Zuletzt wurden laut Zahlen des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft jedes Jahr knapp 20.000 kaskoversicherte Pkw gestohlen. Nicht nur für Autohalter entstehen so riesige Verluste – die Schäden für Versicherer liegen über 250 Millionen Euro. Wer den Diebstahl oder eine ungewünschte Inbetriebnahme seines Autos verhindern möchte, kann auf verschiedene Arten der Wegfahrsperre setzen: die elektronische oder die mechanische Wegfahrsperre.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die elektronische Wegfahrsperre ist der gängige Diebstahlschutz bei PKW.
  • Die Ausstattung mit einer mechanischen Wegfahrsperre ist für Fahrzeuge nicht gesetzlich vorgeschrieben.
  • Ein Vorteil der mechanischen Wegfahrsperren ist die gute Sichtbarkeit, welche mögliche Amateurdiebe abschrecken kann.

Die elektronische Wegfahrsperre

Die elektronische Wegfahrsperre ist der gängige Diebstahlschutz bei PKW. Sie ist seit 1998 gesetzlich vorgeschrieben und wird von den Autoherstellern serienmäßig verbaut. In der Regel verringert eine fehlende elektronische Wegfahrsperre – etwa bei älteren Automodellen – die Leistungen der Versicherung.

Eine elektronische Wegfahrsperre aktiviert sich automatisch, wenn beim Abschalten des Wagens die Zündung ausgeschaltet wird. Nur mit dem vorgesehenen Schlüssel kann der Fahrer das Auto dann wieder bewegen. Dabei ist im Schlüssel ein codierter Chip angebracht. Der Code wird durch eine am Zündschloss angebrachte Antennenspule an die elektronische Steuereinheit weitergeleitet. Dort wird schließlich kontrolliert, ob es sich bei dem benutzten Schlüssel um das Original handelt oder ob der Schlüssel gefälscht wurde.

Mechanische und unfreiwillige Wegfahrsperren

Die Ausstattung mit einer mechanischen Wegfahrsperre ist – im Gegensatz zur elektronischen – für Fahrzeuge nicht gesetzlich vorgeschrieben. Einige Fahrzeugführer möchten sich jedoch zusätzlich mit einer mechanischen Wegfahrsperre absichern. Hierbei kann auf drei verschiedene Sperrarten zurückgegriffen werden:

Die Lenkradkralle ist unter diesen die kostengünstigste Sicherung. Es handelt sich dabei um eine Stange, die mit einem Schloss stabil am Lenkrad befestigt wird und entweder an die Seitenwand des Kraftfahrzeugs oder an das Bremspedal stößt. Somit ist die Beweglichkeit des Lenkrads entscheidend blockiert.

Eine weitere mechanische Wegfahrsperre ist die Parkkralle. Sie ähnelt in ihrer Systematik der Lenkradkralle – mit dem Unterschied der Befestigung am Autoreifen. Dadurch werden die Räder so blockiert, dass das Fahrzeug nicht losfahren kann.

Auch Gangschaltungssperren, Bear-Lock genannt, sind mechanische Wegfahrsperren. Dabei montiert man die Sperre in der Mittelkonsole des Fahrzeugs: Durch das Einschieben von Stahlbolzen wird die Schaltung blockiert und das Auto kann nicht losfahren. Auch bei Automatikautos funktioniert dieses Prinzip im P (Parken)-Modus.

Sogenannte unfreiwillige Wegfahrsperren kommen vor allem behördlich zum Einsatz. Dabei wird ein Ventilwächter an den Reifen angebracht, welcher durch die Zentrifugalkraft bewirkt, dass der Reifen nach einigen hundert Metern die Luft verliert. Somit kann das Auto nicht weitergefahren werden. Diese Art der Wegfahrsperre wird zum Beispiel von Stadtverwaltungen eingesetzt, um Schuldner dazu zu bringen, fehlende Rechnungen zu begleichen.

Zur Sicherheit einer Wegfahrsperre

Leider sind Autofahrer mit einer Wegfahrsperre nicht automatisch auf der sicheren Seite. Professionelle Autodiebe finden schnell Möglichkeiten, die verschiedenen Systeme zu überwinden. Daher stehen Autoindustrie und Sicherheitstechnik vor der Herausforderung, neue Mechanismen zu entwickeln, die zuverlässigen Schutz vor einem Autodiebstahl bieten.

Ein Vorteil der mechanischen Wegfahrsperren ist jedoch nicht von der Hand zu weisen: Durch ihre gute Sichtbarkeit schrecken sie mögliche Amateurdiebe vor einem Raub ab. Nachteilig fallen dagegen Anschaffungskosten und die Praxisuntauglichkeit ins Gewicht: Denn bei jeder Benutzung des Autos muss die Sperre zunächst von Hand entfernt werden. Autobesitzer sollten daher den Einsatz einer mechanischen Diebstahlsicherung individuell abwägen.

Wer im Übrigen auf den Schutz einer Kaskoversicherung verzichtet, muss im Falle eines Diebstahls den Schaden ganz alleine tragen.