Tagfahrlicht: Spezielle Beleuchtung für Tagfahrten

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Das Tagfahrlicht soll gewährleisten, dass ein Fahrzeug auch tagsüber für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbar ist. In den verschiedenen Ländern Europas gelten hinsichtlich der Verwendung des Tagfahrlichts unterschiedliche Regelungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland empfiehlt der Gesetzgeber, Tagfahrlicht zu verwenden, eine Verpflichtung dazu besteht nicht.
  • Insbesondere im Norden Europas – aber beispielsweise auch in Italien und Ungarn – besteht die Lichtpflicht auch tagsüber.
  • In Deutschland muss seit 2011 jedes serienmäßig produzierte Auto über Tagfahrlicht verfügen, was die Hersteller mithilfe von Fahrlichtschaltungen und Tagfahrleuchten realisieren.

Welche Vorteile ergeben sich, wenn Autofahrer Tagfahrlicht nutzen?

Die Beleuchtung soll dazu beitragen, dass Verkehrsteilnehmer andere Fahrzeuge schnell erkennen. Schließlich kann es sich in manchen Situationen – beispielsweise aufgrund einer mit Bäumen gesäumten Allee, eines dunklen Straßenbelags oder tiefstehender Sonne – schwierig gestalten, ein anderes Auto als solches zu identifizieren.

Eine von der Europäischen Union in Auftrag gegebene Studie kam zu dem Ergebnis, dass Tagfahrlicht die Anzahl der Unfälle in Europa um bis zu 15 Prozent senken könnte. Demzufolge ließe sich die Zahl der Verkehrstoten jedes Jahr um 5.000 Menschen reduzieren. Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass jeder Autofahrer entsprechende Leuchten verwendet. Allerdings ist sich die Fachwelt uneins über diese Schlussfolgerungen. Österreich schaffte die Tagfahrlicht-Pflicht 2008 beispielsweise wieder ab, da sich die Unfallzahlen erhöhten, nachdem das Land eine entsprechende Regelung einführte.

Müssen Autofahrer in Deutschland das Tagfahrlicht anschalten?

Für Autofahrer besteht in Deutschland aktuell keine Verpflichtung dazu, das Tagfahrlicht zu nutzen. Seit 2011 müssen die Autohersteller jedoch in jedem serienmäßig produzierten Neufahrzeug entsprechende Leuchtmittel verbauen. Auch wenn es hinsichtlich der Verwendung keine gesetzlichen Vorgaben gibt, empfehlen Experten aus Gründen der Sicherheit, die Beleuchtung tagsüber zu einzuschalten.

Für Motorradfahrer gelten strengere Bestimmungen. In Paragraph 17 Absatz 2a der Straßenverkehrsordnung (StVO) heißt es: „Wer ein Kraftrad führt, muss auch am Tag mit Abblendlicht oder eingeschalteten Tagfahrleuchten fahren“.

Grundsätzlich dürfen auch Autofahrer das Abblendlicht als Alternative zum Tagfahrlicht nutzen. Davon ist jedoch abzuraten. Einerseits zielt das Abblendlicht vorrangig darauf ab, die Fahrbahn auszuleuchten. Andererseits fällt der Kraftstoffverbrauch hier vergleichsweise hoch aus.

Besonderer Hinweis:

Nebelscheinwerfer sind als Tagfahrlicht ebenso unzulässig wie die Kombination aus Abblend- und Standlicht.

Rechtsvorschriften zum Tagfahrlicht in Europa

Bezüglich der Nutzung des Tagfahrlichts existieren im europäischen Raum unterschiedliche verkehrsrechtliche Bestimmungen. Länder wie Irland, Luxemburg, die Niederlande und die Türkei verzichten gänzlich auf Vorgaben. Frankreich hat wie Deutschland lediglich eine Empfehlung für Tagfahrleuchten ausgesprochen.

Auch in den Ländern, die sich für eine Lichtpflicht entschieden haben, fallen die geltenden Regeln unterschiedlich aus. In einigen Staaten – beispielsweise Spanien, Slowenien und Tschechien – müssen Fahrzeughalter Ersatzglühlampen mit sich führen. Die nachfolgende Übersicht zeigt beispielhaft auf, in welchen Ländern Tagfahrlicht Pflicht ist und für welchen Zeitraum diese gilt:

Land
Zeitraum und Bereich
Bulgarien Ganzjährig inner- und außerorts
Dänemark Ganzjährig inner- und außerorts
Finnland Ganzjährig inner- und außerorts
Island Ganzjährig inner- und außerorts
Italien Ganzjährig auf Autobahnen und außerorts (Motorradfahrer auch innerorts)
Moldawien Von November bis März inner- und außerorts
Norwegen Ganzjährig inner- und außerorts
Polen Ganzjährig inner- und außerorts
Portugal Ganzjährig streckenweise
Russland Ganzjährig auf Autobahnen und außerorts (Motorradfahrer auch innerorts)
Schweden Ganzjährig inner- und außerorts
Schweiz Ganzjährig inner- und außerorts
Tschechien Ganzjährig inner- und außerorts
Ungarn Ganzjährig auf Autobahnen und außerorts

Die technische Umsetzung des Tagfahrlichts

Für das Tagfahrlicht greifen die Autohersteller auf zwei unterschiedliche technische Systeme zurück. Während in manchen Modellen sogenannte Fahrlichtschaltungen zum Einsatz kommen, finden in anderen Fahrzeugen Tagfahrleuchten Verwendung, welche eine Ergänzung der regulären Scheinwerfer darstellen.

Fahrlichtschaltungen

Hierbei handelt es sich um elektrische Schaltungen, deren Funktion darin besteht, den Hauptscheinwerfer zu dimmen. Das Tagfahrlicht wird automatisch aktiviert, nachdem Sie die Zündung eingeschaltet haben (skandinavische Version) oder die Handbremse gelöst haben (nordamerikanische Version).

Der größte Nachteil von Fahrlichtschaltungen stellt der hohe Leistungsbedarf der Hauptscheinwerfer dar. Darüber hinaus kann das ständige Ein- und Ausschalten der Leuchtmittel deren Lebensdauer zusetzen. Dies gilt insbesondere für Xenon-Scheinwerfer, aber ebenso für die Beleuchtung des Armaturenbretts und für Begrenzungslichtlampen. Es gibt jedoch auch modifizierte Tagfahrlichtschaltungen, die lediglich den Frontscheinwerfern Energie zur Verfügung stellen, wenn das Licht am Tag aktiviert ist.

Tagfahrleuchten

Tagfahrleuchten sind spezielle Leuchten, die wenig Energie benötigen und zugleich als langlebig gelten. Ihre Leuchtkraft reicht zwar nicht an die des Abblendlichts heran, doch sie leuchten deutlich intensiver als die vorderen weißen Umrissleuchten. Laut der technischen Norm Nr. 87 der UNO-Wirtschaftskommission für Europa (ECE) müssen Tagfahrleuchten mindestens eine Lichtstärke von 400 Candela je Leuchtmittel besitzen.

Tagfahrlicht nachrüsten

Nicht in jedem Auto ist Tagfahrlicht serienmäßig oder als Extra integriert. In vielen Fällen besteht jedoch die Möglichkeit, das Fahrzeug nachzurüsten. Der Handel bietet unterschiedliche Ausführungen an, die zulässig sein können, zum Beispiel einzelne Leuchten, mit Xenon-Strahlern versehene Leisten und LED-Leuchtmittel. Allerdings müssen Sie in diesem Zusammenhang die Bestimmungen der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) beachten. Die nachfolgende Liste zeigt beispielhaft auf, welche Vorschriften gelten:

  • Die Bauteile müssen über ein E-Prüfzeichen verfügen.
  • Die Lichtstärke der Leuchten muss zwischen 400 und 1.200 Candela liegen.
  • Die Fläche der Tagfahrleuchten muss mindestens 25 Quadratzentimeter einnehmen und darf 200 Quadratzentimeter nicht überschreiben.
  • Es darf nicht möglich sein, die Beleuchtungseinrichtungen zu manipulieren.
  • Die Leuchtmittel müssen weißes Licht abstrahlen (nach Paragraph 49a der StVZO).

Wer Tagfahrlicht in Eigenregie nachrüsten möchte, sollte unbedingt der dem Bauteil beigefügten Anleitung folgen. Prinzipiell erfordert der Einbau sowohl technisches Know-how als auch Geschick. Laien sollten sich daher eher an eine Werkstatt wenden.