Tages- und Festgeld: Irankrieg lässt die Zinsen steigen – aber die Inflation noch stärker
Stand: 30.04.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Seit dem Ausbruch des Irankriegs sind die Festgeldzinsen so stark gestiegen wie seit 2023 nicht mehr. Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit liegen im Schnitt aktuell bei 2,25 Prozent und damit 0,18 Prozentpunkte über dem Niveau zu Kriegsbeginn. Die Tagesgeldzinsen sind ebenfalls leicht gestiegen und stehen derzeit bei 1,32 Prozent. Mit dem deutlichen Anstieg der Verbraucherpreise kann die Zinsentwicklung allerdings nicht mithalten: Die Realzinsen durchschnittlicher Sparanlagen sind in den Minusbereich abgesackt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox.
Festgeld: Stärkster Zinsanstieg seit 2023
Über alle Laufzeiten sind die Festgeldzinsen seit Beginn des Irankriegs deutlich gestiegen. Bei Anlagen mit einer Laufzeit von zwei Jahren kletterten die Durchschnittszinsen seit Kriegsbeginn um 0,18 Prozentpunkte von 2,07 auf aktuell 2,25 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Anfang 2025. Bei den Festgeldern mit fünf Jahren Laufzeit ging es ebenfalls nach oben. Hier stiegen die Durchschnittszinsen seit Kriegsbeginn von 2,23 auf aktuell 2,37 Prozent. Damit sind die Durchschnittzinsen für beide Anlagezeiträume in den letzten zwei Monaten so stark gestiegen wie seit dem Herbst 2023 nicht mehr.
Festgeld mit sehr langen Laufzeiten von zehn Jahren kletterten von 2,51 auf 2,68 Prozent, was dem höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren entspricht.
Preise steigen schneller als die Zinsen
"Sparer schauen mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die aktuelle Lage", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Einerseits bringen sichere Sparanlagen durch die spürbaren Zinssteigerungen nun nominell wieder höhere Erträge. Auf der anderen Seite sind die Verbraucherpreise seit dem Ausbruch des Irankriegs allerdings sogar noch stärker gestiegen als die Zinsen."
Wie sich der Wert einer Geldanlage unter Berücksichtigung inflationsbedingter Kaufkrafteinbußen tatsächlich entwickelt, zeigt der Realzins. Durch den Anstieg der Teuerungsrate auf aktuell 2,9 Prozent sind die Realzinsen durchschnittlich verzinster Sparanlagen ins Minus gerutscht. Bei Festgeldern mit zwei Jahren Laufzeit stehen sie im Schnitt bei minus 0,65 Prozent. Selbst die sehr langfristigen Festgelder mit zehn Jahren Laufzeit schaffen es mit einem Realzins von minus 0,22 Prozent nicht über die Nulllinie.
Das bedeutet: Wer sein Geld in durchschnittlich verzinsten Sparprodukten anlegt, wird gemessen an der realen Kaufkraft derzeit ärmer. Nach wie vor finden Sparer im Markt aber auch Festgeldangebote, die eine Verzinsung oberhalb der laufenden Teuerung bieten. Die marktweit höchsten Zinsen für Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit etwa liegen aktuell bei 3,2 Prozent. Wer sein Geld nur für ein Jahr fest anlegen möchte, kann in der Spitze 3 Prozent Zinsen einstreichen.
Hoher Inflationsdruck könnte zu steigenden Zinsen führen
Mittelfristig könnten sich Spielräume für weitere Zinserhöhungen ergeben. "Bei einem anhaltend hohen Preisdruck werden steigende Leitzinsen wieder wahrscheinlicher. Mit den jüngsten Zinserhöhungen beim Festgeld haben die Banken diese Erwartung auch bereits ein Stück weit eingepreist", sagt Oliver Maier. "Sollten die Währungshüter bei einem der nächsten Notenbanktermine eine Leitzinsanhebung beschließen, dürften die Sparzinsen noch deutlicher zulegen. In dem Fall würden auch die Tagesgeldzinsen wieder stärker steigen."
Tagesgeldzinsen im Schnitt bislang nur leicht gestiegen
Bislang gibt es beim Tagesgeld in der Breite des Marktes nur eine sehr dezente Aufwärtstendenz. Im letzten Dreivierteljahr sind die Tagesgeldzinsen lediglich um 0,04 Prozentpunkte gestiegen. Aktuell liegen die durchschnittlichen Bestandskundenzinsen bundesweit verfügbarer Tagesgeldangebote bei 1,32 Prozent.
Deutlich niedriger fallen die Tagesgeldzinsen bei den regionalen Kreditinstituten aus: Die Sparkassen bieten Tagesgeldanlegern im Durchschnitt nur 0,38 Prozent Zinsen. Bei regionalen Genossenschaftsbanken wie den örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken liegen die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen mit 0,43 Prozent geringfügig höher.
Wettbewerb an der Marktspitze wird immer intensiver
Während sich die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen seit Monaten kaum von der Stelle bewegen, wird der Wettbewerb unter den Banken an der Marktspitze immer intensiver geführt. Aktuell bieten 20 Banken Zinssätze in Höhe von 3 Prozent oder mehr. Noch Anfang des Jahres gab es nur 13 Institute mit Tagesgeldzinsen in dieser Größenordnung, vor einem Jahr waren es lediglich zwei.
Sparer sollten beachten, dass die hohen Zinsen bei all diesen Banken nur für Neukunden gelten. Sie sind zudem zeitlich auf einige Monate befristet. Sobald die Sonderkonditionen ausgelaufen sind, greifen die regulären Bestandskundenzinsen, die meistens wesentlich niedriger ausfallen.
"Tagesgeldangebote mit befristeten Aktionszinsen lohnen sich vor allem für flexible Sparer, die bereit sind, erneut zu einer anderen Bank zu wechseln, sobald die Neukundenkonditionen auslaufen", sagt Oliver Maier. "Wer das nicht möchte, achtet beim Zinsvergleich am besten auf hohe Bestandskundenzinsen." Unter den deutschen Anbietern liegt der höchste Bestandskundenzins im Markt aktuell bei 2,2 Prozent, Banken mit Sitz im EU-Ausland zahlen bis zu 2,7 Prozent.
Methodik
Für die Analyse hat Verivox die aktuellen Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Banken und Sparkassen ausgewertet. Berücksichtigt wurden sämtliche Geldhäuser, die ihre Konditionen frei zugänglich im Internet veröffentlichen. Ausgewertet wurden die Zinsen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro. In die Durchschnittszinsauswertung beim Tagesgeld sind nur die unbefristeten Bestandskundenkonditionen der Banken eingeflossen.
Im regionalen Sektor wird zwischen Sparkassen und regionalen Genossenschaftsbanken unterschieden. In beiden Institutsgruppen gibt es einzelne Häuser, die ihre Sparprodukte deutschlandweit anbieten und in der Auswertung deshalb den überregionalen Banken zugeordnet wurden.
Auswertungsstand ist der 29.04.2026.