Über eine Milliarde Menschen auf der Erde ernähren sich vegetarisch. Die meisten davon leben in Indien. Vegetarismus basierte von der Antike bis heute auf religiösen, politischen oder gesellschaftlichen Überzeugungen, seit Ende des 19. Jahrhunderts wird vegetarische Ernährung auch aus Gesundheitsaspekten praktiziert.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was bedeutet vegetarisch?
  3. Geschichte der vegetarischen Ernährung
  4. Gründe für eine vegetarische Lebensweise heute
  5. Was darf ich als Vegetarier nicht essen?
  6. Vorteile der vegetarischen Ernährung
  7. Risiken: Mangelerscheinungen?
  8. Verwandte Themen
  9. Weiterführende Links
  10. Gesetzliche Krankenversicherungen im Vergleich

Das Wichtigste in Kürze

  • Vegetarische Ernährung verzichtet auf Nahrungsmittel, für die Tiere getötet werden müssen. Gegessen werden pflanzliche Nahrungsmittel und Produkte lebender Tiere.
  • Veganer lehnen in der Regel Nutztierhaltung grundsätzlich ab.
  • Medizinisch scheint es erwiesen: Eine ausgewogene vegetarische Ernährung hat positive Auswirkung auf die Gesundheit von Menschen.

Was bedeutet vegetarisch?

Vegetarisch, Vegetarismus und Vegetarier sind seit Ende des 19. Jahrhunderts gebräuchliche Begriffe für eine Ernährungsform, bei der man auf Nahrungsmittel verzichtet, die - wie Fleisch und Fisch - von getöteten Tieren gewonnen werden müssen. Eine vegetarische Ernährungsweise basiert auf pflanzlichen Nahrungsmitteln und zum Teil auf den Produkten lebender Tiere.

Der englische Begriff ‚vegetarian‘ wurde aus 'vegetable' = "Gemüse" oder "pflanzlich" und der Endsilbe -arian, die bedeutet: "eine Überzeugung haben", zusammengesetzt. In die Wortbildung eingeflossen ist lateinisch 'vegetare' = "Körper und Geist beleben".

Was bedeutet vegan?

Veganer ernähren sich ausschließlich auf pflanzlicher Basis und lehnen neben Fleisch, Fisch, Eiern, Milch und Honig häufig auch tierische Produkte wie Wolle und Leder für Kleidung ab, da für sie jede Form der Nutztierhaltung mit Ausbeutung und Tötung - etwa männlicher Küken und Rinder - verbunden ist. Noch weiter gehen Frutarier, die sich nur von solchen pflanzlichen Produkten ernähren, die nicht mit einer Beschädigung von Pflanzen einhergehen, wie von Nüssen, Früchten und Samen.

Was sind Flexitarier?

Es gibt immer mehr Menschen, die aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen weniger Fleisch essen wollen und überwiegend vegetarisch leben, den Schritt hin zu einer vollständig vegetarischen Ernährung aber (noch) nicht tun möchten. Diese Gruppe nennt man Flexitarier. In der Regel achten Flexitarier darauf, dass das Fleisch, das sie konsumieren, aus biologischer Produktion stammt und eine vergleichsweise gute Ökobilanz aufweist.

Geschichte der vegetarischen Ernährung

Beispiele für Gruppen, die sich vegetarisch ernährten, gibt es bereits seit der Antike. Die ersten belegten Anhänger einer vegetarischen Lebensweise waren die Orphiker, die etwa 600 v. Chr. in Griechenland lebten, an eine Wiedergeburt als Mensch oder Tier glaubten und aus religiös-philosophischen Gründen auf Fleisch verzichteten. Auch der griechische Mathematiker und Philosoph Pythagoras und seine Anhänger lebten im 6. Jahrhundert v. Chr. aus ethischen Gründen vegetarisch.

Etwa um die gleiche Zeit entstanden auch in Indien religiöse Gruppierungen, die in ihre gewaltfreie Lebensweise auch Tiere einbezogen. Etwa im Jainismus gilt das Ideal, Tiere nicht zu verletzen.

Auch heute setzen Hinduismus und Buddhismus eine fleischfreie Ernährung voraus. Da beide Religionen in Indien weit verbreitet sind, ernähren sich etwa 40 Prozent der indischen Bevölkerung vegetarisch oder vegan. Im modernen Europa und Nordamerika fand der Vegetarismus ab dem 18. Jahrhundert wieder Anhänger.

Gründe für eine vegetarische Lebensweise heute

Etwa elf Prozent der deutschen Bevölkerung ernähren sich inzwischen vegetarisch oder vegan. Laut ProVeg Deutschland e.V. entscheiden sich wöchentlich etwa 4.000 Personen in Deutschland dazu, Vegetarier zu werden.

Menschen, die heute vegetarisch oder vegan leben, tun dies oft aus der Überzeugung, dass es nicht richtig und notwendig ist, Tiere für den eigenen Genuss zu töten. Ein weiterer Grund ist der Versuch, sich ohne Fleisch gesünder zu ernähren. Relativ neu ist eine vegetarische Ernährung aus ökologischen Gründen, die aber immer mehr Anhänger findet, da die weltweite Nutztierhaltung:

  • über 70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen belegt,
  • 14,5 Prozent aller klimaschädlichen Gasemissionen verursacht,
  • für 70 Prozent des Trinkwasserverbrauchs weltweit verantwortlich ist.

Was darf ich als Vegetarier nicht essen?

In der Praxis verzichten Vegetarier auf Fleisch, Fisch und andere Produkte aus der Verarbeitung toter Tiere wie Gelatine und Schmalz. Vereinbar mit einer vegetarischen Ernährung sind hingegen tierische Produkte vom lebenden Tier wie Milch und Milchprodukte sowie Eier oder Honig, je nachdem, welche Form des Vegetarismus man für sich wählt:

  • Ovo-Lacto-Vegetarier (die üblichste Form vegetarischer Ernährung): ohne Fleisch, Fisch oder Produkte aus der Verarbeitung toter Tiere; Eier, Milch und Milchprodukte sind ok.
  • Lacto-Vegetarier: kein Fleisch oder Fisch und verarbeitete Produkte davon; Milch und Milchprodukte sind ok.
  • Ovo-Vegetarier: kein Fleisch oder Fisch und verarbeitete Produkte davon; Eier werden verwendet.
  • Pescetarier: kein Fleisch oder Fleischprodukte; Fisch und Fischprodukte werden verwendet.

Vorteile der vegetarischen Ernährung

Medizinisch scheint es erwiesen: Eine ausgewogene vegetarische Ernährung hat positive Auswirkung auf die Gesundheit von Menschen. Wer auf Fleisch und Wurst verzichtet, nimmt weniger Cholesterin und gesättigte Fettsäuren zu sich. Wer gesunde Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Gemüse statt Fleisch isst, tut seinem Körper zusätzlich Gutes. Dadurch ist eine vegetarische Ernährung oft gesünder als fleischhaltige Kost, wie wissenschaftliche Studien zeigen: Bluthochdruck, Übergewicht, Herz- und Gefäßerkrankungen oder Erkrankungen des Verdauungssystems kommen bei Vegetariern seltener vor als bei Fleischessern.

Außerdem spart der Verzicht auf Fleisch oder eine Reduzierung von Fleisch in der Ernährung CO2, Trinkwasser und Agrarflächen in nicht unerheblichem Maß ein.

Risiken: Mangelerscheinungen?

Vegetarier müssen bei ausgewogener und abwechslungsreicher Ernährung keine Mangelerscheinungen fürchten. Selbst die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt inzwischen eine ausgewogene vegetarische Kost auch für Kinder und Heranwachsende. Basis ist dabei natürlich immer eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß, Zink und Jod, die bei vegetarischer Ernährung aber kein Problem darstellt. Um Eisenmangel vorzubeugen, ist es hilfreich, eisenhaltige Nahrungsmittel wie Weizenkeime, Kürbiskerne, Sojabohnen und Hirse zu kennen.

Bei Vitamin-B12 droht für Vegetarier, insbesondere wenn sie Eier zu sich nehmen, ebenfalls kein Mangel. Nur Veganer haben keine Möglichkeit, ausreichend Vitamin-B12 mit der Nahrung aufzunehmen, da es sich in ausreichenden Mengen nur in tierischen Produkten findet. Nahrungsergänzungsmittel, mit Vitamin-B12 angereicherte Nahrungsmittel oder Zahncremes für Veganer mit Vitamin-B12 können hier aber Abhilfe schaffen. Genug Kalzium finden Veganer in dunkelgrünen Gemüsesorten, Nüssen und Sojaprodukten sowie kalziumreichem Mineralwasser.

Insgesamt ist für Vegetarier, wie für alle, die sich gesund ernähren möchten, nützlich, ein gewisses Wissen über Ernährung, den eigenen Bedarf sowie über Nahrungsmittel und ihre Inhaltsstoffe zu besitzen. Für Veganer ist es oft die Voraussetzung für eine ausgewogene Ernährung und die Vorbeugung gegen Mangelerscheinungen.

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