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Glasfaser: Städte in Nordrhein-Westfalen schlechter versorgt als im Bundesschnitt

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Private Haushalte in Nordrhein-Westfalen profitieren nur teilweise vom Ausbau mit Glasfaser-Internet. Die größten Städte des Landes erreichen im Schnitt eine Glasfaserquote von 35 Prozent – der deutschlandweite Städte-Schnitt liegt bei 39 Prozent. Die Unterschiede sind groß: Während die Stadt Minden fast vollversorgt ist, liegt die Glasfaserquote in Solingen bei nur zwei Prozent. Auch das Interesse an Glasfasertarifen ist sehr unterschiedlich verteilt: So buchen Wuppertaler elfmal häufiger Glasfaser als Einwohner von Bielefeld. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Vergleichsportals Verivox.

Landeshauptstadt Düsseldorf auf Platz 29 im Städte-Ranking

Die am besten mit Glasfaser versorgte größere Stadt in Nordrhein-Westfalen ist Minden in der Region Ostwestfalen-Lippe. Dort liegt für fast alle Haushalte – nämlich für 86 Prozent – Glasfaser im Gebäude bzw. in der Wohnung (FTTB/H). Platz zwei erreicht Ratingen im Kreis Mettmann mit einer Versorgung von 83 Prozent, Platz drei das ostwestfälische Herford mit 80 Prozent. Das geht aus der Verivox-Analyse hervor, die sich auf Daten des Bundesbreitbandatlas stützt.

Demnach liegen nur elf der 50 größten Städte in Nordrhein-Westfalen bei über 50 Prozent Versorgung mit Glasfaserleitungen. Die Landeshauptstadt Düsseldorf erreicht 30 Prozent und liegt damit fünf Prozentpunkte unterhalb des Landesschnitts. Sieben der größten Städte kommen auf weniger als zehn Prozent Glasfaserquote. Die durchschnittliche Glasfaserversorgung von Haushalten in Nordrhein-Westfalen liegt bei 43 Prozent.

Schlusslicht des Städte-Rankings ist Solingen mit gerade einmal zwei Prozent versorgten Haushalten. Lünen und Bergisch Gladbach kommen auf lediglich drei bzw. vier Prozent. "Unser Blick aufs große Ganze zeigt: Im Bundeslandvergleich der Glasfaserversorgung belegt Nordrhein-Westfalen unter den Flächenländern Platz vier hinter Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Schlusslicht ist Thüringen", sagt Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox.

NRW-Landkreise teilweise besser versorgt als Städte

Der Blick in ländlichere Regionen des Bundeslands zeigt nicht selten höhere Glasfaserverfügbarkeiten. Spitzenreiter sind der Kreis Steinfurt und der Kreis Coesfeld mit Glasfaserquoten von 84 bzw. 82 Prozent. Im Schnitt liegt die Glasfaserversorgung in den 31 NRW-Landkreisen bei 50 Prozent und damit 15 Prozentpunkte über dem Wert der größten Städte. Was verwunderlich anmutet, hat Gründe: "Wir erleben immer wieder, dass die alte Internet-Infrastruktur aus Kupfer- und Kabelnetzen unsere Städte ausbremst. Vielfach herrscht Zufriedenheit mit den vorhandenen Angeboten und Geschwindigkeiten, die Städte gelten als versorgt – das gilt jedoch nicht für Glasfaser-Internet", sagt Schamberg. "Der städtische Ausbau kann komplizierter und kostenintensiver als auf dem Land sein, etwa entlang verkehrsreicher Straßen und in großen Mehrfamilienhäusern – hier insbesondere wegen oft zeitraubender Verhandlungen."

Open Access als Schlüssel für mehr Wettbewerb

Eine Analyse des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung zählt im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland insgesamt 69 aktive Glasfaserunternehmen; 42 davon sind regionale und lokale Anbieter. In allen Landkreisen und kreisfreien Städten des Landes sind mindestens drei Glasfaserunternehmen präsent. "Nur wenn die Verantwortlichen es schaffen, den Ausbau sinnvoll zu koordinieren und zunehmend auf Open Access setzen, können Verbraucher perspektivisch vom Wettbewerb profitieren", sagt Schamberg.

Größtes Glasfaser-Interesse in Wuppertal, geringstes in Bielefeld

Die Daten des Bundesbreitbandatlas zeigen den Ausbaustand bei Glasfaser, nicht jedoch die Zahl der tatsächlich von Verbraucherinnen und Verbrauchern aktivierten Anschlüsse. Eine Verivox-Auswertung der über das Portal getätigten Glasfaserabschlüsse in den zehn größten Städten Nordrhein-Westfalens zeigt, wo das Interesse an Glasfaser besonders groß ist. Spitzenreiter ist Wuppertal: In der Stadt im Bergischen Land entscheidet sich jeder fünfte Verivox-Internetkunde für einen Anschluss mit Glasfaser. Auf den Plätzen zwei und drei finden sich Bochum und Köln mit jeweils 19 Prozent Glasfaseranteil unter den Verivox-Internetbuchungen. In Bielefeld hingegen liegt der Prozentanteil für Glasfaser im niedrigen einstelligen Bereich. Eine Korrelation mit der Glasfaser-Ausbauquote vor Ort ist kaum ablesbar.

Glasfaser-Verfügbarkeit prüfen

Die meisten Internetkunden in Nordrhein-Westfalen entscheiden sich – ganz ähnlich wie im Bund – für einen Internetanschluss über DSL oder Kabel. Dazu Schamberg: "Die deutschen Glasfasernetze sind noch zu wenig ausgelastet. Wir wissen aus einer aktuellen Verivox-Umfrage, dass Verbraucher zum einen organisatorischen Aufwand fürchten. Zum anderen wird oft das positive Preis-Leistungs-Verhältnis unterschätzt: Glasfaser ist teilweise sogar günstiger als langsameres DSL. Hier sollten alle Marktteilnehmer, aber auch Bund und Länder, deutlich mehr für ein breitentaugliches Image von Glasfaser tun. Wesentlich ist zudem ein konsequenter Ausbau bis in die Häuser – mit dem Ziel, dass sich Verbraucher aktiv dafür entscheiden, ihren Internetanschluss zukunftssicher zu machen."

Methodik

Die Analyse umfasst Daten für die 50 größten Städte sowie die 31 Landkreise Nordrhein-Westfalens. Die verwendeten Zahlen basieren auf dem Breitbandatlas der Bundesnetzagentur (Festnetz-Datenstand Juni 2025). Die Abdeckungsrate zeigt den prozentualen Anteil der Haushalte, die Gigabit-fähige Anschlüsse erhalten könnten. Berücksichtigt ist Glasfaser über die Anschlusstechniken Fiber to the Home (FTTH) und Fiber to the Building (FTTB). Die Daten zum Anteil der über Verivox gebuchten Internet-Anschlusstechniken Kabel, DSL und Glasfaser in den 10 größten Städten wurden am 9. Februar 2026 erhoben.