Schleppender Glasfaser-Ausbau: Städte in Baden-Württemberg fast 30 Prozent unter Bundesschnitt
Stand: 08.12.2025
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Private Haushalte in Baden-Württemberg profitieren vergleichsweise selten vom Ausbau mit Glasfaser-Internet. Die größten Städte erreichen im Schnitt eine Glasfaserquote von nur 28 Prozent – der deutschlandweite Städte-Schnitt liegt bei 39 Prozent. Die Unterschiede sind groß: Während Fellbach praktisch vollversorgt ist, liegt die Glasfaserquote in Albstadt bei nur einem Prozent. Auch das Interesse an Glasfasertarifen ist sehr unterschiedlich: So buchen Freiburger fünfmal häufiger Glasfaser als Verbraucher in Reutlingen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Marktanalyse des Vergleichsportals Verivox.
Landeshauptstadt Stuttgart auf Platz 16 im Städte-Ranking
Die am besten mit Glasfaser versorgte größere Stadt in Baden-Württemberg ist Fellbach im Rems-Murr-Kreis. Dort liegt für fast alle Haushalte – nämlich 96 Prozent – Glasfaser im Gebäude bzw. in der Wohnung (FTTB/H). Platz zwei erreicht Ludwigsburg mit einer Versorgung von 95 Prozent; Platz drei geht an Ostfildern im Landkreis Esslingen mit 69 Prozent. Das geht aus der Verivox-Analyse hervor, die sich auf Daten des Bundesbreitbandatlas stützt. Insgesamt liegen demnach nur sechs der 50 größten Städte in Baden-Württemberg bei über 50 Prozent Versorgung mit Glasfaserleitungen. Die Landeshauptstadt Stuttgart erreicht 34 Prozent und liegt damit etwas über dem Schnitt. Sechs der größten Städte erreichen weniger als 5 Prozent.
Schlusslicht ist Albstadt im Zollernalbkreis mit gerade einmal einem Prozent versorgter Haushalte. Weingarten und Schwetzingen kommen jeweils auf lediglich drei bzw. vier Prozent. "Die Glasfaserversorgung im Südwesten liegt 28 Prozent unterhalb des bundesweiten Schnitts", sagt Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. "Im Bundeslandvergleich belegt Baden-Württemberg mit dem Saarland und Thüringen die letzten drei Plätze. Führend sind Schleswig-Holstein und Niedersachsen – beide mit einer doppelt so hohen Glasfaserquote wie Baden-Württemberg. Ein Grund: Beim Netzausbau in flachen Landstrichen gibt es weniger topografische Hindernisse als in landschaftlich abwechslungsreicheren Regionen."
Landkreise um 2 Prozent schlechter versorgt als Städte
Der Blick in ländlichere Regionen des Bundeslands zeigt oft noch niedrigere Glasfaserquoten. Die rote Laterne tragen mit vier bzw. sieben Prozent der Zollernalbkreis und der Main-Tauber-Kreis. Die besten Werte erreicht der Landkreis Heilbronn mit 72 Prozent vor dem Landkreis Lörrach mit 56 Prozent. Im Schnitt liegt die Glasfaserversorgung in den Landkreisen bei 26 Prozent und damit zwei Prozentpunkte unter dem Wert der größten Städte. "Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat die Dringlichkeit einer verbesserten Glasfaserversorgung erkannt und im Juli 2025 einen Glasfaserpakt zur Beschleunigung des Ausbaus unterzeichnet", sagt Schamberg. "Man rechnet außerdem zeitnah mit Verbesserungen, da Projekte aus der Planungs- und Umsetzungsphase nun auf die Straße kämen. Die langen Förder- und Planphasen waren ein weiterer Grund für die unterdurchschnittliche Versorgung." Pluspunkt für Baden-Württemberg: Das Bundesland steht beim Faktor Wettbewerb gut da. Das zeigt eine Analyse des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung, die im "Ländle" mit fünf oder mehr Versorgern eine überdurchschnittliche Anzahl von Glasfaseranbietern auf Kreisebene registriert.
Größtes Glasfaser-Interesse in Freiburg
Die Daten des Bundesbreitbandatlas zeigen den Ausbaustand bei Glasfaser, nicht jedoch die Zahl der tatsächlich von Verbraucherinnen und Verbrauchern aktivierten Anschlüsse. Eine Verivox-Stichprobe der über das Portal getätigten Glasfaserabschlüsse in den zehn größten Städten Baden-Württembergs zeigt, wo das Interesse an Glasfaser besonders groß ist. Spitzenreiter ist hier Freiburg im Breisgau: In der südbadischen Stadt entscheidet sich fast jeder sechste Verivox-Internetkunde für einen Anschluss mit Glasfaser. Auf den Plätzen zwei und drei liegen Heilbronn und Mannheim, Stuttgart belegt Platz fünf. In Pforzheim oder Reutlingen hingegen liegen die Prozentwerte für Glasfaser im niedrigen einstelligen Bereich. Eine Korrelation mit der Glasfaser-Ausbaudichte vor Ort ist kaum ablesbar.
Die meisten Internetkunden in Baden-Württemberg entscheiden sich – ganz ähnlich wie im Bund – für einen Internetanschluss über DSL oder Kabel. Dazu Schamberg: "Die deutschen Glasfasernetze sind noch zu wenig ausgelastet. Zum einen haben Verbraucher nur selten die Möglichkeit, vor Ort zwischen mehreren Anbietern zu wählen. Zum anderen wird das meist positive Preis-Leistungs-Verhältnis oft unterschätzt: Glasfaser ist teilweise sogar günstiger als langsameres DSL."
Methodik
Die Analyse umfasst Daten für die 50 größten Städte sowie die 35 Landkreise Baden-Württembergs. Die verwendeten Daten basieren auf dem Breitbandatlas der Bundesnetzagentur (Festnetz-Datenstand Juni 2025). Die Abdeckungsrate zeigt den prozentualen Anteil der Haushalte, die Gigabit-fähige Anschlüsse erhalten könnten. Berücksichtigt ist Glasfaser über die Anschlusstechniken Fiber to the Home (FTTH) und Fiber to the Building (FTTB). Die Daten zum Anteil der über Verivox gebuchten Internet-Anschlusstechniken Kabel, DSL und Glasfaser in den 10 größten Städten wurden am 12. November 2025 erhoben.