Das Notrufsystem eCall soll nach Vorstellungen der EU-Kommission dabei helfen, die Zahl der Verkehrstoten in EU-Ländern deutlich zu reduzieren. Denn im Jahr 2015 sind in der EU etwa 26.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Das System sendet nach einem schweren Unfall automatisch einen Notruf an einen Rettungsdienst ab. Durch den Zeitgewinn verspricht sich die EU, pro Jahr 2.500 Menschenleben zu retten. Um die 10-prozentige Reduzierung der Unfalltoten zu erreichen, soll eCall in der EU ab dem 31. März 2018 in allen Neuwagen zur Pflicht werden. Zu dem Beschluss kam das EU-Parlament im April 2015.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Hauptvorteil der eCall-Technologie ist die verbesserte Reaktionsgeschwindigkeit nach einem Verkehrsunfall.
  • Die Herausforderung aus Sicht der EU war es, eine Technologie zu entwickeln und zu etablieren, die in jedem der 28 EU-Mitgliedstaaten funktioniert.
  • Kritiker befürchten, dass eCall nicht nur für den Unfall relevante Informationen erstellt, sondern kontinuierlich Daten wie Bewegungsprofile sammelt.

Schnelle Informationsübermittlung bedeutet schnelle Hilfe vor Ort

Der Hauptvorteil der eCall-Technologie ist die verbesserte Reaktionsgeschwindigkeit nach einem Verkehrsunfall. Nach Schätzungen von Experten der EU-Kommission kann durch das automatische Auslösen des Alarms die Reaktionszeit der Rettungskräfte in städtischen Gebieten um bis zu 40 Prozent verringert werden – in ländlichen Gegenden sogar um 50 Prozent. Hilfskräfte erhalten dadurch zeitnah Informationen über den exakten Unfallort und können schnellstmöglich Rettungsmaßnahmen in die Wege leiten. Darüber hinaus übermittelt eCall selbstständig weitere erforderlichen Rettungsdaten wie beispielsweise Rettungskarten. Die Notrufzentrale kann zudem mit den Insassen oder Unfallbeteiligten sprechen, um zusätzliche Informationen über die Unfalllage zu erfahren.

eCall funktioniert in jedem EU-Land

Die Herausforderung aus Sicht der EU war es, eine Technologie zu entwickeln und zu etablieren, die in jedem der 28 EU-Mitgliedstaaten funktioniert. Grundvoraussetzung dafür ist, dass es eine europaweit einheitliche Notfallnummer (112) gibt. Neben eCall gibt es auf dem Markt bereits einige andere Varianten von Automobil-Herstellern. Das erste System entwickelte die Opel-Mutter General Motors 1996 unter dem Namen Onstar. Vergleichbare Systeme bieten Ford und Mercedes-Benz an. Bei eCall handelt es sich jedoch um ein standardisiertes Notrufsystem, das überall funktioniert – unabhängig vom Standort und möglichen Sprachproblemen.

Sofortmaßnahmen dank jeder Menge Technik an Bord

Damit eCall technisch einwandfrei funktioniert, haben verschiedene Hersteller an der Entwicklung gearbeitet. Wenn es zu einem schweren Unfall kommt, sendet das System selbstständig einen Notruf an die Europa-Rufnummer 112. eCall ist an verschiedene Crash-Sensoren sowie Sicherheitstechniken des Fahrzeugs gekoppelt. Dadurch wird sichergestellt, dass der Alarm nur bei schwerwiegenden Unfällen und nicht schon bei leichten Auffahrunfällen ausschlägt. Das System setzt dann Datensätze wie Standortkoordinaten, Zeitpunkt und Fahrtrichtung an eine Notrufzentrale ab. Vor allem die Fahrtrichtung ist bei Unfällen auf Autobahnen oder in Tunneln von großer Bedeutung.

eCall lässt sich auch manuell auslösen

Alternativ können auch die Insassen das Notrufsystem auslösen. Dazu muss eine Person einen entsprechenden Knopf drücken. Diese Möglichkeit ist für verletzte Personen, die noch bei Bewusstsein sind, und für Unfallzeugen vorgesehen. Bei manueller und automatischer Auslösung des Alarms baut eCall eine Sprachverbindung zwischen nächstgelegener Rettungsleitstelle und Fahrzeug auf.

Was kann eCall leisten?

Folgende technische Ausstattung gewährleistet eine vollumfängliche Funktionsfähigkeit:

  • GPS-Empfänger: Das Global Positioning System liefert zum Unfallzeitpunkt die genaue Fahrzeugposition.
  • GSM-Antenne: Das Global System for Mobile Communications sendet einen Notruf an die nächstgelegene Notrufzentrale.
  • Steuergerät: Das elektronische Kontrollmodul meldet im Notfall die Koordinaten des Standorts über eine Mobilfunk-Einheit an die Rettungsleitstelle.
  • Crash-Sensor: Diese erkennen die Art und Schwere des jeweiligen Unfalls.
  • Lautsprecher/Mikrofon: Dadurch können Informationen zwischen Fahrzeug und Notrufzentrale ausgetauscht werden.
  • Notstromaggregat: Sollte der Unfall die Autobatterie funktionsuntüchtig gemacht haben, liefert eine Notstromversorgung die für das Notrufsystem erforderliche Energie.
  • Datenbank: In diesem Speicher befinden sich alle Rettungskarten sowie weitere Daten. Dazu gehört etwa die Fahrgestellnummer (VIN) oder die Art des Treibstoffs.

Datenschutz: eCall darf nur im Notfall Daten übermitteln

Kritiker befürchten, dass eCall nicht nur für den Unfall relevante Informationen erstellt, sondern kontinuierlich Daten wie Bewegungsprofile sammelt. Dem widerspricht die EU jedoch. Es gelten die Bestimmungen der deutschen und europäischen Datenschutzgesetze. Die EU beschreibt eCall als ein sogenanntes “schlafendes System“. Informationen werden also erst dann weitergeleitet, wenn sich tatsächlich ein Unfall ereignet hat. Eine Nachverfolgung von Fahrzeugen sei nicht möglich. Die Übermittlung der Daten ist nur im Notfall gestattet und eine Weitergabe an Dritte (zum Beispiel Versicherungen, wie bei Telematik-Tarifen) ausgeschlossen. Jeder Autofahrer muss zudem vor der ersten Nutzung des Systems ausdrücklich zustimmen, dass er mit der Datenübermittlung einverstanden ist.