Wie wäre es, wenn sich morgens das Auto vom Parkplatz selbst vor die Tür fahren und auf seine Passagiere warten würde? Wenn man sich während der Fahrt schon um die ersten Nachrichten des Tages kümmern oder einfach noch einmal die Augen schließen könnte? Und man, am Zielort angekommen, einfach aussteigt und das Auto sich selbst einen passenden Parkplatz suchen lässt? Ein Überblick.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Autoindustrie arbeitet global an selbstfahrenden Autos.
  • Aktuell werden drei Stufen für autonomes Fahren anerkannt: teil-, hoch- und vollautomatisiert.
  • Wann die ersten zuverlässigen Fahrzeuge serienmäßig an den Start gehen, steht noch in den Sternen.
  • Zahlreiche rechtliche sowie ethische Fragen zum autonomen Fahren sind noch ungeklärt.

Die Autos der Zukunft?

Keine Frage, sich selbst steuernde Autos könnten das Leben in vielerlei Hinsicht komfortabler machen. Unter dem Schlagwort „Autonomes Fahren“ beginnen diese Träume Realität zu werden. Autohersteller und andere Technologiefirmen liefern sich einen Wettlauf darum, wer das erste serienreife Modell auf die Straße bringen wird. Vorher müssen aber noch eine ganze Reihe von Herausforderungen gemeistert werden – und nicht alle sind technischer Natur.

Auf den Spuren von Berta Benz: Autonomes Fahren von Mannheim nach Pforzheim

Diese Meldung machte Schlagzeilen: Im August 2013 fuhr das Forschungsfahrzeug Mercedes-Benz S 500 Intelligent Drive selbstständig über 100 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim. Dabei wurde nicht die Autobahn genommen, sondern die Strecke, die 125 Jahre zuvor von Berta Benz für die erste automobile Fernfahrt genutzt wurde. Der Autohersteller rühmte sich damit, dass hierfür kein hochgerüstetes Spezialfahrzeug notwendig war, sondern im Wesentlichen die Technik verwendet und erweitert wurde, die bereits in den Serienmodellen der S-Klasse zu finden ist.

Mit der Fahrt konnte eindrucksvoll gezeigt werden, wie weit der technische Fortschritt in Richtung autonomes Fahren bereits gediehen ist und dass bereits Fahrten in dichten Stadt- und Überlandverkehr möglich sind. Bei zwei Gelegenheiten mussten die Fahrer dennoch eingreifen: Ein Mülllaster wurde von dem technischen System für das Ende eines Staus gehalten. Und als es an einem Zebrastreifen anhielt, konnte nicht erkannt werden, dass die wartende Passantin Zeichen gab, durchzufahren. An diesen Beispielen werden die Grenzen dieser Technik deutlich. Wann sollte beherzt überholt werden und wann besser nicht? Welche Kommunikationsmittel verwenden die Verkehrsbeteiligten und wie können sie von einem Computer verstanden werden?

Drei Stufen des autonomen Fahrens: teil-, hoch- und vollautomatisiert

Bei der Entwicklung des autonomen Fahrens wurden von einem Arbeitskreis des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) und dem Bundesamt für Straßenwesen (BASt) drei Stufen definiert, bei denen die Beteiligung des Autofahrers jeweils abnimmt:

  • Teilautomatisiertes Fahren: Damit sind automatisierte Funktionen gemeint, die bereits heute schon verbaut werden, etwa Tempomaten oder Distronic-Systeme, die Abstände im Stau einhalten können. Diese Funktionen müssen allerdings ständig von den Fahrenden überwacht werden und man darf keinen fahrfremden Tätigkeiten nachgehen.
  • Hochautomatisiertes Fahren: Die nächste Stufe der Automatisierung macht eine dauerhafte Überwachung unnötig und fahrfremde Tätigkeiten sind in begrenztem Umfang denkbar. Das automatische System muss dabei selbst seine Grenzen erkennen und die Kontrolle früh genug an den Fahrer abgeben können.
  • Vollautomatisiertes Fahren: Das vollautomatische System soll schließlich alle Situationen vollkommen autonom bewältigen können und eine Überwachung durch die Fahrenden unnötig machen. Diese können dann anderen Tätigkeiten nachgehen. Erst in dieser Phase ist es auch möglich, das Auto alleine auf Parkplatzsuche zu schicken.

Branchenexperten erwarten hochautomatisierte Fahrsysteme bis spätestens 2020. Das „richtige“ autonome Fahren mit vollautomatisierten Systemen wird wohl nicht vor 2030 serienreif sein.

Technische, rechtliche und ethische Herausforderungen des autonomen Fahrens

Dass autonomes Fahren bald Wirklichkeit wird, steht außer Frage. Die notwendige Sensorik und Rechenkapazität ist bereits heute vorhanden. Die technischen Schwierigkeiten liegen vor allem in der Einschätzung von konkreten Verkehrssituationen. Wie kann ein Computer erkennen, ob ein Passant einem Fahrgast zuwinkt oder Zeichen gibt, dass losgefahren werden kann? Auch eine Lichthupe kann viele Bedeutungen haben. Vor diesem Hintergrund steht die Frage im Raum, ob in Systeme für autonomes Fahren lernfähige Algorithmen eingebaut werden sollen.

Der Vorteil solcher lernfähiger Systeme liegt auf der Hand: Je häufiger die Anzahl spezieller Situationen, desto besser kann das Programm eine passende Verhaltensweise an den Tag legen. Doch damit gehen auch Probleme einher. Es ist dann nicht mehr möglich, einheitliche Verhaltensweisen zu testen und auf Sicherheit zu überprüfen. Ein Autohersteller möchte nicht für eine Vielzahl von Systemen verantwortlich sein, die sich, je nachdem was sie „gelernt“ haben, unterschiedlich verhalten.

Kfz-Versicherung und autonomes Fahren

Das autonome Fahren wirft auch viele rechtliche und versicherungstechnische Fragen auf. Wer ist im Falle eines Unfalls haftbar – der Fahrer oder der Hersteller des jeweiligen Fahrsystems? Je nach Grad der Automatisierung wird sich die Haftungsfrage voraussichtlich in die Richtung der Hersteller verschieben. Das könnten gute Nachrichten für Verbraucher sein, deren Kfz-Versicherung angesichts der höheren Sicherheit durch automatisierte Systeme billiger werden könnte. Gleichzeitig sehen sich die Autohersteller jedoch größeren Risiken ausgesetzt, was sich wiederum im Fahrzeugpreis niederschlagen könnte.

Die rechtliche Situation ist noch weitgehend ungeklärt und muss an die Entwicklung des autonomen Fahrens angepasst werden. Denn bisher ist der Betrieb solcher Fahrzeuge verboten. Die für das europaweite Recht relevante Wiener Straßenverkehrskonvention schreibt nämlich vor, dass Fahrende ihr Fahrzeug dauerhaft kontrollieren müssen und es möglich sein muss, jederzeit einzugreifen.

Ethische Fragen zum autonomen Fahren noch ungeklärt

Nicht zuletzt wirft das autonome Fahren eine Reihe von ethischen Fragen auf, die allein technisch nicht geklärt werden können. Dazu zählt beispielsweise das sogenannte „Trolley-Problem“. Angewendet auf ein autonom fahrendes Auto könnte das so aussehen: Angenommen, ein automatisch gelenktes Auto muss einer Menschenmenge ausweichen. Zieht es nach links, würde es ein neunjähriges Mädchen überfahren, zieht es nach rechts, würde es eine neunzigjährige Greisin erfassen. In welche Richtung soll es fahren? Juristisch gibt es auf dieses Problem keine Antwort: Jedes Leben ist gleich viel wert bzw. kann nicht bewertet werden. Ein Mensch in dieser Situation würde unabhängig von seiner Entscheidung nicht schuldig gesprochen werden. Bei einem autonomen Fahrsystem müsste aber im Voraus von Programmierern festgelegt werden, wie die Entscheidung getroffen werden soll. Diese fühlen sich mit dieser Frage zu Recht überfordert.

Ähnliche Probleme gibt es bei der Frage, ob eher das Wohl der Fahrgäste oder das der anderen Verkehrsteilnehmer zu berücksichtigen ist. Angenommen, es kommt zu einer Kollision und es kann nur entschieden werden, ob ein Kleinwagen oder ein SUV in den Unfall verwickelt wird. Aus der Sicht der Insassen wäre die Kollision mit dem Kleinwagen günstiger, aus der Sicht der anderen Beteiligten eher die Kollision mit dem SUV. Doch wer würde ein Auto kaufen, von dem man weiß, dass es das bevorzugte Ziel von automatisierten Fahrsystemen ist? Diese und andere Überlegungen zeigen, dass beim Thema autonomes Fahren noch viele Fragen offen sind.