Analyse: DSL bleibt in Deutschland beliebt
Stand: 05.08.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
In neun Jahren soll EU-weit das DSL-Internet vollständig abgeschaltet sein, auch in Deutschland. Allerdings nutzt aktuell noch rund die Hälfte der hiesigen Internetkunden die veraltete Kupfertechnik. Auch Neukunden greifen weiterhin regelmäßig zu, wie die aktuelle Verivox-Analyse zeigt: Mehr als die Hälfte aller Internet-Buchungen über das Vergleichsportal entfällt weiterhin auf die DSL-Technik.
Über die Hälfte der Neukunden nimmt DSL
Im Juli 2026 buchten bei Verivox 59 Prozent der Internetkunden einen DSL-Tarif. Der DSL-Anteil lag in den letzten vier Jahren in 46 von 48 Monaten bei über 50 Prozent. Das Interesse an anderen Zugangstechniken veränderte sich hingegen durchaus: Die Buchungen für Glasfaser haben zugenommen, die für Kabel sind leicht rückläufig.
Auch im Bestand ging der DSL-Anteil unter den genutzten Internettechnologien in den letzten fünf Jahren kaum zurück. Das zeigen zwei repräsentative Umfragen im Auftrag von Verivox: Im September 2021 hatten 55 Prozent der Befragten einen DSL-Anschluss zu Hause, im März 2026 waren es 49 Prozent. Besonders verbreitet ist DSL bei älteren Menschen über 50 Jahre (2021: 60 Prozent, heute 55 Prozent). Junge Menschen unter 30 Jahren haben seltener einen DSL-Anschluss, doch auch in dieser Altersgruppe ist die DSL-Quote hoch (2021: 45 Prozent, heute 40 Prozent).
Wechseldruck ist oft niedrig
Für das Festhalten am Kupferkabel gibt es vor allem zwei Gründe. Vielen Verbrauchern genügt die DSL-Technik noch – sofern die gebuchte Geschwindigkeit zum Großteil erreicht wird. "Mit einem typischen DSL-Speed von 100 Megabit pro Sekunde können mehrere Menschen gleichzeitig alle heute üblichen Online-Anwendungen problemlos erledigen", sagt Verivox-Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg. "Wer einen solchen Anschluss hat, verspürt meist keinen Druck, auf schnellere, stabilere Glasfaseranschlüsse zu wechseln."
DSL hat die beste Verfügbarkeit
Hinzu kommt, dass DSL die mit Abstand am besten verfügbare Technik ist: Laut Bundesbreitbandatlas können 94 Prozent der Haushalte in Deutschland einen DSL-Anschluss bekommen. Die Kabel-Verbreitungsquote liegt bei 63 Prozent, Glasfaser ist für 49 Prozent der Haushalte zumindest im Gebäude verfügbar. Bei beiden Techniken gibt es jedoch große regionale Unterschiede: So ist Kabel-Internet in Ostdeutschland seltener zu bekommen, Glasfaser ist im Norden besser ausgebaut.
"DSL ist auch heute noch die klar dominierende Anschlusstechnik", sagt Schamberg. "Ein wichtiger Grund für das Festhalten an der veralteten Technik ist die oft unzureichende Verfügbarkeit alternativer Anschlüsse: In immerhin acht Prozent der deutschen Gemeinden ist DSL weiterhin die einzige stationäre Technologie."
Umstieg auf Glasfaser: Einsteigertarife noch Mangelware
Ein weiterer Grund für den oft zögerlichen Wechsel auf Glasfaser: Es gibt wenig Tarife für Einsteiger. "Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen einen konkreten Mehrwert, um zu wechseln", sagt Schamberg. "Ein guter Preis ist der stärkste Wechselgrund, wie unsere jüngste Glasfaser-Umfrage gezeigt hat."
Die Tendenz ist positiv – bereits heute ist Glasfaser in den ersten 24 Monaten oft bei sogar besserer Leistung günstiger als DSL, vor allem in den mittleren Tarifstufen. Für die kleinsten Tarife mit 16 Mbit/s gibt es kein Glasfaser-Äquivalent, für 50 Mbit/s nur sehr vereinzelt. Dazu Schamberg: "Wir sehen günstige Angebote für Glasfaser-Einsteiger als besonders wichtig an, um die Migration erfolgreich zu gestalten. Auch Wenignutzer sollten die Möglichkeit haben, kostenneutral umzusteigen."
Bis 2035 soll DSL in der gesamten EU vollständig von Glasfaser abgelöst werden – wobei sich Deutschland für ein schrittweises, regionales Vorgehen einsetzt. Andere europäische Länder sind mit der Abschaltung ihrer Kupfernetze schon deutlich weiter, insbesondere Estland, Schweden und Spanien.
Methodik
Die verwendeten Daten basieren auf einer Online-Umfrage der Innofact AG im Auftrag von Verivox, an der im März 2026 insgesamt 1.028 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren teilnahmen. Die Befragten entstammen einem ISO-zertifizierten Online-Panel mit rund 500.000 Teilnehmenden. Die Umfrage ist bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit. Im September 2021 wurden 1.004 Personen repräsentativ befragt. Gefragt wurde: Welche Internet-Zugangstechnik nutzen Sie privat überwiegend? (2026) Mit welcher Technik gehen Sie zu Hause ins Internet? (2021)
Zudem wurden im Januar 2026 insgesamt 2.030 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren über Innofact gefragt: Welche Aspekte wären für Sie entscheidend, um zu Glasfaser zu wechseln?