Preisanalyse: Glasfaser kaum teurer als Kabel oder DSL
Stand: 27.07.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Glasfaser-Internet ist teuer? Das gilt nur noch punktuell. Der aktuelle Verivox-Marktüberblick zeigt: Die Glasfasertarife von relevanten Anbietern sind oft ähnlich günstig wie bei Kabel oder DSL – und bieten im Schnitt 60 Prozent mehr Leistung.
Preis-Leistungs-Verhältnis bei kleineren Bandbreiten
Verivox hat die Tarife von sieben marktrelevanten Anbietern analysiert. Ergebnis: Die günstigsten Glasfaser-, DSL- und Kabeltarife unterscheiden sich preislich kaum. Während ein Glasfasertarif in den ersten 24 Monaten im Schnitt 33 Euro kostet, sind es bei DSL und Kabel-Internet durchschnittlich 30 Euro – allerdings bei weniger Leistung. Glasfaser-Internet kommt bei den untersuchten Tarifen auf einen Downstream-Speed von durchschnittlich 107 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), DSL und Kabel jedoch im Schnitt nur auf 67 Mbit/s. Glasfaser ist preislich also durchaus konkurrenzfähig, liefert aber 60 Prozent mehr Geschwindigkeit und in aller Regel eine stabilere Performance als die herkömmlichen Techniken.
Trotz deutlich besserer Leistung können einzelne Glasfasertarife sogar günstiger sein: So bietet derzeit etwa M-net DSL mit 50 Mbit/s für 36,15 Euro im Monat an, Glasfaser mit einem doppelten Down- und einem vierfachen Upstream jedoch für 30,31 Euro – fast sechs Euro weniger. Bei 1&1 kosten Glasfaser und DSL mit 50 Mbit/s gleich viel (37,07 Euro). Vodafone bietet Kabel-Internet für 36,86 Euro im Monat an, Glasfaser kostet nur 84 Cent im Monat mehr (37,70 Euro). Beide Tarife haben einen Speed von 150 Mbit/s. Ab dem 25. Monat ist der Preis für beide Techniken mit 44,99 Euro identisch.
"In den ersten 24 Monaten können die Preise über Vergleichsportale wie Verivox noch einmal deutlich sinken", sagt Verivox-Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg. "So ist zum Beispiel der Telekom-Glasfasertarif mit 150 Mbit/s aktuell bei Verivox für 26,66 Euro verfügbar statt sonst für 33,12 Euro – über sechs Euro weniger im Monat."
Preis-Leistungs-Verhältnis bei größeren Bandbreiten
Glasfasertarife mit 1.000 Mbit/s sind im Schnitt etwas teurer, bieten aber auch beim Upstream einen deutlich höheren Speed: Bis zu 500 Mbit/s werden je nach Anbieter erreicht. Die monatlichen Effektivpreise variieren zwischen 41,15 Euro (M-net) und 72,07 Euro (1&1). Das weniger stabile Kabel-Internet bietet teilweise günstigere Preise. Bei O2 fallen aktuell für den 1.000er-Kabeltarif rund 15 Euro im Monat weniger an, bei Vodafone sind es rund vier Euro weniger. Bei Pyur sind die Preise für beide Techniken fast identisch (37,07 Euro für Glasfaser und 37,15 Euro für Kabel). DSL hingegen erreicht keinen Gigabit-Speed, bei 250 Mbit/s ist Schluss.
"Bislang reichte vielen Internetkunden das klassische DSL aus", sagt Schamberg. "Doch wenn sich das Preis-Leistungs-Verhältnis von Glasfaser weiter so gut entwickelt, könnte auch eine Trendwende bei der Nachfrage eingeläutet werden. Aktuell ist der Preis eines Tarifs ein untergeordnetes Kriterium in der Glasfaser-Vermarktung. Die Anbieter werben in erster Linie mit hohem Speed, teilweise auch mit der Stabilität der Technik. Dabei können sie oft auch mit guten Preisen punkten."
Kupfer-Glas-Migration: Kostenneutralen Umstieg ermöglichen
Meist gibt es Glasfaser-Internet ab 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Downstream, niedrigere Bandbreiten sind noch selten. Verivox-Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg sieht hier Nachholbedarf mit Blick auf die geplante Glasfaser-Migration: "Wenn die Umstellung von DSL auf Glasfaser gelingen soll, braucht es ausreichend Tarife für Einsteiger, damit auch Bestandskunden in kleinen Tarifen kostenneutral umsteigen können. Hier sehen wir die Anbieter in der Pflicht."
Die Abschaltung des Kupfernetzes zu Gunsten von Glasfaser wird auch in Deutschland bereits vorbereitet. Doch der Prozess zieht sich; andere Länder sind beim Umstieg auf Glasfaser deutlich weiter. "Neue Tarifmodelle könnten Schwung in den Markt bringen", sagt Schamberg. "Die weiterhin schleppende Nachfrage ließe sich etwa mit verbrauchsbasierten Modellen, regionalen Sondertarifen oder Treue-Rabatten ankurbeln. Ein Glasfaser-Boost würde nicht nur den Netzbetreibern helfen, die ihre Investitionen refinanzieren müssen. Deutschland, einig Kupferland – das können wir uns, vor allem im Hinblick auf datenintensive KI-Anwendungen, nicht länger leisten."
Der Abgesang auf langsame DSL-Tarife mit 16 Mbit/s ist indes längst eingeläutet. Diese werden von den Anbietern immer seltener subventioniert und deshalb tendenziell teurer, vor allem im Vergleich zur Leistung. Das Interesse von Verbraucherinnen und Verbrauchern an diesen Tarifen nimmt ab; auch bei Verivox sind die Buchungen solcher Tarife deutlich zurückgegangen.
Methodik
Die Analyse umfasst eine Auswahl gängiger marktrelevanter Anbieter (Telekom, Vodafone, O2, 1&1, Deutsche Glasfaser, M-net, Pyur) und deckt damit knapp 90 Prozent des Marktes ab. Die Preise wurden am 12.06.2026 online recherchiert. Die Effektivpreise in den ersten 24 Monaten setzen sich zusammen aus der mtl. Grundgebühr sowie allen einmaligen Kosten und Rabatten; Wechsel-Boni über Verivox sind nicht eingerechnet.