Der Begriff Maut bezeichnet eine Gebühr für die Nutzung von Bauwerken, beispielsweise von Autobahnen, Tunneln und Brücken. Der Begriff stammt vom gotischen „mota“ ab, was so viel wie Zoll bedeutet. Bereits im 11. Jahrhundert wurden mithilfe der Maut Straßenbauten finanziert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Straßenbenutzungsgebühr soll einerseits die Finanzierung der bestehenden oder auch zukünftigen Straßeninfrastruktur ermöglichen.
  • Bei der sogenannten zugangsbezogenen Gebühr erwirbt man mit der Zahlung der Maut per Vignette.
  • Das Unternehmen Toll Collect GmbH wurde von der Bundesregierung beauftragt, das System zur Einnahme der LKW-Maut auf Deutschlands Autobahnen zu betreiben.

Was soll mit der Maut erreicht werden?

Mit einer Straßenbenutzungsgebühr sollen einerseits die Finanzierung der bestehenden oder auch zukünftigen Straßeninfrastruktur ermöglicht und andererseits öffentliche Haushalte finanziell unterstützt werden. Doch es sprechen noch weitere Aspekte für die Einführung einer Maut. So verspricht man sich von der Einführung einer Gebühr für Autofahrer, das Verkehrsaufkommen beeinflussen zu können, Staus zu vermeiden und damit nicht zuletzt auch die Umwelt zu schützen.

Die zwei Prinzipien der Mautberechnung

Zwei unterschiedliche Wege der Mautberechnung haben sich etabliert. Bei der sogenannten zugangsbezogenen Gebühr erwirbt man mit der Zahlung der Maut per Vignette das Recht, bestimmte Straßen, Tunnel oder Brücken zu befahren. Diese Form der Maut ist normalerweise zeitlich beschränkt. Die Abrechnung und Kontrolle ist verhältnismäßig einfach. Anders verhält es sich bei der nutzungsabhängigen Gebühr, die der Mautpflichtige bei der Nutzung der Straße, der Brücke oder des Tunnels zu entrichten hat. Die Zahlung der Gebühr erfolgt in der Regel an einer Mautstelle. Wie hoch der zu zahlende Betrag ist, richtet sich häufig nach den Eigenschaften des Fahrzeugs, also der Größe, der Länge oder dem Gewicht. In den meisten Fällen wird zwischen einer PKW- und einer LKW-Maut unterschieden. Der Betrag kann jedoch auch zeitlich variieren. So ist die zu entrichtende Gebühr im Berufsverkehr oftmals höher als außerhalb der Stoßzeiten.

Der Umwelt zuliebe – Die Innenstadtmaut

In den europäischen Großstädten ist das Verkehrsaufkommen enorm, nicht selten bewegen sich die Menschen unter einer Smogwolke durch die Straßen, die Feinstaubwerte schnellen in die Höhe, mit allen gesundheitlichen Konsequenzen für die Stadtbewohner. Um die Lebensqualität der Bevölkerung zu erhöhen, haben einige europäische Städte eine sogenannte Innenstadtmaut eingeführt.

Das norwegische Bergen hat als erste Stadt Europas im Jahr 1985 eine Innenstadtmaut eingeführt. Wer mit seinem Fahrzeug in die Innenstadt fahren will, muss eine Gebühr von 25 Kronen – etwa 3 Euro – entrichten. Norwegens Hauptstadt Oslo zog 1990 mit einer Innenstadtmaut nach.

In Europas größter Metropole London wurde im Februar 2003 eine „Staugebühr“ (London Congestion Charge) für ein 38 Quadratmeter großes Gebiet im Stadtzentrum eingeführt. Aktuell ist an den Werktagen in der Zeit von 7 Uhr bis 18 Uhr für die Einfahrt in dieses Gebiet eine Gebühr von 10 Pfund zu entrichten. Die Gebühr wird nur ein Mal pro Tag fällig, wer also einmal bezahlt hat, muss für weitere Durchfahrten nichts bezahlen. Obwohl es zahlreiche Ausnahmeregelungen und Gebührenbefreiungen gibt, war die Einführung der „Staugebühr“ von einem durchschlagenden Erfolg gekennzeichnet. Bereits in den ersten sechs Monaten ist der Verkehr innerhalb der Zone um etwa 15 Prozent zurückgegangen. Anfang 2007 wurde der Gebührenring um die westlichen Stadtteile Kensington, Chelsea und Knightsbridge erweitert, das mautpflichtige Stadtgebiet hat sich damit flächenmäßig verdoppelt.

Auch in Stockholm, Bologna, Mailand und Rom wurden in den Folgejahren Gebühren für die Einfahrt in die Innenstädte eingeführt, in einigen anderen Städten wie Wien, Prag und Budapest ist es bisher bei dem Vorhaben einer Innenstadtmaut geblieben.

Keine Innenstadtmaut, dafür Umweltzonen

Mit der „Thematischen Strategie zur Luftreinhaltung“ der EU wurde im Jahr 2005 auch in Deutschland die Diskussion über die Einführung einer City-Maut in mehreren deutschen Großstädten entfacht.

Allerdings setzte sich hierzulande inzwischen das Modell der Umweltzonen durch. Bei dieser Lösung wird nicht schadstoffarmen Fahrzeugen die Einfahrt in Innenstadtbereiche verwehrt. Darüber hinausgehende konkrete Pläne für die Einführung von Innenstadtmaut-Systemen sind vorerst zurückgestellt. Die politische Diskussion darüber besteht jedoch weiterhin.

Im Auftrag der Regierung: Toll Collect

Das Unternehmen Toll Collect GmbH wurde von der Bundesregierung beauftragt, das System zur Einnahme der LKW-Maut auf Deutschlands Autobahnen aufzubauen, zu betreiben und die fälligen Gebühren abzurechnen. Toll Collect wurde 2002 als Joint Venture der Deutschen Telekom, der Daimler AG und der französischen Cofiroute gegründet. Der für den 31. August 2003 geplante Starttermin konnte aufgrund technischer Probleme nicht eingehalten werden. Der offizielle Start – in technisch reduzierter Form – fand erst zu Beginn des Jahres 2005 statt, ein Jahr später konnte der Betrieb aber mit voller Funktionalität aufgenommen werden.

Das System Toll Collect hat aufgrund der technischen Hindernisse zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Die Planungsversäumnisse und das Missmanagement sind bisher die teuersten Fehler in der Geschichte der Softwareentwicklung.