Kleine Feuerwehr an Bord: So sinnvoll sind Auto-Feuerlöscher

05.01.2021 | 07:28

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Zur Grundausstattung eines Autos zählen in Deutschland Verbandskasten, Rettungsweste und Warndreieck - aber kein Feuerlöscher. Gleichwohl gilt er Experten als sinnvolles Zubehör.

Was mit einem kleinen Schmorbrand unter der Motorhaube anfängt, kann sich schnell zum großen Feuer ausweiten, wenn der Brandherd nicht sofort gelöscht wird. Doch in vielen Autos fehlt ein Feuerlöscher.

"Einen Feuerlöscher im Auto zu haben ist in Deutschland zwar nicht verpflichtend, aber für den Notfall in jedem Fall sinnvoll. Teure Totalschäden wären so in vielen Brandfällen vermeidbar", sagt Sören Heinze vom Auto Club Europa (ACE). Zumal die Anschaffungskosten für einen Pulver-Feuerlöscher mit rund 15 Euro recht überschaubar seien.

Auch Jan Ole Unger von der Feuerwehr Hamburg hält einen Feuerlöscher im Auto für sinnvoll: "Entstehungsbrände können damit gelöscht werden, wie etwa ein beginnender Kabelbrand, aus dem schnell mehr entstehen kann."

Rund 15 000 Autobrände im Jahr mit technischer Ursache

Jährlich gehen laut Tüv Nord rund 15 000 Autos in Deutschland aufgrund technischer Ursachen in Flammen auf. Auslöser seien oft Fehler in der Elektrik oder durchgescheuerte Kabel, die durch einen Kurzschluss einen Brand auslösen. Aber auch undichte Ölleitungen könnten sich durch einen heißen Abgaskrümmer schnell entzünden.

Wer vorbereitet sein will, findet im Zubehörhandel eine Vielzahl an Feuerlöscher-Modellen für Autos. Am besten eignen sich laut Unger Zwei-Kilo-Löscher, die sich beispielsweise im Kofferraum oder im Fußraum hinter dem Sitz gut verstauen lassen: "Hier sollte man sich unbedingt an die Installationshinweise des Herstellers halten."

Auch muss der Löscher gut befestigt werden. "Die Flasche sollte so montiert werden, dass sie sich zum Beispiel bei einer scharfen Bremsung nicht selbst lösen kann", sagt Sören Heinze. Daneben sollten Fahrer den Löscher so positionieren, dass er schnell zugänglich ist, beispielsweise auch im Fußraum der Beifahrerseite oder an den Sitzen.

Pulver oder Wasser - was löscht was und wie?

Käufer sollten darauf achten, dass der Feuerlöscher der europaweiten Norm DIN EN 3 entspricht und frostsicher ist, rät Brandschutzexperte Mathias Obst, langjähriger Chefredakteur der Fachzeitschrift "Feuerwehr Retten Löschen Bergen". Inhalt und Füllmenge seien für den Löscherfolg entscheidend: "Die im Handel befindlichen Löschsprays zum Beispiel eignen sich kaum zum Löschen bei Fahrzeugbränden, weil deren Inhalt zu gering und der Druck nicht ausreichend ist", sagt Obst.

Die meisten Feuerlöscher funktionieren mit ABC-Pulver. "Damit werden alle drei Brandklassen abgedeckt: feste Stoffe, Flüssigkeitsbrände und Gasbrände. Schaumlöscher dagegen sind nur für die Brandklassen A und B geeignet", erklärt Heinze. Auch hätten Pulverlöscher bei gleicher Füllmenge eine deutlich höhere Löschleistung. Sie könnten aber durch das Löschmittel eher Schäden am Fahrzeug verursachen als ein Schaumlöscher.

Die Bedienung eines Pulverlöschers ist laut Obst recht einfach. Wichtig sei aber die richtige Löschtechnik: "Hier sollte versucht werden, das Glutnest mit kurzen Stößen zu bekämpfen, weil so ein Zwei-Kilo-Löscher ansonsten schon nach zwölf Sekunden leer ist." Erstickt wird das Feuer letztlich durch die Pulverwolke. Nachteil des Pulvers seien die starken Rückstände. Einmal ausgeblasen, setze sich das feine Pulver in jede Ritze und sei schwer wieder zu entfernen.

Ein Schaumlöscher hingegen richtet kaum Folgeschäden an, kann aber nicht bei Gasbränden eingesetzt werden. "Von Vorteil ist die einfache Handhabung, denn man löscht mit einem Wasserstrahl, ähnlich dem eines Gartenschlauches», sagt Obst. "Beim Pulverlöscher dagegen wird das Löschmittel mit großer Wucht herausgeschleudert, was manchen Anwender überfordern könnte." Der Nachteil der Schaumlöscher sei allerdings ein höherer Anschaffungspreis ab rund 30 Euro.

Lange Einsatzbereitschaft setzt regelmäßige Wartung voraus

Einmal angeschafft, können Feuerlöscher weit mehr als zehn Jahre einsatzfähig bleiben. "Wichtig ist aber, dass sie regelmäßig gewartet werden", sagt Heinze. Der Prüfzyklus sieht in der Regel alle zwei Jahre eine Wartung durch den Hersteller oder einen Fachbetrieb vor. An Modellen mit einem Manometer kann der Druckzustand abgelesen werden und damit auch, ob der Löscher tatsächlich einsatzbereit ist.

Die Überprüfung ist für die Funktionssicherheit extrem wichtig, wie Brandschutzexperte Obst erklärt: "Bei Standardlöschern, auch Dauerdrucklöscher genannt, befinden sich das Löschmittel und das Druckgas in einem Behälter, wodurch sich ein allmählicher Druckverlust einstellen kann." Wegen dieser Undichtigkeiten würden die Feuerlöscher nach einiger Zeit ihre Wirkung einbüßen und müssten dann überprüft beziehungsweise ausgetauscht werden. Daher ist es wichtig, die Hinweise zur Haltbarkeit auf dem Löscher zu beachten.

Es gibt aber auch wartungsärmere Modelle: Sogenannte Aufladelöscher haben eine extra Flasche für das Treibmittel. "Bei der Wartung wird beispielsweise die Kohlensäurekartusche gewogen und das Pulver auf seine Rieselfähigkeit überprüft", erklärt Unger.

Voll entflammt ist es für den Feuerlöscher zu spät

Ob Pulver- oder Schaumlöscher: Beide Varianten sind geeignet sowohl für Verbrennerfahrzeuge als auch für E-Autos. "Entscheidend ist immer der Brandfortschritt. Ein beginnender Kabelbrand lässt sich bei jedem Fahrzeug mit den gängigen Feuerlöschern bekämpfen", sagt Feuerwehr-Experte Unger. Steht ein Auto voll in Flammen, sei mit einem Zwei-Kilo-Löscher bei keinem Fahrzeug mehr viel auszurichten.

Die Feuerwehr hingegen muss anders löschen, wenn der Akku eines E-Autos im Flammen steht, was laut Sachverständigenorganisation Dekra nicht öfter vorkommt als Brände von Benzin- und Dieselfahrzeugen. "Weil die Batteriezellen meist unter dem Fahrzeug verbaut sind, sind sie für die Feuerwehr schwer zugänglich. Zudem muss mit viel Wasser gelöscht werden, um die Lithium-Ionen-Akkus auch gleichzeitig zu kühlen", sagt Markus Egelhaaf von der Dekra-Unfallforschung.