Highspeed-Trend: Nachfrage nach schnellem Internet steigt um bis zu 70 Prozent

18.12.2020 | 10:14

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Mehr als 98 Prozent aller Daten werden in Deutschland im stationären Internet übertragen – und zwar nicht erst seit Home-Office-Zeiten. Doch die Pandemie sorgt für einen regelrechten Boom bei leistungsstärkeren Internetanschlüssen: Die größten Netzbetreiber verzeichnen einen Anstieg der Nachfrage um bis zu 70 Prozent, wie eine aktuelle Verivox-Auswertung zeigt.

Stärkere Netzauslastung: Alles muss gleichzeitig funktionieren

Das über Festnetze abgewickelte Datenvolumen nimmt stark zu; für 2020 wird eine Steigerung von knapp 29 Prozent auf durchschnittlich 168 Gigabyte im Monat pro Anschluss erwartet (VATM-Schätzung). Ein deutlicher Anstieg ist auch bei den gebuchten Surfgeschwindigkeiten festzustellen. Denn das heimische Internet muss mehr leisten als früher: Immer häufiger wollen Homeoffice, Homeschooling, Streaming und Gaming gleichzeitig über einen Anschluss abgewickelt werden.

Jens-Uwe Theumer, Vice President Telecommunications bei Verivox, bestätigt die vermehrte Nachfrage höherwertiger Anschlüsse: "Bei den über uns gebuchten Tarifen für stationäres Internet zeigt sich ein klarer Highspeed-Trend: Anschlüsse mit 250 Megabit pro Sekunde im Downstream werden seit März so stark nachgefragt wie nie zuvor."

Bis zu 70 Prozent der Bestandskunden buchen schnelleres Internet

Deutschlands größte Netzbetreiber verzeichnen allesamt ansteigende Buchungen für höherwertige Anschlüsse. So hat sich bei Vodafone im Zeitraum von Juli bis September 2020 jeder dritte Neukunde für einen Gigabit-Tarif entschieden; im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 13 Prozent. Telefonica verzeichnet bei schnellen VDSL-Anschlüssen erstmals seit drei Quartalen wieder einen Anstieg; die Zahl der VDSL-Kunden erhöhte sich im zweiten Quartal 2020 um 33.500. Bei der Telekom lag die Zahl der Glasfaserkunden Ende September 2020 um gut 12 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum.

Der Bundesverband Breitbandkommunikation, der einen Großteil der Telekom-Wettbewerber vertritt, nennt noch höhere Werte. Demnach fragten im laufenden Jahr bereits 49 Prozent der Bestandskunden nach einem Tarif-Upgrade mit höherer Bandbreite. Beim Münchner Netzbetreiber M-net haben seit Beginn der Corona-Pandemie rund fünfmal so viele Bestandskunden ein Tarif-Upgrade auf mindestens 100 Mbit/s vorgenommen als im gleichen Zeitraum 2019. Die Kölner NetCologne verzeichnete im März unter Bestandskunden einen 70-prozentigen Anstieg bei Buchungen höherer Bandbreiten; seit September steigen diese erneut an.

Höherwertige Tarife sind günstiger geworden

Das gewachsene Anforderungsprofil fürs heimische Festnetz dürfte jedoch nicht der einzige Grund für die steigende Beliebtheit schnellerer Anschlüsse sein. Auch die Preispolitik spielt eine Rolle. So sind beispielsweise Gigabit-Tarifpakete im Kabelnetz heute für unter 50 Euro zu bekommen, noch vor zwei Jahren wären über 100 Euro für Anschluss und Tarif fällig geworden.

"Die Preise schnellerer Pakete sind zum einen niedriger als in den Vorjahren, zum anderen unterscheiden sie sich kaum noch von langsameren Tarifen. Es lohnt sich oft gar nicht mehr, ein kleineres Paket zu buchen", sagt Theumer. So kostet derzeit bei Vodafone ein DSL-Anschlusspaket mit 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) genauso viel wie eines mit 50 Mbit/s im Kabelnetz (19,99 Euro über 24 Monate). Bei der Telekom beträgt der Preisunterschied zwischen 50 Mbit/s und 100 Mbit/s aktuell gerade einmal 2,50 Euro im Monat (29,95 bzw. 32,45 Euro über 24 Monate).

Das Internet lahmt? Technik-Wechsel prüfen

Sind viele Menschen gleichzeitig im Netz, kann die Bandbreite deutlich sinken. Wenn regelmäßig trotz stabil laufender Hard- und Software nicht einmal die zugesicherte Mindestgeschwindigkeit erreicht wird, sollten Verbraucher ihren Anbieter kontaktieren und einen Wechsel der Zugangstechnik prüfen. So ist etwa Internet über Glasfaser meist nicht nur schneller, sondern auch deutlich stabiler als Kabel oder DSL.

Zur Orientierung für Verbraucher sind im Produktinformationsblatt eines Tarifs drei Werte zur verfügbaren Bandbreite genannt: die "maximale", die "normalerweise zur Verfügung stehende" sowie die "minimale" Datenübertragungsrate.