Die Abwrackprämie (offiziell Umweltprämie genannt) war eine staatliche Zulage, die Kraftfahrzeugbesitzer dazu ermutigen sollte, das alte Fahrzeug durch ein neues zu ersetzen. Voraussetzung für den Erhalt der Prämie war, den Altwagen zu verschrotten und sich im Gegenzug einen Neuwagen zu kaufen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 14. Januar 2009 startete in Deutschland die Abwrackprämie als Teil eines Konjunkturpakets der Bundesregierung.
  • Ziel der Abwrackprämie war es, der von der Finanzkrise gebeutelten Automobilindustrie unter die Arme zu greifen und die Nachfrage anzukurbeln.
  • Der heimische Automobilmarkt konnte von der Abwrackprämie kaum profitieren. Ausländische Marken wie Suzuki, Fiat und Hyundai verbuchten hingegen einen Umsatzaufschwung.

Einführung der Abwrackprämie

Am 14. Januar 2009 startete die Abwrackprämie als Teil eines Konjunkturpakets. Insgesamt betrug die Abwrackprämie 2.500 Euro pro Wagen. Die Mittel wurden aus dem Investitions- und Tilgungsfonds und einem Sondervermögen des Bundes finanziert, insgesamt wurden 5 Milliarden Euro bereitgestellt. Bereits am 2.September 2009 wurden jedoch keine Anträge mehr entgegengenommen; die bereitgestellten Mittel waren aufgebraucht.

Ziel der Abwrackprämie war es, der von der Finanzkrise gebeutelten Automobilindustrie unter die Arme zu greifen und die Nachfrage anzukurbeln. Besonders der Automobilkonzern Opel, der zum Mutterkonzern General Motors zählt und durch die Zahlungsunfähigkeit des Mutterkonzerns stark in Schieflage geriet, wollte von der Abwrackprämie profitieren. Opel erhoffte sich durch die Abwrackprämie bessere Umsatzzahlen, um die Wirtschaftskrise im eigenen Haus abzuwenden. Des Weiteren erhofften sich Politiker eine Senkung der Schadstoffbelastung.

Voraussetzungen für die Zahlung der Abwrackprämie

Um die Abwrackprämie zu erhalten, mussten verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Ausgezahlt wurde die Prämie vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle nur dann, wenn es sich beim Antragssteller um eine Privatperson handelte und das Altfahrzeug vor dem 14.01.2000 erstmals zugelassen wurde. Außerdem musste das Fahrzeug zwischen dem 14. Januar 2009 und dem 30. Juni 2010 verschrottet werden. Des Weiteren musste der Halter mindesten ein Jahr im Besitz des Fahrzeuges gewesen sein. Eine weitere Voraussetzung: das Neufahrzeug musste bis zum 30. Juni 2010 zugelassen werden und die Abgasnorm „Euro 4“ erfüllen.

Die Bewertung der Abwrackprämie

Die Abwrackprämie wurde mit dem Ziel eingeführt, die Schadstoffbelastung durch die Verschrottung emissionsstarker Altfahrzeuge zu minimieren. Der ökologische Nutzen ist jedoch bis heute umstritten. Schon bei der Einführung der Abwrackprämie wurde Kritik laut – etwa dass die Herstellung der Neufahrzeuge genauso umweltschädlich sei, wie die Weiternutzung der Altfahrzeuge. Auch eine Aufrüstung der Altfahrzeuge mit entsprechenden Katalysatoren wurde von der Politik nicht berücksichtigt, obwohl diese Maßnahme deutlich kostengünstiger gewesen wäre. Kritik gab es auch an der Verschrottung der Altfahrzeuge. Diese hätten noch wesentlich ältere Fahrzeuge in Afrika oder Osteuropa ablösen und somit zu einer weiteren Schadstoffreduzierung beigetragen können.

Asiatische Hersteller profitierten überproportional von der Abwrackprämie

Der heimische Automobilmarkt konnte von der Abwrackprämie kaum profitieren. Ausländische Marken wie Suzuki, Fiat und Hyundai verbuchten hingegen einen Umsatzaufschwung. Nach dem Auslaufen der Abwrackprämie in Deutschland sank auch die Anzahl der Neuzulassungen. Im ersten Halbjahr 2010 mussten deutsche Automobilhersteller einen Rückgang von 28 Prozent hinnehmen, die ausländischen Marken verzeichneten einen Rückgang von 39 Prozent.

Auswirkungen hatte die Abwrackprämie auch auf Schrott- und Gebrauchtwagenhändler. Der Umsatz der Schrotthändler stieg durch die Abwrackprämie an, der Gewinn ging jedoch durch fallende Schrottpreise stark zurück. Die Auswirkungen auf den Gebrauchtwagenmarkt im Inland wurden unterschiedlich bewertet. Kritiker, die befürchteten, dass die Umsätze der Gebrauchtwagen zurückgehen würden, behielten Recht - auch wenn es nur 1,9 Prozent waren.

Eine Abwrackprämie für mehr Umsatz

Die Idee zur Prämie kam von Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie. Der Umweltgedanke stand dementsprechend wenig im Vordergrund als vielmehr die Bedenken um die nachlassenden Absatzzahlen in der Automobilbranche. So sei der Name Umweltprämie ungerechtfertigt vergeben worden. Trotz dieser Kritikpunkte wurde die Abwrackprämie von vielen Verbrauchern in Anspruch genommen. In einigen Ländern gibt es die Abwrackprämie heute noch, ihr Nutzen ist jedoch weiterhin fraglich.