei die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 56,5 Prozent gestiegen. In den ersten drei Monaten des Jahres gab es demnach 31.821 private Insolvenzen. Im ersten Quartal 2020 waren es nur 20.328. Im weiteren Jahresverlauf dürfte sich dieser Trend fortsetzen.

"Aktuell gehen wir von bis zu 110.000 Privatinsolvenzen und damit von einer Verdopplung der Zahlen in diesem Jahr aus", sagt Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein. 2020 gab es insgesamt 56.324 private Insolvenzen in Deutschland.

Viele haben Insolvenzantrag zuvor zurückgehalten

"Der deutliche Anstieg an Insolvenzen ist derzeit vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Privatpersonen letztes Jahr entsprechende Anträge zurückgehalten haben“, erklärt Schlein. „Sie wollten von einer Gesetzesreform profitieren, die Betroffenen von Privatinsolvenzen künftig, statt wie bisher nach sechs, schon nach drei Jahren eine Restschuldbefreiung ermöglicht.“ Um von der Gesetzesänderung zu profitieren, hätten viele Betroffene mit ihrem Insolvenzantrag gewartet, bis die Reform verabschiedet ist.

Zahlen dürften im Jahresverlauf weiter steigen

Die Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens auf drei Jahre wird rückwirkend auch für alle Insolvenzverfahren gelten, die ab dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden. Damit können auch Schuldner bei einem wirtschaftlichen Neuanfang unterstützt werden, die durch die Covid-19-Pandemie in die Insolvenz geraten sind. Die unmittelbar von der Corona-Pandemie verursachte Insolvenzwelle werde nach Einschätzung der Experten dann ab dem 2. Halbjahr 2021 einsetzen und bis in das Jahr 2022 hineinreichen.

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie seien nicht nur für Beschäftigte im Niedriglohnbereich existenzbedrohend, sondern auch im mittleren Einkommensbereich deutlich spürbar. Viele Arbeitnehmer waren zumindest vorübergehend in Kurzarbeit und mussten Einkommenseinbußen hinnehmen. Für die nächsten Monate rechnet Crifbürgel mit einem Anstieg Arbeitslosigkeit. Dadurch bleibe Betroffenen weniger Geld, um ihre laufenden Kredite, Mieten, Rechnungen und Finanzierungen zu bezahlen. Deshalb dürfte die Zahl überschuldeter Haushalte und damit auch die Zahl der Privatinsolvenzen weiter steigen.

Kreditnehmer sollten aktiv das Gespräch suchen

Wer Schwierigkeiten hat, einen laufenden Ratenkredit zu bedienen, sollte aktiv werden und selbst das Gespräch mit der Bank suchen. Der Kreditgeber kann dann verschiedene Möglichkeiten prüfen, zum Beispiel eine kostenpflichtige Stundung oder auch eine Umschuldung auf einen Kredit mit längerer Laufzeit, um die monatliche Belastung zu reduzieren. Bevor sie einer Umschuldung zustimmen, sollten Verbraucher einen Kreditvergleich machen, um zu prüfen, ob eine andere Bank ihnen günstigere Konditionen anbietet.