Wie wäre es, wenn sich morgens das Auto vom Parkplatz selbst vor die Tür fahren und auf seine Passagiere warten würde? Wenn man sich während der Fahrt schon um die ersten Nachrichten des Tages kümmern oder einfach noch einmal die Augen schließen könnte? Und man, am Zielort angekommen, einfach aussteigt und das Auto sich selbst einen passenden Parkplatz suchen lässt? Ein Überblick.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Definition: Was bedeutet „autonomes Fahren“?
  3. Welche Potenziale ergeben sich durch das autonome Fahren?
  4. Die Stufen des autonomen Fahrens
  5. Technische Herausforderungen des autonomen Fahrens
  6. Autonomes Fahren und Recht: Was sagt das Gesetz?
  7. Autonomes Fahren und Kfz-Versicherung: Wer haftet bei einem Unfall?
  8. Autonomes Fahren zieht ethische Fragen nach sich
  9. Selbstfahrende Autos, Busse und Lastkraftwagen bereits im Probebetrieb unterwegs
  10. Verwandte Themen
  11. Weiterführende Links
  12. Kfz-Versicherungen vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Autonomes Fahren bedeutet, dass sich ein Fahrzeug komplett selbständig im Straßenverkehr fortbewegt.
  • Fahrzeuge lassen sich in sechs Autonomiegrade (Stufe 0 bis 5) unterteilen, die den Beteiligungsgrad des Fahrers angeben.
  • Seit 2017 dürfen hochautomatisierte Fahrsysteme in Deutschland auf bestimmten Streckenabschnitten bereits genutzt werden.
  • Nach dem Willen des Gesetzgebers sollen bereits 2022 die ersten Fahrzeuge mit autonomen Fahrfunktionen auf deutschen Straßen rollen.

Definition: Was bedeutet „autonomes Fahren“?

Autonomes Fahren bezeichnet die vollständig automatisierte Fortbewegung eines Fahrzeugs, eines fahrerlosen Transportsystems oder eines mobilen Roboters – also selbstfahrende Vehikel, die sich komplett autonom verhalten. Das heißt, das Fahrzeug bewegt sich selbstständig zielgerichtet durch den Verkehr, wodurch der Fahrer zum Passagier wird. Eine Vorstufe stellt das automatisierte Fahren dar. Dabei handelt es sich um Assistenzsysteme und teilautomatisierte Systeme, die einzelne Funktionen – etwa die Beschleunigung, Bremse oder Lenkung – steuern, den Fahrer jedoch nur unterstützen und nicht ersetzen. Ein typisches Beispiel für ein derartiges System stellen Spurwechsel-Assistenten dar.

Welche Potenziale ergeben sich durch das autonome Fahren?

Selbstfahrende Autos könnten das Leben in vielerlei Hinsicht komfortabler machen. Durch das autonome Fahren eröffnet sich beispielsweise die Möglichkeit, ältere und oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen besser in das gesellschaftliche Leben einzubinden. Darüber hinaus kann die Technologie dazu beitragen, flüssigere Verkehrsabläufe zu gewährleisten und den Güterverkehr zu rationalisieren beziehungsweise umweltschonender zu gestalten.

Ein steigender Automatisierungsgrad führt zudem zu sinkenden Unfallzahlen. Schließlich gehen circa 90 Prozent aller Verkehrsunfälle auf menschliches Versagen zurück. Allerdings lässt sich dieses Potenzial erst dann vollständig ausschöpfen, wenn automatisierte beziehungsweise autonome Fahrzeuge den Straßenverkehr dominieren. Da zunächst von einem Mischverkehr auszugehen ist, dürfte diese Entwicklung noch viele Jahre in Anspruch nehmen.

Die Stufen des autonomen Fahrens

Die amerikanische Society of Automotive Engineers (SAE) hat autonomes Fahren in sechs Stufen (auch als „Levels“ bezeichnet) eingeteilt, welche die Beteiligung des Fahrers definieren. Diese Klassifizierung hat sich auch im europäischen Raum durchgesetzt. Die nachfolgende Liste erläutert die Bedeutung der einzelnen Stufen:

  • Autonomiestufe 0 – Keine Automation: Der Fahrer beschleunigt, lenkt und bremst ausschließlich selbst.
  • Autonomiestufe 1 – Assistiertes Fahren: Der Fahrer beherrscht sein Fahrzeug durchgängig in Eigenregie, erhält jedoch Unterstützung durch Assistenzsysteme wie das Antiblockiersystem (ABS), das Elektronische Stabilitätsprogramm (EPS) oder einen Tempomaten.
  • Autonomiestufe 2 – Teilautomatisiertes Fahren: Das Fahrzeug führt einzelne Aufgaben beziehungsweise Funktionen zeitweise komplett in Eigenregie aus. Ein teilautomatisiertes Auto kann unter definierten Bedingungen beispielsweise die Spur halten, bremsen und beschleunigen. Weitere typische Beispiele für Level-2-Funktionen sind der Spurwechselassistent und das automatische Einparken. Der Fahrer trägt dennoch die alleinige Verantwortung, muss die Assistenzsysteme also jederzeit überwachen und gegebenenfalls eingreifen.
  • Autonomiestufe 3 – Hochautomatisiertes Fahren: In vom Autohersteller vordefinierten Anwendungsfällen fährt der Pkw selbstständig. Der Fahrer muss das System nicht kontinuierlich überwachen und darf sich zeitweilig vom Verkehr abwenden. Besteht die Notwendigkeit, fordert das System den Fahrer auf, die Kontrolle zu übernehmen. Der Fahrzeugführer haftet nur dann, wenn er der Anweisung nicht nachkommt.
  • Autonomiestufe 4 – Vollautomatisiertes Fahren: Auf bestimmten Strecken fährt das Fahrzeug völlig selbstständig, wodurch der Fahrer zum Passagier wird und beispielsweise schlafen, telefonieren oder eine Zeitung lesen darf. Das System erkennt Gefahren früh genug, um rechtzeitig reagieren zu können. Daher ist es Level-4-Fahrzeugen erlaubt, sich auf vorgegebenen Streckenabschnitten auch ohne Insassen fortzubewegen.
  • Autonomiestufe 5 – Autonomes Fahren: Level-5-Fahrzeuge agieren vollkommen autonom, selbst in komplexen Verkehrssituationen. Passagiere müssen lediglich das Ziel festlegen und das System starten. Abgesehen davon besteht keine Notwendigkeit – und da die Fahrzeuge weder über ein Lenkrad noch Pedale verfügen auch gar keine Möglichkeit – des Eingreifens durch den Fahrer. Im Falle eines Unfalls oder Verkehrsverstoßes haften nicht die Passagiere, sondern die Hersteller beziehungsweise Betreiber oder die Versicherungsgesellschaften.

Technische Herausforderungen des autonomen Fahrens

Das autonome Fahren wird durch ein Zusammenspiel von Mikroprozessorsystemen, Sensoren und Aktoren (antriebstechnische Baueinheiten) möglich. Die wesentliche Herausforderung besteht darin, dass die unterschiedlichen Elemente nicht nur einzeln zuverlässig arbeiten müssen, sondern auch im Verbund. Um einen Totalausfall der Systeme zu vermeiden, sind Versuchsfahrzeuge in der Regel mit zwei Kabelsätzen ausgestattet. Welche Technik aktuell zum Einsatz kommt, zeigt die folgende Übersicht auf:

  • Videokameras erfassen die Umgebung – also die Straße, Verkehrszeichen und andere Verkehrsteilnehmer. Darüber hinaus unterstützen sie das System bei der Einschätzung der Entfernung von Objekten. In der Regel verfügen autonome Fahrzeuge über fünf Außenkameras, eine an jeder Seite und eine auf dem Dach. Je nach Modell ist außerdem eine Kamera vorhanden, die die Aktivitäten des Fahrers überwacht.
  • An verschiedenen Stellen am Auto angebrachte Radarsensoren messen den Abstand zu anderen Fahrzeugen, weiteren Verkehrsteilnehmern und Objekten des näheren Umfelds. Auf dem Dach finden außerdem sogenannte Lidar-Sensoren Verwendung, die mit Laserstrahlen arbeiten und daher eine höhere Reichweite (bis zu 200 Meter) besitzen.
  • Das GPS-System dient der exakten Ortung des Fahrzeugs.
  • Mobilfunk oder WLAN ermöglichen es dem Auto, Informationen mit anderen Fahrzeugen auszutauschen. Das gestattet es dem System, frühzeitig Kenntnis über möglicherweise vorhandene Hindernisse zu erlangen.

Autonomes Fahren und Recht: Was sagt das Gesetz?

Um das Potenzial der Zukunftstechnologie besser nutzen zu können, trat am 28. Juli 2021 ein neues Gesetz in Kraft, welches einen Rechtsrahmen für festgelegte Betriebsbereiche (Stufe 4) schafft. Es erlaubt den Einsatz autonomer Kraftfahrzeuge der Stufe 4 in festgelegten Betriebsbereichen im öffentlichen Straßenverkehr bundesweit. Deutschland ist damit weltweit der erste Staat, welcher Fahrzeuge ohne Fahrer im Alltag zulässt. Das Gesetz ermöglicht den Einsatz autonomer Kraftfahrzeuge für mehrere Einsatzszenarien. Dazu zählen unter anderem:

  • Busse auf einer festgelegten Route
  • Shuttle-Verkehre
  • Hub2Hub-Verkehre
  • Nachfrageorientierte Angebote in Randzeiten
  • Die Beförderung von Personen oder Gütern auf der ersten oder letzten Meile

Das Gesetz regelt mehrere Sachverhalte neu. Zum einen wird die Prüfung und das Verfahren für die Erteilung einer Betriebserlaubnis autonomer Kraftfahrzeuge durch das Kraftfahrt-Bundesamt neu geregelt. Zum anderen gelten neue Regelungen für die Pflichten der am Betrieb der autonomen Kraftfahrzeuge beteiligten Personen und für die Datenverarbeitung beim Betrieb der entsprechenden Fahrzeuge. Zudem gelten neue technische Anforderungen an den Bau, die Beschaffenheit und die Ausrüstung der Kraftfahrzeuge mit autonomer Fahrfunktion. Des Weiteren wurden einheitliche Vorschriften zu den Möglichkeiten der Erprobung automatisierter und autonomer Kraftfahrzeuge geschafft und angepasst.

Das neue Gesetz ergänzt das am 21. Juni 2017 in Kraft getretene Gesetz vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zum automatisierten Fahren, welches festlegte, dass hierzulande automatisierte Systeme bestimmte Fahraufgaben unter gewissen Voraussetzungen bereits übernehmen dürfen.

Autonomes Fahren und Kfz-Versicherung: Wer haftet bei einem Unfall?

Das autonome Fahren wirft auch zahlreiche versicherungstechnische Fragen auf. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Haftungsfrage nach einem Unfall. Die Rechtslage ist klar: Macht der Autofahrer einen Fehler, zahlt die Versicherung den Schaden der betroffenen Person(en). Kommt es beim automatisierten oder autonomen Fahren zu einem Unfall, übernimmt die Assekuranz auch die Kosten. Geht der Schaden auf einen technischen Fehler zurück, nimmt die Versicherungsgesellschaft den Hersteller in Regress. Zukünftig dürfte sich die Haftungsfrage tendenziell in Richtung der Hersteller verschieben.

Autonomes Fahren zieht ethische Fragen nach sich

Auch mit selbstfahrenden Autos können Situationen entstehen, in denen sich ein Unfall mit Personenschäden nicht vermeiden lässt. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Entscheidung das Fahrzeug treffen soll.

Ein Beispiel dafür ist ein automatisch gelenktes Auto, welches einer Menschenmenge ausweichen muss, infolgedessen es entweder ein neunjähriges Kind oder eine 90-jährige Greisin erfassen würde. In welche Richtung das Auto in diesem Fall fahren sollte, lässt sich juristisch nicht beantworten, da jedes Leben gleich viel wert ist. Während ein Mensch in solch einer Situation instinktiv reagiert, muss bei autonomen Fahrsystemen bereits im Vorhinein festgelegt werden, wie das Vehikel sich in solch einer Situation zu verhalten hat.

Um rechtliche und ethische Fragestellungen zu beantworten, setzte die Bundesregierung im Sommer 2017 eine Ethik-Kommission ein. Die Runde erarbeitete verbindliche Leitlinien zum Thema automatisiertes beziehungsweise autonomes Fahren. Zu den Kernaussagen des Abschlussberichts gehörten unter anderem:

  • Autonomes Fahren lässt sich aus ethischer Sicht nur dann vertreten, wenn entsprechende Systeme eine positive Risikobilanz aufweisen, also weniger Unfälle verursachen als Autofahrer.
  • Der Schutz des menschlichen Lebens hat stets Priorität, weshalb Sachschäden immer vor Personenschäden gehen.
  • Im Falle einer unausweichlichen Unfallsituation ist jedwede Qualifizierung nach individuellen Merkmalen unzulässig, was ebenso für die Aufrechnung von Menschenleben gilt.
  • Automatisierte beziehungsweise autonome Systeme müssen eindeutig festlegen, wann der Mensch und wann der Computer für Fahraufgaben zuständig ist.

Selbstfahrende Autos, Busse und Lastkraftwagen bereits im Probebetrieb unterwegs

Mittlerweile gibt es auch auf deutschen Straßen bereits verschiedene Modellprojekte mit selbstfahrenden Fahrzeugen. Ein Beispiel dafür sind Lkw von DB Schenker und MAN, die Platooning nutzen, sich also über WLAN zu einer Einheit verbinden. Der Fahrer des vordersten Lkw legt die Geschwindigkeit und Richtung fest, woraufhin alle anderen Fahrzeuge automatisch lenken, beschleunigen und Bremsen. Außerdem gibt es in einigen Städten – beispielsweise Berlin – bereits fahrerlose Busse, deren Höchstgeschwindigkeit aktuell jedoch noch bei 15 Stundenkilometern liegt.

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