Tagesgeld: Niedrigzinsen bei mehr als jeder dritten Regionalbank Baden-Württembergs
Stand: 24.01.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Ein beträchtlicher Teil der Regionalbanken in Baden-Württemberg zahlt auf dem Tagesgeldkonto kaum Zinsen. Bei 40 Prozent der örtlichen Sparkassen und 34 Prozent der regionalen Genossenschaftsbanken liegt der Tagesgeldzins im Bereich von 0 bis 0,25 Prozent. Überregionale Banken zahlen im Schnitt 1,28 Prozent – und damit mehr als drei Mal so hohe Tagesgeldzinsen wie die baden-württembergischen Geldhäuser. Beim Festgeld sind die Unterschiede wesentlich geringer. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung von über 800 Banken und Sparkassen durch das Vergleichsportal Verivox.
Tagesgeldzinsen in Baden-Württemberg und bundesweit
Durchschnittlich 0,35 Prozent Zinsen erhalten Tagesgeldsparer, die ihr Geld bei einer Sparkasse mit Sitz in Baden-Württemberg anlegen. Kaum höher ist der Durchschnittszins mit 0,37 Prozent bei den dort ansässigen regionalen Genossenschaftsbanken, zu denen neben den örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken auch die PSD- und Sparda-Banken gehören.
Damit liegen die Tagesgeldzinsen der südwestdeutschen Regionalbanken noch unter dem landesweiten Durchschnittszins beider Bankengruppen. Für Gesamtdeutschland liegt der Durchschnittszins der Sparkassen aktuell bei 0,37 und für die regionalen Genossenschaftsbanken bei 0,42 Prozent.
Wer hingegen bei einer Bank mit überregional verfügbaren Sparangeboten Tagesgeld anlegt, streicht dafür im Schnitt 1,28 Prozent Zinsen ein – also mehr als drei Mal so viel wie bei den regionalen Geldhäusern in Deutschlands Südwesten.
"Bundesweit aktive Geldhäuser unterliegen einem wesentlich größeren Wettbewerb", erklärt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Die örtlichen Sparkassen und Volksbanken konkurrieren hingegen vor allem untereinander. Zudem verfügen diese lokal verwurzelten Kreditinstitute traditionell über einen treuen und weniger preissensiblen Kundenstamm."
Niedrigzinsen fast nur bei Regionalbanken
Von 48 baden-württembergischen Sparkassen in der Verivox-Auswertung bieten 19 auf dem Tagesgeldkonto lediglich Null- oder Niedrigzinsen bis maximal 0,25 Prozent. Das entspricht einem Anteil von 40 Prozent. Unter den regionalen Genossenschaftsbanken im Südwesten liegt der Anteil bei 34 Prozent (30 von 89 Banken).
Über das gesamte Bundesgebiet umfasst die Auswertung insgesamt 827 Banken und Sparkassen. Davon weisen 301 Kreditinstitute einen Tagesgeldzins im Bereich von 0 bis 0,25 Prozent aus, was einem Anteil von 36 Prozent entspricht. Betroffen sind ortsübergreifend fast ausschließlich Regionalbanken. Unter den 96 bundesweit aktiven Banken befinden sich lediglich 8 Institute (8 Prozent) mit Null- oder Niedrigzinsen.
"Beim Tagesgeld wirken sich Zinsänderungen für Banken besonders drastisch auf die Kosten aus. Denn anders als beim Festgeld gelten Konditionsanpassungen hier nicht nur für Neuabschlüsse, sondern auch für alle bereits beim Kreditinstitut angelegten Gelder", erklärt Oliver Maier. "Deshalb scheuen die häufig stark einlagenlastigen Sparkassen und Volksbanken insbesondere beim Tagesgeld spürbare Zinserhöhungen. Solange Sparer darauf nicht reagieren und im größeren Umfang zu Banken mit lukrativeren Konditionen wechseln, wird sich an dieser Geschäftspolitik auch nichts ändern."
Geringere Unterschiede bei den Festgeldzinsen
Beim Festgeld fallen die Zinsunterschiede zwischen den einzelnen Bankengruppen deutlich moderater aus: Bundesweit verfügbare Angebote mit 2 Jahren Laufzeit bringen im Schnitt 2,05 Prozent. Baden-württembergische Sparkassen zahlen durchschnittlich 1,64 Prozent und die regionalen Genossenschaftsbanken 1,66 Prozent Zinsen. Beim Festgeld sind die durchschnittlichen Zinserträge bei den örtlichen Regionalbanken somit nur um rund ein Fünftel niedriger als bei überregionalen Banken.
Wer Angebote vergleicht, findet bei deutschen Banken allerdings auch Festgeldangebote mit 2,60 Prozent Zinsen. Bei diesen Konditionen wirft ein Anlagebetrag von 10.000 Euro über die zweijährige Laufzeit insgesamt 192 Euro mehr ab als bei einer Anlage zum Durchschnittszins der baden-württembergischen Sparkassen.
Methodik
Für die Analyse hat Verivox die aktuellen Tages- und Festgeldgeldzinsen von mehr als 800 Kreditinstituten ausgewertet – darunter 48 Sparkassen und 89 regionale Genossenschaftsbanken aus Baden-Württemberg. Berücksichtigt wurden sämtliche Geldhäuser, die ihre Konditionen frei zugänglich im Internet veröffentlichen. Nicht alle Banken weisen ihre Konditionen transparent online aus. Es gibt also Kreditinstitute, die von der Auswertung nicht erfasst werden – darunter möglicherweise auch weitere mit Niedrigzinsen.
Ausgewertet wurden die Konditionen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro. Beim Tagesgeld wurden ausschließlich die regulären Bestandskundenkonditionen der Kreditinstitute berücksichtigt. Befristete Aktionszinsen, die nur für Neukunden oder neu angelegtes Geld gültig sind, blieben außen vor.
Auswertungsstand ist der 09.01.2026