Breitband-Index zeigt Stadt-Land-Kluft von 64 Prozent
Stand: 30.09.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Deutschland ist ein digital gespaltenes Land: Großstädte sind um 64 Prozent besser mit Internet versorgt als Kleinstädte. Wie groß die Kluft ist, zeigt eine Breitband-Analyse des Vergleichsportals Verivox, die jeweils die größte und die kleinste Stadt eines Bundeslands verglichen hat. Die Großstädte gehen dabei durchweg als Sieger hervor.
Größte Stadt-Land-Kluft in Bayern
Zur Messung der Stadt-Land-Kluft hat Verivox einen Index entwickelt, in den Breitband-Abdeckung, Wettbewerbssituation, Ausbaudynamik und durchschnittliche Geschwindigkeit in einer Stadt einfließen. Um die Qualität der Infrastruktur bestmöglich abbilden zu können, wurde auch verglichen, wo der Glasfaser-Ausbau besonders schnell vorangeht und wie hoch die Gigabit-Verfügbarkeit vor Ort ist. Enthalten sind Daten für die jeweils größte und kleinste Stadt aus jedem der 13 bundesdeutschen Flächenländer.
Am größten ist die Diskrepanz zwischen gut versorgter Metropole und unterversorgter Kleinstadt in Bayern (61,92 Indexpunkte Abstand) und Baden-Württemberg (56,17 Punkte). Am geringsten wirkt sich die Stadt-Land-Kluft in Mecklenburg-Vorpommern (7,81 Punkte) und Thüringen (7,95 Punkte) aus.
"Dies ist kein Zufall, sondern das Ergebnis ungleicher Investitionen und unterschiedlicher wirtschaftlicher Rentabilität für Netzbetreiber", sagt Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. "Für Bürger und auch für Unternehmer hingegen bedeutet eine schlechte Internetversorgung einen klaren Standortnachteil."
Großstädte dominieren das Ranking
Spitzenreiter Halle/Saale verzeichnet eine hohe Quote für Glasfaser mindestens bis ins Gebäude. Zudem können Internetkunden aus vier unterschiedlichen Technologien wählen (Glasfaser, Kabel, VDSL und ADSL). Auch die Gigabit-Verfügbarkeit von Anschlüssen mit 1.000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) ist in Halle hoch. Internetkunden können im Stadtzentrum unter sieben Anbietern wählen – der höchste Wert unter den 26 Städten. Aufaddiert erreicht die sachsen-anhaltinische Metropole 83,03 von 100 möglichen Punkten.
Ebenfalls unter den Top-Städten sind München (81,06 Indexpunkte) und Kiel (80,59 Punkte). Beide Städte profitieren von vergleichsweise hohem Wettbewerb, vier verfügbaren Technologien und kontinuierlichem Ausbau. Zudem verzeichnet Hannover mit 10,67 Prozentpunkten den höchsten Glasfaser-Zuwachs aller Städte innerhalb eines Jahres. Auf den ersten zehn Plätzen des Verivox-Index finden sich fast ausschließlich Großstädte – mit Ausnahme der kleinsten sachsen-anhaltinischen Stadt Sandau auf Platz 8.
Die vorne im Index platzierten Städte liegen nach Punkten recht nah beieinander; im hinteren Teil des Feldes sind die Abstände größer. So erreicht etwa das thüringische Ummerstadt auf Platz 20 mehr als doppelt so viele Punkte wie Langenburg auf Platz 26.
Die Problemzonen: Kleinstädte oft unterversorgt
Die Großstädte erreichen im Schnitt 64 Prozent höhere Indexwerte als die Kleinstädte. Unter den zehn am schlechtesten platzierten Städten ist mit der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt auf Platz 19 nur eine Großstadt. Die letzten Plätze belegen die Kleinstädte Langenburg (Baden-Württemberg, 16,57 Indexpunkte), Rothenfels (Bayern, 19,13 Punkte) und Schwarzenborn (Hessen, 20,08 Punkte). Alle drei Orte sind fast ausschließlich auf die veraltete ADSL-Technologie angewiesen; der Glasfaser-Zuwachs stagniert. Entsprechend niedrig ist der durchschnittliche Internet-Speed mit maximal 67 Mbit/s. Zum Vergleich: Die fünf bestplatzierten Städte im Index erreichen im Schnitt über 500 Mbit/s.
Sandau gehört wie das niedersächsische Schnackenburg zu den beiden bestplatzierten Kleinstädten, unter anderem wegen ihrer hohen Glasfaserquoten von über 98 Prozent. "Sowohl im Wendland als auch im Elbe-Havel-Land ist der Glasfaserausbau bereits weit fortgeschritten", sagt Jörg Schamberg. "Wegen hoher Kosten und einer oft komplizierten Gemengelage vor Ort erhält jedoch nur selten eine ganze Region Glasfaser. So kann es vorkommen, dass einzelne Gemeinden oder Stadtteile vollversorgt sind, benachbarte Orte jedoch kaum oder gar nicht."
Zu wenig Wettbewerb und große Versorgungsunterschiede
Der größte Unterschied zwischen kleinen und großen Städten zeigt sich bei der Versorgung, insbesondere mit Gigabit- und Glasfaseranschlüssen: Großstädte schneiden in dieser Kategorie im Schnitt um fast 94 Prozent besser ab. Auch bei den verfügbaren Anschlusstechniken kann die Kluft groß sein – minimal eine, maximal vier Technologien sind in den untersuchten Städten zu haben. Vergleichsweise wenig Varianz gibt es bei der Anbieterwahl.
"Im Mittel stehen in den Stadtzentren gerade einmal 4,5 verschiedene Anbieter zur Auswahl. Das ist aus Verbrauchersicht viel zu wenig", sagt Schamberg. "Mehr Wettbewerb führt zu faireren Preisen und besseren Leistungen. Das zeigt sich etwa auf dem Energiemarkt, der zur selben Zeit wie der Telekommunikationsmarkt geöffnet wurde: Bei Strom oder Gas können Verbraucherinnen und Verbraucher oft aus einer dreistelligen Anbieterzahl pro Postleitzahl wählen."
Trotz des schleppenden Wettbewerbs ist das Sparpotenzial für Internetkunden groß. Im Juli 2026 hat eine umfangreiche Verivox-Studie gezeigt, dass über 80 Prozent der Kundinnen und Kunden bei einem Wechsel in einen mindestens gleichwertigen Tarif sparen – im Schnitt 20,24 Euro pro Monat.
Methodik
Verglichen wurden die jeweils größten und kleinsten Städte eines jeden deutschen Flächenlands; Stadtstaaten sind nicht berücksichtigt. Der Breitband-Index von Verivox bewertet die Internetversorgung einer Stadt auf Basis von vier Kategorien; maximal konnten pro Kategorie 100 Punkte erreicht werden. Die Werte aus den folgenden vier Bereichen wurden gewichtet und flossen wie folgt in den Index ein:
Versorgung 50 Prozent (Formel: 0,50 × Gigabit-Verfügbarkeit + 0,35 × FTTB/H-Verfügbarkeit + 0,10 × Kabel-Internet-Verfügbarkeit + 0,03 × VDSL/FTTC-Verfügbarkeit + 0,02 × ADSL-Verfügbarkeit)
Wettbewerb und Auswahl 30 Prozent (Formel: 0,60 Anbieterzahl + 0,40 Technologie-Mix. Die maximal erreichte Anbieterzahl von 7 und die maximale Technologiezahl von 4 sind feste Vergleichswerte aus der verwendeten Datengrundlage und entsprechen jeweils 100 Punkten)
Ausbaudynamik 10 Prozent (misst den FTTB/H-Zuwachs in Prozentpunkten; 5 Punkte je zusätzlichem Prozentpunkt bzw. Abzug von 5 Punkten für jeden Prozentpunkt Rückgang)
Durchschnittlicher max. Speed 10 Prozent (Formel: FTTB/H-Abdeckung × 1000 + VDSL/FTTC-Abdeckung × 200 + Kabel-Internet-Abdeckung × 1000 + ADSL-Abdeckung × 16 = abdeckungsgewichteter Durchschnitt der maximal möglichen Geschwindigkeiten der vier Techniken)
Je höher der erreichte Index-Wert, desto besser die Internetversorgung vor Ort. Die verwendeten Zahlen basieren auf den neuesten Daten des Bundesbreitbandatlas (Ausbaustand Dezember 2024 im Vergleich zu Dezember 2025) sowie eigenen Recherchen von Verivox. Für die Zahl der verfügbaren Anbieter wurden Stichproben im Stadtzentrum der Orte gezogen.