Bei einer Krankheit gilt der erste Gang oft dem Hausarzt. Dieser stellt eine Diagnose und eine Überweisung oder eine Zuweisung zum richtigen Facharzt aus. Nun haben Patienten einige Wochen Zeit beim Facharzt einen Termin zu bekommen. Doch leider sind bei vielen Ärzten die Wartezimmer und Terminbücher voll. Wartezeiten von sechs Wochen bis zu drei Monaten sind keine Seltenheit. Bei einer Zuweisung, bei der es um eine erweiterte Diagnostik geht, die der Hausarzt nicht leisten kann, ist das besonders ärgerlich. Um diese Terminsuche zu vereinfachen, hat die Kassenärztliche Vereinigung einen ganz besonderen Service gestartet: die Terminservicestellen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bundesregierung hat Ende 2015 das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz beschlossen, welches die medizinische Struktur in Deutschland nachhaltig verbessern soll.
  • Um über die zugehörige Servicestelle einen Facharzttermin zu erhalten, wird eine ärztliche Überweisung oder Zuweisung benötigt.
  • Insgesamt stellen die Terminservicestellen und ihre Leistungen ein gutes Angebot für die gesetzlich Versicherten dar.

Was die Terminservicestellen leisten

Die Bundesregierung hat Ende 2015 das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz beschlossen. Hierbei soll die medizinische Struktur in Deutschland nachhaltig verbessert werden. Eine gute medizinische Versorgung soll danach künftig mehr keine Frage des Wohnortes sein. Im Versorgungsverstärkungsgesetz werden Strukturen geschaffen, die es für Ärzte attraktiver macht sich in ländlichen Gegenden niederzulassen. Zudem wurden die Kassenärztlichen Vereinigungen verpflichtet, Terminservicestellen einzurichten. Diese sollen einem Patienten innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt verschaffen können. Die Einführung erfolgte im Januar 2016.

Wer kann den Terminservice nutzen

Um über die zugehörige Servicestelle einen Facharzttermin zu erhalten, wird eine ärztliche Überweisung oder Zuweisung benötigt. Für einen Termin bei einem Augenarzt, oder einem Gynäkologen ist kein Überweisungsschein notwendig. Die Terminservicestelle vermittelt allerdings keine Termine für Bagatellerkrankungen oder Routineuntersuchungen. Auch Kinderärzte, Psychotherapeuten, Hausärzte und Zahnärzte sind von der Terminvermittlung ausgenommen.

Wie funktioniert die Vermittlung

Um einen Facharzttermin über die Terminservicestelle zu erhalten, wenden sich Patienten an ihre zuständige Kassenärztliche Vereinigung. Für jedes Bundesland gibt es hier eine eigene Stelle. Das Bundesministerium für Gesundheit hat eine Informationswebseite erstellt, auf der Patienten die aktuellen Telefonnummern ihrer Terminservicestelle abfragen können.

Die Vermittlung des Termins erfolgt telefonisch. Der Patient ruft bei der Terminservicestelle an und erhält innerhalb einer Woche einen Termin beim Spezialisten, der garantiert innerhalb der nächsten vier Wochen nach dem Telefonkontakt liegt. Gelingt es der Terminservicestelle nicht einen Termin in einer Praxis zu vermitteln, kümmert sie sich um einen ambulanten Behandlungstermin in einem Krankenhaus.

Werden Sonderwünsche beim Terminservice beachtet?

Das System der Terminservicestellen ist eher als Notfallsystem gedacht. Es kann keine Wünsche der Patienten beachten. Weder der Arzt noch der genaue Termin können somit beeinflusst werden. Patienten, die nach einem Termin in einer ganz bestimmten Praxis suchen, sollten also besser in Eigeninitiative dort anfragen. Auch der Behandlungsort kann nicht beeinflusst werden. Unter Umständen muss der Patient einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen. Allerdings sollte die behandelnde Praxis noch in zumutbarer Nähe liegen. Es werden somit zunächst die Praxen in der näheren Umgebung abgefragt.

Kann ich einen Termin, der über eine Terminservicestelle vermittelt wurde, verschieben?

Wer einen vermittelten Arzttermin nicht wahrnehmen kann, sollte diesen so schnell wie möglich absagen. Dazu gibt der Patient sowohl in der betreffenden Arztpraxis oder dem Krankenhaus Bescheid, als auch bei der Terminservicestelle selbst. Die Servicestelle ist nicht dazu verpflichtet, einen neuen Termin für den Patienten zu suchen. Eine Ausnahme bildet eine Absage noch am selben Tag der Terminvermittlung. Dann muss die Terminservicestelle einen weiteren Facharzttermin vergeben.

Die Terminservicestelle – ein gelungenes Dienstleistungsangebot

Insgesamt stellen die Terminservicestellen und ihre Leistungen ein gutes Angebot für die gesetzlich Versicherten dar. Gerade für Gegenden, in denen die Facharztdichte nicht sehr hoch ist, können Servicestellen eine Möglichkeit darstellen, die Terminproblematik für Patienten mit Facharztbedarf in den Griff zu bekommen. In größeren Städten mit einer ausreichenden Facharztversorgung erspart die Terminservicestelle den Versicherten eine zeitaufwendige Suche in Eigeninitiative.

Insbesondere die Terminsuche und die langen Wartezeiten werden als große Nachteile der gesetzlichen Krankenversicherung gewertet. Diese Nachteile werden durch das Versorgungsstärkungsgesetz teilweise eliminiert. Zwar bekommen privat Versicherte in der Regel immer noch schneller einen Termin, Wartezeiten für gesetzlich Versicherte von über einem Monat gehören zumindest größtenteils der Vergangenheit an.

Terminservicestellen überwinden Barrieren

Auch für Menschen, die einen schlechteren Zugang zu Recherchemöglichkeiten nach Facharztpraxen in ihrem Umfeld haben, ist der Terminservice eine tolle Alternative. Durch die einfache telefonische Kontaktmöglichkeit können Sprachbarrieren oder technische Hindernisse, wie zum Beispiel ein fehlender Internetzugang, umgangen werden. Ältere Menschen oder Menschen, die sich aufgrund einer Behinderung, zum Beispiel einer Sehbehinderung oder eingeschränkter motorischer Fähigkeiten schwer mit der Suche tun, finden hier schnelle und praktische Hilfestellung.

Kritik an den Terminservicestellen

Kritiker weisen auf die hohen Kosten und den bürokratischen Aufwand der Servicestellen hin. In manchen Bundesländern ist das Verhältnis zwischen vermittelten Terminen und Kosten nicht gerechtfertigt. Außerdem werden die weiten Wege zu den Fachärzten kritisiert. So gilt eine Anfahrtsdauer von 1 Stunde für Termine beim Spezialisten für Versicherte als zumutbar.