Asset Backed Securities

Bei Asset Backed Securities, kurz ABS, handelt es sich übersetzt um ein „forderungsbesichertes Wertpapier“. ABS zählen zur Gruppe der strukturierten Finanzprodukte. Sie kamen in den USA in den 80er Jahren auf und dienten der Refinanzierung. Wie funktioniert ein ABS, und welche Risiken gehen damit einher?

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was sind Asset Backed Securities?
  3. Vorteile der Asset Backed Securities
  4. Nachteile der Asset Backed Securities
  5. ABS-Anleihen zur Unternehmensfinanzierung
  6. Verwandte Themen
  7. Weiterführende Links
  8. Jetzt Depots vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Asset Backed Securities dienen der Refinanzierung und Liquiditätsbeschaffung von Banken.
  • Forderungen, sprich Kredite, werden in Paketen zusammengefasst, damit eine Anleihe unterlegt und diese Anleihe am Markt verkauft.
  • Banken senken damit die Relation zwischen Kreditrisiken und haftendem Eigenkapital.
  • Asset Backed Securities der früheren US-Investmentfirma Lehman Brothers waren der Hauptauslöser für die globale Finanzkrise 2008.

Was sind Asset Backed Securities?

Zum einen wird der Terminus Asset Backed Security als Produktgruppe verwendet, zum anderen als Oberbegriff für mehrere Produktgruppen.

ABS als Produktgruppe

Als eigenständige Produktgruppe gliedern sich Asset Backed Securities in:

  • Besicherte Geldmarktpapiere (englisch asset-backed commercial paper, ABCP)
  • Hypothekenbesicherte Wertpapiere (englisch mortgage-backed security, MBS)

Letztere werden weiter unterteilt in Wertpapiere mit Hypotheken aus Wohnimmobilien (Residential MBS, RMBS) und aus gewerblichen Immobilien (Commercial MBS, CMBS).

Hypothekenbesicherte ABS bieten eine gute Grundlage für die Erklärung. Eine Bank verfügt über 10.000 Hypothekendarlehen. Sie möchte sich gerne abseits der Notenbank refinanzieren. Aus diesem Grund fasst sie 2.500 der Hypothekendarlehen zusammen und macht eine Anleihe daraus. Die Anleihe ist durch die Grundschulden der Hypothekendarlehen besichert. Diese Anleihe verkauft sie nun an einen Investor. Die Bank ist wieder liquide, der Investor erhält seine Zinsen aus den Hypothekarkrediten der in der Anleihe gebündelten Darlehen.

ABS als Oberbegriff

Zum Oberbegriff der Asset Backed Securities zählt aber auch die Produktgruppe der CDOs, der Collaterized Debt Obligations. Diese wiederum unterteilen sich in:

  • CLO: Collateralized Loan Obligation (Kredite)
  • CBO: Collateralized Bond Obligation (Anleihen)
  • CMO: Collateralized Mortgage Obligation (Hypotheken)

Während ein klassischer ABS die darin gebündelten Verbindlichkeiten nicht klassifiziert, findet bei einer CDO die Einteilung statt. Die Art der Klassifizierung zeigt, dass ein CDO mitunter nichts für schwache Nerven ist. Es wird in drei Tranchen mit fallender Bonität der unterlegten Schuldtitel unterteilt: Senior, Mezzanine und Equity. Während „Senior“ noch als akzeptabel gilt, ist das Kreditausfallrisiko bei „Equity“ überdurchschnittlich hoch. Entsprechend hoch fallen auch die Zinsen für die letzte Tranche des Paketes aus.

Vorteile der Asset Backed Securities

Die Vorteile sind recht klar ersichtlich. Eine Bank trennt sich von Krediten, schafft damit zum einen Liquidität, zum anderen verbessert sie die Relation zwischen Eigenkapital und Krediten. Es kommt zu einer Haftungsentlastung des Eigenkapitals. Häufig werden für die Übernahme von ABSs gesonderte Firmen gegründet, welche die Kreditpakete übernehmen. Das deutsche Handels- und Steuerrecht bietet dabei noch eine Besonderheit. Werden die Kredite nicht verkauft, sondern im Rahmen eines Credit Defaults Swaps (Kreditausfalltausch) nur das Kreditrisiko übertragen, muss die aufnehmende Gesellschaft auf die Zinseinnahmen keine Gewerbesteuer bezahlen.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Kosten für die Refinanzierung deutlich niedriger ausfallen als bei anderen Refinanzierungsinstrumenten, wie beispielsweise der Ausgabe einer echten Anleihe.

Idealerweise werden die verbrieften Forderungen mit einem deutlichen Risikoabschlag in das Anleihepaket eingebracht. Mögliche Bonitätsverluste machen sich damit innerhalb eines gewissen Rahmens nicht bemerkbar. Eine andere Variante der Überbesicherung liegt darin, dass der Nominalwert der Anleihe niedriger als der Gesamtwert der in der Anleihe verbrieften Forderungen angesetzt wird. Neben der Überbesicherung kann auch die Einrichtung eines Reservekontos die Sicherheit der Anleihe steigern. Auf das Reservekonto fließen die Überschüsse aus den gebündelten Darlehen, die nicht für das laufende Geschäft benötigt werden.

Nachteile der Asset Backed Securities

Seit der Finanzkrise ist es nicht unüblich geworden, dass Banken ihren privaten Kunden explizit versichern, dass keine Kredite an Dritte verkauft werden. Die Bündelung von Krediten und anschließende Auslagerung hat einen faden Beigeschmack, der aus den Jahren 2007 und 2008 resultiert.

Die Finanzkrise 2008 hat die Schwachstelle der Asset Backed Securities gerade bei Hypotheken schonungslos offengelegt. Das US-Investmenthaus Lehman Brothers hatte einen schwungvollen Handel mit Asset Backed Securities, die aus Hypothekenbriefen privater Immobilienbesitzer bestanden, betrieben.

Die damalige US-Wirtschaftskrise führte jedoch dazu, dass die Eigenheimbesitzer ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten. Der US-Immobilienmarkt wurde mit Objekten zahlungsunfähiger Besitzer regelrecht überschwemmt, die Immobilienpreise brachen komplett zusammen. Mit dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes waren die Hypothekenbesicherungen und damit auch die Kredite und die ABSs wertlos.

ABS-Anleihen zur Unternehmensfinanzierung

Auch Unternehmen können ABS-Anleihen zur Refinanzierung nutzen. Das Prinzip: Ausgewählte Forderungen werden an eine Tochtergesellschaft zum im Zeitpunkt des Verkaufs aktuellen Wert verkauft. Die Tochter dient dabei häufig ausschließlich dem Zweck der ABS-Anleihe. Den Kaufpreis wiederum finanziert die Tochter über die ABS-Anleihe, deren Besicherung die Forderungen sind. Durch die Auswahl der Forderung (es werden nur erstklassige Forderungen verkauft) erlangt die Tochter ein besseres Rating und damit günstigere Finanzierungskosten.

Jetzt Depots vergleichen

Depotvergleich
  • Günstiger traden – ab 2 Euro pro Order
  • Über 20 Depots im Direktvergleich
  • Top-Anbieter für ETFs und Sparpläne finden