Was gibt es bei einem Tarifwechsel bei der privaten Krankenversicherung (PKV) zu beachten? Diese Frage stellen sich viele privat Krankenversicherte, die ihren alten Tarif infolge von Beitragserhöhungen als zu teuer empfinden. Möglicherweise beinhaltet der alte Vertrag Leistungen, die sie nicht beanspruchen – durch eine Anpassung des Tarifs an die aktuelle Lebenssituation lässt sich also Geld sparen. Einen Schnellschuss sollten Privatversicherte allerdings vermeiden: In der Regel lässt sich mehr erreichen, wenn Klarheit über die eigenen Rechte besteht und dem PKV-Tarifwechsel eine gründliche Recherche vorausgeht. Damit Sie nicht stundenlang damit beschäftigt sind, sich in die Thematik einzulesen, finden Sie hier die wichtigsten Fakten zum Thema „Tarifoptimierung“ kompakt zusammengefasst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Falle der privaten Krankenversicherung ist eine Tarifoptimierung beim gleichen Anbieter einem Wechsel der Krankenversicherung vorzuziehen.
  • Möchten man zu einem gleichwertigen Tarif oder einem mit geringeren Leistungen wechseln, sind Sie an keine besonderen Fristen gebunden.

Tarif- oder Versicherungswechsel?

Ihre aktuelle Krankenversicherung hat schon wieder den Beitrag für Leistungen erhöht, die Sie bei Konkurrenzunternehmen zu einem besseren Tarif bekommen? Zunächst liegt es nahe, einfach zur anderen, günstigeren Versicherung zu wechseln, wie das beispielsweise Kunden auch häufiger bei Stromanbietern tun. Allerdings sollten Sie dabei unbedingt Ihre Altersrückstellungen berücksichtigen. Das sind Rücklagen, die aus einem Teil Ihrer Beiträge gebildet werden. Sie dienen dazu, den monatlichen Beitrag im Alter konstant zu halten, um einer zu hohen finanziellen Belastung im Rentenalter entgegenzuwirken. Bei einem Wechsel zu einer anderen Versicherung verlieren Sie diese Altersrückstellungen unter Umständen, da Sie in der Regel einen hohen Abschlag zahlen müssen. Wechseln Sie in die gesetzliche Krankenversicherung, verlieren Sie das Geld ganz. Im Falle der privaten Krankenversicherung ist also eine Tarifoptimierung beim gleichen Anbieter einem Wechsel der Krankenversicherung vorzuziehen.

PKV-Tarifwechsel: Das sagt das Gesetz

Als Privatversicherter schadet es nicht, über die Gesetzeslage Bescheid zu wissen, denn viele Krankenkassen versuchen zunächst, einen wechselwilligen Versicherten von seinem Vorhaben abzuhalten, beispielsweise indem sie eine erneute Gesundheitsprüfung verlangen oder indem sie einen günstigeren Tarif anbieten, der allerdings deutlich weniger Leistung beinhaltet. Dabei steht es Privatversicherten laut Paragraf 204 des Versicherungsvertragsgesetzes zu, in einen Tarif zu wechseln, der gleichartigen Versicherungsschutz bietet. „Gleichartig“ bedeutet zwar nicht „komplett gleichwertig“ – allerdings muss der neue Tarif die wesentlichen Leistungen enthalten, die auch beim alten Tarif vertraglich festgehalten waren. Es zahlt sich also aus, auf dem eigenen Recht zu beharren.

Möchten Sie zu einem gleichwertigen Tarif oder einem mit geringeren Leistungen wechseln, sind Sie an keine besonderen Fristen gebunden. Möchten Sie aber zum Beispiel weniger Selbstbeteiligung, also mehr Leistungen beanspruchen als zuvor, hat der Versicherer die Möglichkeit, eine Wartezeit festzulegen, bis Sie in den neuen Tarif wechseln können. Ebenso darf er einen Risikozuschlag erheben oder Ihnen die höheren Leistungen verwehren, wenn triftige Gründe dagegensprechen.

PKV-Tarifwechsel: Das konkrete Vorgehen

Haben Sie sich dazu entschlossen, den Tarif Ihrer privaten Krankenversicherung zu wechseln, wenden Sie sich am besten schriftlich an Ihren Versicherer und bitten ihn, gemäß Paragraf 6 des Versicherungsvertragsgesetzes Tarifalternativen für Sie vorzuschlagen und die Unterschiede der einzelnen Angebote darzulegen. Geben Sie im Schreiben unbedingt Ihre Versicherungsnummer und Ihren bisherigen monatlichen Beitrag an und stellen Sie klar, dass Sie von Ihrem internen Wechselrecht Gebrauch machen und Ihren Beitrag senken möchten – nach Möglichkeit ohne die Erhöhung der Selbstbeteiligung. Bitten Sie ausdrücklich um eine schriftliche Antwort – so haben Sie die Angebote vor Augen, können sie in aller Ruhe prüfen und lassen sich zu keinen vorschnellen Zusagen hinreißen. Diesen Service können Sie kostenlos anfordern.

Tipps für eine erfolgreiche Tarifoptimierung

  1. Fristen setzen: Die Krankenversicherung hat kein Interesse daran, Ihnen dieselben Leistungen zu einem niedrigeren Preis zu bieten. Daher ziehen sich die Gespräche bezüglich einer gewünschten Tarifoptimierung oft über Monate hin. Versuchen Sie, dem entgegenzuwirken, indem Sie bereits im Eingangsschreiben eine Frist von beispielsweise 14 Tagen setzen, innerhalb der Ihr Versicherer Ihnen Rückmeldung geben soll. Kommt es dennoch zu Verzögerungen, können Sie unter Umständen eine rückwirkende Anpassung Ihrer Prämie erwirken.
  2. Selbstbeteiligung regulieren: Selbst wenn Sie sich für die Erhöhung Ihres Selbstbehalts entscheiden: Achten Sie darauf, dass Sie sich finanziell nicht übernehmen und denken Sie perspektivisch. Es ist also ratsam, die Selbstbeteiligungsrate trotz der Beitragsersparnis nur moderat zu erhöhen. So stellen Sie sicher, dass Sie auch im Alter dafür aufkommen können.
  3. Hilfe holen: Wenn Sie sich nicht zutrauen, die vorgeschlagenen Tarife mit Ihrem bisherigen zu vergleichen, können Sie sich Unterstützung von einem Versicherungsberater holen. Dieser verlangt zwar ein Honorar für seine Dienste, berät Sie allerdings im Gegensatz zu Ihrem zuständigen Versicherungsvertreter objektiv. Auch Tarifwechselservices sind eine Möglichkeit, Ihr Vorhaben in professionelle Hände zu geben. Auch hier empfiehlt es sich, etwas Zeit in die Suche nach einem vertrauensvollen und fairen Anbieter zu investieren.