Glasfaser-Ausbau: 49 Prozent der privaten Haushalte erreicht
Stand: 17.06.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Beim Glasfaserausbau gibt es immer noch große regionale Unterschiede. So hat sich seit 2022 etwa die Ausbaudichte im Saarland fast versechsfacht und in Thüringen verdreifacht. Dennoch schneiden beide Länder weiterhin deutlich schlechter ab als Deutschlands Norden. Der bundesweite Ausbauwert für schnelle Glasfaser liegt nun bei 49 Prozent und hat sich in drei Jahren mehr als verdoppelt. Das zeigt eine Marktanalyse des Vergleichsportals Verivox.
Bestwerte für Hansestädte Bremen und Hamburg
Die auf Daten des Bundesbreitbandatlas gestützte Verivox-Analyse zeigt: Im bundesdeutschen Schnitt können aktuell 49 Prozent der privaten Haushalte auf Gigabit-Glasfaseranschlüsse zugreifen. 2022 waren es mit 23 Prozent weniger als die Hälfte. Die heutigen Top-Werte der Länder erreichen die Stadtstaaten Bremen und Hamburg (86 bzw. 80 Prozent). Bestes Flächenland ist Schleswig-Holstein mit einer Ausbauquote von 74 Prozent. Auch Niedersachsen schneidet mit 72 Prozent gut ab. In Hamburg sowie Schleswig-Holstein wurde der Ausbau seit 2022 um rund 30 Prozentpunkte gesteigert – in Bremen hingegen um fast 70 Prozentpunkte.
"Der stark gestiegene Versorgungswert für Bremen hat vor allem zwei Gründe: einen frühen Start und feste Vereinbarungen", sagt Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. "In der Hansestadt wurden frühzeitig verbindliche Kooperationen mit mehreren Anbietern geschlossen, auch um einen Doppelausbau zu vermeiden. Zudem dient ein Breitbandzentrum als Schnittstelle zwischen Bürgern, Wirtschaft und ausbauenden Anbietern. Beides zahlt sich heute aus. Auch in Hamburg sowie Schleswig-Holstein hat man klar auf Glasfaser gesetzt; zahlreiche Unternehmen treiben dort bereits seit Jahren den Ausbau mit eigenen Mitteln voran."
Vorreiterrolle Norddeutschlands weiter gefestigt
Auch bei den Hauptstädten der Bundesländer zeigt sich die Vorreiterrolle des Nordens: So ist die Gigabit-Quote von Kiel doppelt so hoch wie die Stuttgarts, Saarbrücken ist nur halb so gut versorgt wie Hannover. Ähnlich auffällig wie die stark gestiegenen Bremer Ausbauzahlen sind die Werte für Schwerin: In der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns kletterte die Quote für Gigabit-Glasfaser innerhalb von drei Jahren von 16 auf 74 Prozent.
Auf Anfrage spricht die Stadt von einer "hohen Ausbaudynamik, die durch das Zusammenspiel von eigenwirtschaftlichen und geförderten Ausbauvorhaben" entstanden sei. Auch in Schwerin gibt es eine zentrale Koordinierungsstelle, die zwischen Stadt, Fördermittelgebern, Unternehmen und anderen Stakeholdern vermittelt.
Topografische Hürden bremsen im Süden und Osten
Die niedrigsten Glasfaser-Versorgungswerte verzeichnen aktuell Thüringen mit 26 Prozent und Baden-Württemberg mit 35 Prozent, gefolgt von Sachsen (37 Prozent Abdeckung). Die Hauptstadt Berlin kommt heute auf eine Gigabitquote von 53 Prozent.
"Nach wie vor investieren Anbieter lieber in Metropolregionen als in topografisch anspruchsvollen Gebieten", sagt Schamberg. "In Städten ist der Ausbau lukrativer. Verlangsamt wird der aufwendige Tiefbau etwa in den bergigen Regionen Süddeutschlands, aber auch bei der Überbrückung der oft dünner besiedelten Flächen in Deutschlands Osten. Beide Landesteile haben in den letzten Jahren aufgeholt, sie kommen jedoch an die nördlichen Länder mit deren frühen, strategischen Investitionen nicht heran."
Über 350 Gemeinden mit 100 Prozent Gigabit-Glasfaser
In insgesamt 354 deutschen Gemeinden können 100 Prozent der Haushalte auf schnelle Glasfaser zugreifen – über zwei Drittel davon liegen in Schleswig-Holstein. "Der Glasfaser-Ausbau ist teuer, deshalb wird meist weniger flächig ausgebaut als bei DSL oder Kabel üblich", sagt Schamberg. "So kann es zum Beispiel vorkommen, dass in einem Landkreis einzelne Gemeinden vollversorgt sind, benachbarte Orte jedoch gar nicht oder zu einem viel geringeren Prozentsatz."
Methodik
Die Analyse umfasst Daten für die Glasfaserversorgung aller 16 Bundesländer inklusive Stadtstaaten, der Hauptstädte der Länder sowie der Kreise mit 100 Prozent Abdeckung. Die verwendeten Daten basieren auf dem Breitbandatlas der Bundesnetzagentur (Festnetz-Datenstand Dezember 2022 sowie Dezember 2025). Die Abdeckungsrate zeigt den prozentualen Anteil der Haushalte, die Gigabit-fähige Anschlüsse mit bis zu 1.000 Mbit pro Sekunde erhalten könnten. Berücksichtigt ist Glasfaser über die Anschlusstechniken Fiber to the Home (FTTH) und Fiber to the Building (FTTB).