DSL-Abhängigkeit: Baden-Württemberg auf Platz 3 deutschlandweit
Stand: 11.09.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Bis 2035 soll EU-weit das veraltete DSL-Internet größtenteils durch schnelle Glasfaserleitungen ersetzt werden. Doch Deutschlands Weg ist weit: Aktuell können zwar 49 Prozent der Haushalte auf Glasfaser zugreifen, doch die Versorgungswerte der Länder unterscheiden sich stark. Weil die Glasfaserquote in Baden-Württemberg nur 35 Prozent beträgt, ist die DSL-Glasfaser-Kluft dort besonders groß. In 20 Gemeinden ist DSL sogar die einzige vorhandene Technik. Das zeigt eine aktuelle Marktanalyse des Vergleichsportals Verivox.
24 Jahre nach dem Glasfaser-Start: Abhängigkeit von DSL ist groß
Im Bundesland Baden-Württemberg kann jeder dritte Haushalt Glasfaser zumindest bis ins Gebäude (FTTB/H) bekommen. Rund zwei Drittel der dortigen Haushalte (65 Prozent) haben Zugriff auf Kabel-Internet – DSL hingegen ist für 94 Prozent der Haushalte im Südwesten verfügbar. Nach Thüringen und dem Saarland verzeichnet Baden-Württemberg damit die drittgrößte DSL-Glasfaser-Kluft Deutschlands. Das zeigt die Verivox-Analyse, die sich auf Daten des Bundesbreitbandatlas stützt. In der Landeshauptstadt Stuttgart ist die Kluft deutlich geringer als auf Landesebene, im schlechter mit Glasfaser versorgten Stadtkreis Stuttgart fällt die Kluft wieder höher aus.
"Deutschland ist nach wie vor ein Kupferland", sagt Verivox-Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg. "94 Prozent der deutschen Haushalte können DSL bekommen. Fast ein Vierteljahrhundert nach der Schaltung der ersten modernen Glasfaseranschlüsse sind Teile Deutschlands immer noch abhängig von der veralteten DSL-Technik. Internet über Satellit wäre zwar fast flächendeckend verfügbar, es kann jedoch in punkto Preis und Leistung kaum mit stationären Techniken mithalten."
20 Gemeinden im Südwesten ohne Technik-Alternative
Deutschlandweit sind Internetkunden in immerhin acht Prozent der Gemeinden an die alte Kupfertechnik gebunden: Außer DSL gibt es dort keine andere stationäre Anschlusstechnik, weder Glasfaser noch Kabel. In Baden-Württemberg trifft das auf insgesamt 20 Gemeinden zu, die sich auf elf Landkreise verteilen. Sechs dieser Gemeinden liegen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, in den anderen zehn Kreisen sind jeweils nur ein oder zwei Gemeinden betroffen.
In 18 der 20 Gemeinden ist DSL immerhin mit 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zu bekommen, wenn auch nicht flächendeckend. Börslingen und Büsingen sind schlechter versorgt: Einwohner von Börslingen im Alb-Donau-Kreis können DSL mit 50 Mbit/s erhalten, Büsingen im Landkreis Konstanz hingegen kommt nicht über den niedrigsten verzeichneten Standard von 16 Mbit/s hinaus.
Auch die Nachbarländer Baden-Württembergs verzeichnen etliche Gemeinden, die ausschließlich auf DSL angewiesen sind. In Bayern sind 29 Gemeinden betroffen, sie verteilen sich auf zwölf Landkreise. Im nördlichen Nachbarland Hessen sind nur vier Gemeinden aus drei Landkreisen abhängig von DSL als einziger stationärer Technologie. Rheinland-Pfalz hingegen steht deutlich schlechter da: In 396 Gemeinden können Internetkunden nur DSL bekommen, dort stehen weder Kabel noch Glasfaser zur Verfügung. Besonders stark betroffen sind Landkreise in der Eifel.
Drei Gründe für das Festhalten am Kupferkabel
Für das Verharren in der alten Technik gibt es vor allem drei Gründe. Zum einen ist der Wechseldruck niedrig, wenn der bestehende Anschluss gut funktioniert. Vielen Verbrauchern genügt die DSL-Technik noch. Zum zweiten ist DSL landesweit deutlich besser ausgebaut als Glasfaser und Kabel.
"Obwohl die Glasfaser-Buchungen über Verivox steigen, haben sich im Juli 59 Prozent unserer Internetkunden für einen DSL-Tarif entschieden", sagt Schamberg. "In den letzten vier Jahren lag die DSL-Quote in fast allen Monaten bei über 50 Prozent."
Der dritte Grund liegt in der geringen Verfügbarkeit von Glasfasertarifen für Wenignutzer. Zwar ist Glasfaser in den ersten 24 Monaten oft schon günstiger als DSL. Doch häufig mangelt es an Einsteigertarifen: Für die kleinsten Tarife mit 16 Mbit/s gibt es kein Glasfaser-Äquivalent, für 50 Mbit/s nur sehr vereinzelt.
Methodik
Die verwendeten Daten für klassisches DSL, Glasfaser über FTTB/H sowie Kabel-Internet basieren auf dem Breitbandatlas der Bundesnetzagentur (letzte Aktualisierung Juni 2026, Datenstand Dezember 2025). "Gemeindefreie Gebiete", in denen nur wenige Menschen wohnen, wurden nicht berücksichtigt.