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Handytarife erreichen nur ein Drittel des beworbenen Surfspeeds

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Deutsche Mobilfunkanbieter bewerben ihre Tarife im Schnitt mit einer Surfgeschwindigkeit von 245 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) – doch was bei Kunden tatsächlich ankommt, ist erheblich weniger: Eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt, dass die beworbene Maximalgeschwindigkeit nur zu knapp einem Drittel erreicht wird.

Große Lücke zwischen Theorie und Praxis

Verivox hat die Surfgeschwindigkeiten von 374 Handy-Vertragstarifen untersucht. Die beworbenen Maximalwerte für den Download-Speed reichen von 5 bis 15 Mbit/s in günstigen Unlimited-Angeboten bis zu 300 Mbit/s in Standardtarifen der Netzbetreiber. Laut Bundesnetzagentur sind knapp 80 Prozent der Kunden bei einem der Netzbetreiber unter Vertrag; der entsprechend nach Marktanteilen gewichtete Durchschnittswert liegt bei 245 Mbit/s.

Dieser Speed–Wert wird jedoch in der Praxis nur zu knapp einem Drittel eingelöst: Der Online-Datenanalyst Ookla hat im März 2026 für Deutschland einen durchschnittlichen mobilen Download-Speed von 75 Mbit/s gemessen. Die tatsächliche Surfgeschwindigkeit entspricht also nur 31 Prozent der im Schnitt beworbenen Bandbreite. Andere Studien kommen auf Werte von rund 100 Mbit/s für Deutschland – auch in diesem Fall würden nur 41 Prozent des beworbenen Speeds erreicht.

Minderungsrecht für Verbraucher nun auch im Mobilfunk

"Die Surfgeschwindigkeit ist keine garantierte Leistung, sondern lediglich eine ‚bis-zu-Angabe'", erklärt Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. "Den tatsächlichen Surfspeed beeinflussen verschiedene Faktoren: vor allem die Leistung des Endgeräts, die Netzkapazität vor Ort und die Zahl der gleichzeitig in einer Funkzelle aktiven Nutzer. So ist etwa bei großen Veranstaltungen das Netz oft instabil."

Seit Mitte April können Mobilfunkkundinnen und -kunden ein Minderungsrecht geltend machen, wenn die gelieferte Geschwindigkeit bei mehreren Messungen unterhalb von festen Schwellenwerten liegt. Allerdings sind diese sehr niedrig angesetzt: In dicht besiedelten Regionen müssen 25 Prozent der beworbenen Maximalgeschwindigkeit erreicht werden, in dünn besiedelten Regionen nur zehn Prozent. "Auf dem Land blieben also von schnellen 300 Mbit/s gerade einmal 30 Mbit/s übrig", so Schamberg. "Das ist unterhalb des gängigen Discounter-Niveaus, der Kunde hat jedoch für einen hochwertigen Netzbetreibertarif bezahlt. Aus unserer Sicht besteht hier Nachbesserungsbedarf."

Discounter-Kunden sind deutlich langsamer unterwegs

In der Regel surfen Kunden von günstigen Service-Providern bzw. Discountern wie Drillisch oder klarmobil mit 50 Mbit/s; nur noch knapp zwei Prozent der untersuchten Discounttarife laufen mit 25 Mbit/s oder weniger. Mittlerweile funken fast alle Tarife der Discounter im 5G-Netz; die angebotene Geschwindigkeit steigt dadurch aber nicht.

"Die großen Anbieter Telekom, Vodafone, O2 und 1&1 werben mit einem wesentlich höheren Speed von bis zu 300 Mbit/s und heben sich damit deutlich von kleineren Providern ab – die im Gegenzug aber deutlich günstigere Preise bieten", so Schamberg.

Geschwindigkeit wird zum neuen Tarifmerkmal

Noch recht neu im Markt ist eine preisliche Staffelung von Tarifen nach Geschwindigkeit. So bietet O2 seine günstigsten Unlimited-Flatrates mit nur 15 Mbit/s an, freenet drosselt manche Unlimited-Tarife sogar auf 5 Mbit/s. Dafür liegen die Neukundenpreise merklich günstiger und starten aktuell schon bei knapp 18 Euro (freenet).

"Der übliche Discounter-Speed von 50 Mbit/s reicht in der Regel für Videotelefonie völlig aus", sagt Schamberg. "Wer aber regelmäßig in 4K-Qualität streamt, Online-Games spielt oder mit großen Datenmengen arbeitet, sollte beim Speed aufstocken. Bei 300 Mbit/s ist noch lange nicht Schluss: Künftig sollen auch im Mobilfunk Gigabit-Geschwindigkeiten möglich werden. Die mobilen Bandbreiten nähern sich also immer mehr denen von Festnetzverbindungen an."

Methodik

Ausgewertet wurde die in den Anbieter-Tarifbedingungen genannte maximale Datenübertragungsrate von 374 Handytarifen (Netzbetreiber, Service-Provider und Discounter, Postpaid, Privatkunden, inkl. Young-Tarife). Um einen realistischen Praxiswert abzubilden, wurden die untersuchten Tarife entsprechend der tatsächlichen Nutzung gewichtet: Laut Bundesnetzagentur haben 79 Prozent der deutschen Mobilfunkkunden einen Vertrag bei einem der Netzbetreiber Telekom, Vodafone, O2 oder 1&1. Die verbleibenden 21 Prozent sind bei einem Discounter oder Service-Provider unter Vertrag. Unter Berücksichtigung dieses Nutzungsszenarios beträgt der im Schnitt beworbene Download-Wert 245 Mbit/s.Quellen: Verivox-Datenbank, Websites der Anbieter. Die Ookla-Daten beruhen auf Messungen von Mobilfunkkunden über speedtest.net. Stand: 16.04.2026.