Als Wildunfall bezeichnet man einen Verkehrsunfall, an dem ein Wildtier beteiligt ist. Er kann durch die Kollision mit dem Tier selbst ausgelöst werden, oder aber durch ein Ausweichmanöver, das notwendig geworden ist, um eben diese Kollision zu verhindern. In beiden Fällen spricht man von einem Wildunfall. Die meisten Menschen beschleicht eine diffuse Angst, wenn sie sich vorstellen, dass ihnen in der Dämmerung ein Wildtier vor das Auto läuft. Immer wieder liest man in der Zeitung von Wildunfällen oder sieht die Folgen davon in Fernsehberichten. Häufig gehen diese Unfälle schlimm aus und Menschen kommen zu Schaden oder sogar zu Tode.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten Wildunfälle geschehen in Deutschland und Europa mit Rehwild, Damwild, Rotwild und Schwarzwild.
  • Im sogenannten Jagdjahr 2011/2012, das nach den Regularien des DJV jeweils von April bis März dauert, wurden ca. 194.000 Wildunfälle registriert.
  • Für Versicherungen ist es schwierig, Wildunfälle korrekt zu dokumentieren.

Wildunfälle in Zahlen

Die meisten Wildunfälle geschehen in Deutschland und Europa mit Rehwild, Damwild, Rotwild und Schwarzwild. Auch Füchse und Hasen verursachen häufig Wildunfälle. Für die Erstellung entsprechender Statistiken über die Häufigkeit solcher Unfälle in Deutschland zeichnet sich der Deutsche Jagdverband (DJV) verantwortlich. Allerdings werden hierbei nur die durch polizeiliche Unfallaufnahme dokumentierten Fälle berücksichtigt. Da viele Wildunfälle jedoch nicht von der Polizei bzw. dem zuständigen Revierförster oder Jäger aufgenommen werden, rechnet der Deutsche Jagdverband damit, dass die tatsächliche Zahl von Wildunfällen in Deutschland etwa viermal so hoch liegt, wie die von ihm erhobenen Zahlen.

Im sogenannten Jagdjahr 2011/2012, das nach den Regularien des DJV jeweils von April bis März dauert, wurden ca. 194.000 Wildunfälle registriert. Der größte Teil dieser Unfälle (über 170.000) entfällt dabei auf das Rehwild, etwa 17.000 Fälle resultieren aus Unfällen mit Wildschweinen. Die Zahlen der Unfälle mit Damwild und Rotwild sind dagegen fast schon verschwindend gering.

Während der deutsche Jagdverband lediglich die Anzahl der Tiere dokumentiert, die in Wildunfälle verwickelt sind, erhebt der ADAC auch Studien über zu Schaden gekommene Menschen im Rahmen von Wildunfällen. Daraus geht hervor, dass im Jahr 2006 etwa 2.800 Menschen bei Wildunfällen verletzt wurden. Außerdem sind zehn Tote zu beklagen. Das Statistische Bundesamt kann diesbezüglich keine konkreten Zahlen liefern, da hier insgesamt weniger als zwei Prozent aller Wildunfälle registriert werden. Auch eine Differenzierung nach Art und Schwere der Verletzung oder der Gattung des Tieres ist hierbei nicht möglich.

Wildunfälle in versicherungsrelevanter Hinsicht

Für Versicherungen ist es schwierig, Wildunfälle korrekt zu dokumentieren. Dies liegt vor allem daran, dass Fahrzeughalter, die keine Kaskoversicherung abgeschlossen haben, den Schaden von Wildunfällen von der Haftpflichtversicherung nicht ersetzt bekommen. Somit liegen keine verlässlichen Zahlen über die Gesamtzahl der Wildunfälle seitens der Versicherer vor. Man schätzt jedoch, dass im Jahr 2009 knapp 50.000 Schäden infolge von Wildunfällen durch die Versicherer reguliert wurden, wodurch ein Schadenaufwand von insgesamt rund 518 Millionen Euro entstand.

Versicherungsschutz durch die Teilkaskoversicherung

Fahrzeugschäden, die aus einem Zusammenstoß mit Haarwild resultieren, sind von der Teilkaskoversicherung abgedeckt - vorausgesetzt das Fahrzeug befindet sich beim Zusammenstoß in Bewegung. Fällt ein totes Tier auf ein stehendes Fahrzeug und verursacht so einen Schaden, tritt die Vollkaskoversicherung ein. Die Vollkaskoversicherung bietet auch für durch Ausweichmanöver entstandene Schäden Versicherungsschutz.

Haarwild

Im Sinne des Bundesjagdschutzgesetzes umfasst der Begriff Haarwild folgende Tierarten:

  • Wisent
  • Elchwild
  • Rotwild
  • Damwild
  • Sikawild
  • Rehwild
  • Gamswild
  • Steinwild
  • Muffelwild
  • Schwarzwild
  • Feldhase
  • Schneehase
  • Wildkaninchen
  • Murmeltier
  • Wildkatze
  • Luchs
  • Fuchs
  • Steinmarder
  • Baummarder
  • Iltis
  • Hermelin
  • Mauswiesel
  • Dachs
  • Fischotter
  • Seehund

Wildvögel fallen nicht in die Kategorie „Haarwild“.

Wissenswertes zum Ablauf von Wildunfällen

Zunächst einmal ist es für Autofahrer wichtig zu wissen, wann und wo im Straßenverkehr eine besondere Gefahr für Wildunfälle besteht. Insbesondere in der Morgen- und der Abenddämmerung sowie im Frühjahr und im Herbst besteht eine erhöhte Gefahr für Wildunfälle, besonders an Stellen, wo oft Wildwechsel stattfindet. Dies sind beispielsweise Waldränder oder auch Stellen auf Landstraßen, die durch Naturschutzgebiete führen. An solchen Gefahrenpunkten befinden sich häufig Schilder mit dem Hinweis auf Wildwechsel, welche den Autofahrer zum Drosseln der Geschwindigkeit seines Fahrzeugs animieren sollen.

Bei Dämmerung oder Dunkelheit wird Wild insbesondere vom Lichtkegel der Scheinwerfer des Fahrzeugs angezogen. Es empfiehlt sich daher, an gefährdeten Stellen möglichst nicht mit Fernlicht zu fahren und erhöhte Aufmerksamkeit walten zu lassen.

Empfohlenes Verhalten bei Wildunfällen

Kollisionen mit Wildtieren können fatale Folgen haben. So prallt beispielsweise ein Rehbock bei einer Fahrgeschwindigkeit von nur 60 km/h mit etwa einer Tonne Gewicht auf das Fahrzeug auf, falls es der Fahrer nicht schafft, vorher entsprechend abzubremsen. Noch extremer sieht es bei der Kollision mit einem Wildschwein aus. Bei gleicher Fahrgeschwindigkeit hat dieses Tier beim Aufprall auf das Fahrzeug etwa das Gewicht eines ausgewachsenen Nashorns.

Ein Problem ergibt sich bei vielen Wildunfällen nicht durch das Wildtier selbst, sondern durch ein eingeleitetes Ausweichmanöver des Autofahrers. Kollisionen mit Bäumen, Fahrzeugüberschläge etc. kommen in diesem Zusammenhang häufig vor. Experten empfehlen daher, bei der unvermeidlichen Kollision mit einem Wildtier keinen Ausweichversuch zu unternehmen, sondern das Lenkrad festzuhalten und möglichst stark abzubremsen. Das Fahrzeug soll also unter allen Umständen auf der Straße gehalten werden.