Ältere Autofahrer und Besitzer von Oldtimern kennen noch das Gefühl, ohne Servolenkung einparken zu müssen. Was heute Standard ist, war vor drei Jahrzehnten noch nicht bei allen Autos Serie – die Servolenkung. Gerade bei größeren Fahrzeugen fiel das Einparken bei fast stehenden Rädern zur Kraftprobe aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Patente für die Servolenkung gab es bereits 1926.
  • Durchbruch kam erst durch den zweiten Weltkrieg mit schweren Fahrzeugen.
  • Erster Pkw mit Servo kam 1951 von Chrysler auf den Markt.
  • Sowohl die hydraulische Servolenkungals auch die elektrische Servolenkung stellen bei Fehlfunktionen Herausforderungen an die Werkstatt dar.

Die Geschichte der Servolenkung

Bereits im Jahr 1926 stellte der US-amerikanische Ingenieur Francis W. Davis die erste Servolenkung vor und meldete das Patent darauf an. Bei seinen Arbeitgebern, unterschiedlichen Autoherstellern, traf seine Erfindung allerdings auf wenig Gegenliebe. Die Herstellungskosten fielen der amerikanischen Autowirtschaft zu hoch aus. Es war der zweite Weltkrieg, der zu einem Umdenken führte. Die schweren, teilweise gepanzerten Fahrzeuge, sollten leichter zu bewegen und zu lenken sein.

Chrysler stellte im Jahr 1951 den ersten Personenkraftwagen mit Servolenkung vor, den Chrysler Imperial. Zynischer Weise basierte die Lösung auf den ausgelaufenen Patenten von Davis. General Motors, einstmals Arbeitgeber von Davis, nutzte 1952 die ausgelaufenen Patente, um einige der Cadillac Modelle mit Servolenkung auszustatten. Die Verbreitung der Lenkunterstützung war von da an nur noch eine Frage der Zeit, da immer größere Autos und breitere Reifen den Lenkwiederstand erhöhten und damit der Bedarf an Komfort stieg.

Die Funktionsweise der Servolenkung

Für die Lenkkraftunterstützung stehen zwei Umsetzungsmöglichkeiten zur Verfügung. Bei der hydraulischen Servolenkung läuft durch eine Pumpe permanent Öl durch eine Leitung, ohne, dass großer Druck im Spiel ist. Erst wenn das Lenkrad eingeschlagen wird, fließt Öl in den Arbeitsraum der Lenkung und kann nicht wieder abfließen. Das größte Volumen wird eingeleitet, wenn die Lenkung bei stehenden Rädern eingeschlagen wird. Ist die Lenkung wieder auf „Geradeauskurs“ eingestellt, fließt das Öl wieder in den Kreislauf zurück. Der Nachteil der hydraulischen Servolenkung liegt im Verschleiß der Dichtringe, aus als Simmerringe bekannt. Seitens der Hersteller sind Reparaturen an der Servoanlage nicht vorgesehen. Als Konsequenz muss in diesem Fall das gesamte Lenkgetriebe ersetzt werden. Ärgerlich für den Autobesitzer ist der Umstand, dass in diesem Fall keine Versicherung, weder Teilkasko- noch Vollkaskoversicherung greift.

Die elektronische Servolenkung

Die Alternative zur hydraulischen Servolenkung bietet die elektronische Lenkkraftunterstützung. Der elektrische Antrieb greift nur, wenn eine Lenkbewegung ausgeführt wird. Auch wenn die Pumpe bei der Hydraulik kaum Strom und damit kaum Benzin verbraucht, liegt die Kraftstoffeinsparung bei der elektrischen Lösung bei rund 0,25 Liter auf 100 Kilometer. Problematisch ist bei einem Ausfall der elektrischen Servo die Fehlersuche. Ein Ausfall muss nicht unbedingt auf ein defektes Bauteil zurückzuführen sein, sondern kann auch aus einem Fehler in der Programmierung resultieren.

Die Servolenkung muss generell so ausgelegt sein, dass das Fahrzeug auch bei einem Totalausfall weiterhin lenkfähig ist. Dieser Umstand ist, wenn auch mit sehr viel größerem Kraftaufwand, generell gegeben. LKWs und Busse sind, um eine Manövrierfähigkeit sicherzustellen, mit zwei getrennten Systemen ausgestattet, um einen Totalausfall zu vermeiden.

Auf den Beitrag zur Kfz-Versicherung hat es keinerlei Einfluss, ob das Fahrzeug mit einer Servolenkung ausgestattet ist oder nicht. Schäden an der Servolenkung werden nur erstattet, wenn sie aus einem Unfall heraus resultieren und der Halte bei eigenem Verschulden eine Vollkaskoversicherung besitzt.