Glasfaserausbau in Deutschland: Anbieter kämpfen mit gestiegenen Kosten
Stand: 03.09.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Der Ausbau von Glasfaseranschlüssen in Deutschland schreitet weiter voran. Laut aktueller Marktanalyse des Glasfaserverbands BREKO können mittlerweile 62 Prozent aller Haushalte auf das superschnelle Internet zugreifen. Doch die wirtschaftliche Lage für die ausbauenden Unternehmen ist schwieriger geworden.
28,6 Millionen Glasfaseranschlüsse bundesweit verfügbar
Ende Juni 2026 waren bundesweit 28,6 Millionen Glasfaseranschlüsse für Privathaushalte und Unternehmen zumindest bis zur Straße verlegt – ein deutlicher Anstieg der Glasfaserausbauquote um 9,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Das bedeutet: Bei gut drei von fünf Gebäuden liegt die Glasfaser-Infrastruktur bereits in unmittelbarer Nähe.
Tatsächlich bis ins Gebäude verlegt sind derzeit 13,8 Millionen Anschlüsse, was einer Glasfaseranschlussquote von knapp 30 Prozent entspricht.
Schleswig-Holstein mit höchster Glasfaserausbauquote – Saarland ist Schlusslicht
Der Norden ist Spitzenreiter: Schleswig-Holstein führt mit einer beeindruckenden Glasfaserausbauquote von 94 Prozent, gefolgt von Hamburg (92,5 Prozent) und Bremen (88,9 Prozent). Das Schlusslicht bildet das Saarland mit nur 42,8 Prozent. Auch Baden-Württemberg liegt mit 45,4 Prozent noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 62 Prozent.
7,9 Millionen Kunden nutzen Glasfaser aktiv mit Vertrag
Von den 28,6 Millionen verfügbaren Anschlüssen werden aktuell 7,9 Millionen aktiv genutzt – ein Zuwachs von 1,3 Millionen innerhalb eines Jahres. Das entspricht wie im Vorjahr einer Nutzungsquote (Take-Up-Rate) von rund 27 Prozent. Interessant: Die Wettbewerber der Telekom schneiden mit einer Nutzungsquote von 33 Prozent deutlich besser ab als die Telekom selbst mit 20 Prozent. Die Telekom-Wettbewerber verzeichnen 5,5 Millionen aktive Glasfaserkunden, somit entfallen 70 Prozent der Kunden mit aktiven Glasfaseranschlüssen auf die Konkurrenten der Telekom. Die Telekom kommt auf 2,4 Millionen Kunden mit Glasfaserverträgen.
2030 erstmals mehr genutzte Glasfaseranschlüsse als DSL-Anschlüsse?
Laut einer Prognose des BREKO könnte die Zahl der Glasfaseranschlüsse im Jahr 2030 erstmals die Zahl der DSL-Anschlüsse übersteigen. 2025 gab es 22,7 Millionen aktive DSL-Anschlüsse, im Jahr 2030 könnten es nur noch 16,5 Millionen sein. Die Zahl der aktiven Glasfaseranschlüsse könnte dagegen von 6,4 Millionen im Jahr 2025 auf 16,7 Millionen im Jahr 2030 steigen.
Jeweils 22-fache Erdumrundung: gigantische Trassenlängen der Glasfasernetze
Die Dimension des Ausbaus wird durch die Gesamtlänge der Glasfasernetze deutlich: Die BREKO-Mitglieder haben fast 900.000 Kilometer Glasfaser verlegt – die Telekom kommt auf eine ähnliche Länge von 890.000 Kilometern. Zum Vergleich: Das entspricht jeweils mehr als der 22-fachen Erdumrundung.
Nur 1,2 Millionen Gebäude und Wohnungen wurden ans Glasfasernetz angeschlossen – 900.000 weniger als im Vorjahr
Trotz positiver Ausbauzahlen verschlechtert sich die Marktlage für den Glasfaserausbau in Deutschland. Gestiegene Kosten und fehlende Planungssicherheit bremsen das Ausbautempo spürbar.
Die Zahl der tatsächlich mit Glasfaser angeschlossenen Gebäude und Wohnungen (Homes Connected) wuchs in diesem Jahr nur um 1,2 Millionen – deutlich langsamer als im Vorjahr mit einem Plus von 2,1 Millionen. "Der Glasfaserausbau kommt voran. Bis zur Flächendeckung ist es aber noch ein weiter Weg", fasst Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die Lage zusammen. Das Institut hatte die Marktanalyse im Auftrag des BREKO erstellt.
Explodierende Kosten als Hauptproblem: Zurückhaltung beim weiteren Glasfaserausbau
Stark gestiegene Material-, Bau- und Finanzierungskosten hinterlassen deutliche Spuren im Glasfaserausbau. Drei von vier Unternehmen berichten von steigenden Tiefbaukosten – also den Kosten für das Verlegen der Kabel im Boden.
Die Folge: Netzbetreiber sind zurückhaltender geworden. "Auf Vorrat" werden Gebäude wegen der hohen Kosten nicht mehr angeschlossen. Immer häufiger ist ein vorliegender Kundenvertrag Bedingung für den Ausbau.
Weiter beliebtes DSL-Netz bremst Glasfaser-Wechsel
Als weiteres Hindernis für einen schnellen Umstieg der Kunden auf Glasfaser gilt das weiterhin stark genutzte DSL-Netz über Kupferkabel. Solange die alte Technik noch funktioniert, sehen viele Verbraucher keine Notwendigkeit zum Wechsel.
Kupfer-Abschaltung könnte Durchbruch bringen
Sollte es einen verbindlichen Fahrplan für den Umstieg vom Kupfer- auf das Glasfasernetz geben, wären drei Viertel der Unternehmen (77 Prozent) zu weiteren Investitionen in den Glasfaserausbau bereit.
Ein solcher Ausstieg aus dem Kupfernetz wäre laut BREKO bereits jetzt bei einem Fünftel aller Adressen möglich. Das sei für 5,7 Millionen Haushalte und Unternehmensstandorte realisierbar, bei denen die Glasfaserausbauquote bereits über 85 Prozent liegt. In den mindestens drei Jahren bis zur Abschaltung des DSL-Netzes könnten in diesen Regionen ausreichend Glasfaseranschlüsse gebaut werden, sodass niemand ohne Internetversorgung bliebe.
Fazit: Ohne klare politische Signale und eine verbindliche Abschaltplanung für das alte Kupfernetz droht nach Einschätzung des BREKO der Glasfaserausbau weiter ins Stocken zu geraten.
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