Harter Wettbewerb um Sparer: Banken zahlen bis zu 4,25 Prozent aufs Tagesgeld
Stand: 09.09.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Der Wettbewerb um Spareinlagen verschärft sich immer weiter. Derzeit bieten vier Banken für einen gewissen Zeitraum einen Tagesgeldzins in Höhe von mindestens 4 Prozent. An vielen treuen Bestandskunden läuft die Zinsrally hingegen bislang vorbei. Nur bei 20 Prozent aller Tagesgeldangebote haben sich seit der letzten Leitzinserhöhung im Juni die regulären Zinsen für Bestandskunden erhöht. Das zeigt eine aktuelle Auswertung von über 800 Banken und Sparkassen durch das Vergleichsportal Verivox.
In der Spitze 4,25 Prozent aufs Tagesgeld – mit Kleingedrucktem
Die Banken buhlen um neue Tagesgeldanleger. Der Konkurrenzkampf an der Spitze des Marktes nimmt dadurch immer mehr Fahrt auf. Momentan erhalten Sparer bei mindestens elf Banken zeitweise einen Zinssatz über 3,5 Prozent, wenn sie ein neues Tagesgeldkonto eröffnen. Bis Mitte Mai gab es auf dem Markt gar keine Angebote in dieser Größenordnung.
Den marktweit höchsten Tagesgeldzins bietet aktuell die Digitalbank Revolut. Hier erhalten Neukunden für bis zu vier Monate 4,25 Prozent Zinsen. Allerdings müssen Sparerinnen und Sparer zusätzlich zum Tagesgeld auch ein Girokonto eröffnen und regelmäßig mit der zugehörigen Karte bezahlen, um sich die hohen Zinsen zu sichern. Zudem greift der hohe Aktionszins nur für Guthaben bis 25.000 Euro. Nach Ablauf der Neukundenkonditionen gilt der reguläre Tagesgeldzins. Der liegt für Kunden mit einem kostenfreien Konto derzeit bei 1,25 Prozent.
"Bei der Auswahl des passenden Angebots sollten Anleger gut auf die genauen Konditionen achten. Banken wie Revolut haben die Werbewirkung hoher Tagesgeldzinsen erkannt und nutzen sie als Vertriebsinstrument, um Kunden zum Abschluss weiterer Produkte zu bewegen", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Kombi-Angebote mit Girokonto sind vor allem für Verbraucher interessant, die ohnehin auf der Suche nach einem neuen Konto sind. Wer in erster Linie nach hohen Zinsen fürs Ersparte Ausschau hält, ist mit einem reinen Tagesgeldkonto oft am besten bedient."
Drei weitere Banken knacken die 4-Prozent-Marke
Weniger Einschränkungen gibt es bei den drei weiteren Tagesgeldangeboten mit Zinssätzen ab 4 Prozent. Für jeweils vier Monate streichen Neukunden bei der Renault Bank 4,1 Prozent und bei Chase, dem deutschen Ableger der amerikanischen Großbank J.P. Morgan, 4 Prozent Zinsen ein. Die niederländische Ayvens Bank bietet ebenfalls 4 Prozent, allerdings nur für 3 Monate. Bei diesen drei Banken wird kein zusätzliches Girokonto benötigt, um in den Genuss der hohen Zinsen zu kommen, und sie gelten auch für höhere Guthaben.
Nach Ablauf der Neukundenkonditionen erhalten Sparer bei Chase und der Renault Bank aktuell 2 Prozent Zinsen, die Ayvens Bank zahlt Bestandskunden 2,3 Prozent. Alle drei Angebote sind somit auch für Sparer interessant, die ihr Geld nicht regelmäßig von einer Bank zur anderen bewegen wollen.
Wer nicht oft wechseln will, schaut auf den regulären Zins
"Bei vielen Neukundenangeboten sinken die Zinsen nach den ersten Monaten so stark, dass Sparer dann erneut die Banken wechseln müssen, um weiterhin lukrative Erträge zu erzielen", sagt Oliver Maier. "Wer nicht so oft wechseln möchte, achtet beim Zinsvergleich deshalb am besten auf attraktive Bestandskundenzinsen."
Die höchsten Bestandskundenzinsen unter den deutschen Banken bietet mit 2,5 Prozent momentan die Ascory Bank aus Hamburg. Beim Münchener Online-Broker Scalable Capital gibt es sogar 2,6 Prozent, allerdings können Spargelder hier auch bei Partnerbanken im Ausland oder in Geldmarktfonds angelegt werden.
An vielen Bestandskunden läuft die Rally bislang vorbei
Anders als bei den Neukundenangeboten sind die Tagesgeldzinsen für Bestandskunden in den letzten Wochen nur moderat gestiegen. Bundesweit verfügbare Angebote standen im Juni bei 1,33 Prozent und bringen aktuell im Schnitt 1,4 Prozent Zinsen. Das entspricht einem moderaten Plus von 0,07 Prozentpunkten.
Bei den örtlichen Sparkassen und Volksbanken müssen sich Sparer mit wesentlich niedrigeren Zinsen begnügen. In beiden Bankgruppen ging es im Schnitt nur um 0,04 Prozentpunkte nach oben. Die regionalen Genossenschaftsbanken zahlen im Schnitt 0,48 Prozent und die Sparkassen 0,42 Prozent aufs Tagesgeld. Nur bei 20 Prozent aller Tagesgeldangebote wurden die regulären Bestandskundenzinsen seit der letzten Leitzinserhöhung im Juni angehoben.
"An der Mehrheit der treuen Bestandskunden läuft die Zinsrally beim Tagesgeld bislang komplett vorbei", sagt Oliver Maier. "Anders als bei den Neukundenangeboten und auch beim Festgeld gilt eine Erhöhung der Bestandskundenzinsen nicht nur für neues Geschäft, sondern auch für alle Gelder, die bereits bei der Bank angelegt sind. Aus diesem Grund wirken sich selbst kleine Zinsanpassungen sehr stark auf die Kosten aus und die Geldhäuser geben die gestiegenen Leitzinsen nur zögerlich weiter."
Festgeldzinsen höher als EZB-Leitzins
Getrieben von hohen Kapitalmarktzinsen und der Aussicht auf steigende Leitzinsen ging es beim Festgeld hingegen zuletzt immer weiter nach oben. Anfang Juni lagen die Zinsen bundesweit verfügbarer Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit noch bei durchschnittlich 2,32 Prozent, aktuell stehen sie bei 2,55 Prozent. Das entspricht einem Plus von 0,23 Prozentpunkten.
Der maßgebliche Einlagezinssatz der Europäischen Zentralbank (EZB) steht derzeit bei 2,25 Prozent. Das bedeutet: Banken bieten Festgeldanlegern momentan höhere Zinsen, als sie selbst erhalten, wenn sie Spargelder ihrer Kundinnen und Kunden bei der Notenbank parken. Auch wenn die EZB die Leitzinsen beim anstehenden Zinstermin wie erwartet um ein Viertelprozent anheben sollte, würde sich das nicht ändern.
"Die Zinsen für festverzinsliche Sparanlagen werden nicht nur durch die Geldpolitik der Währungshüter, sondern darüber hinaus stark von den Zinsen am Kapitalmarkt beeinflusst", sagt Oliver Maier. "Banken nutzen fest angelegte Spargelder zur Gegenfinanzierung ihrer ausgegebenen Kredite und verdienen an der Zinsdifferenz. Wenn sie sich das Geld dafür an den Anleihe- oder Geldmärkten beschaffen, ist das wegen der sehr hohen Renditen dort mitunter sogar noch teurer."
Methodik
Für die Analyse hat Verivox die aktuellen Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Banken und Sparkassen ausgewertet. Berücksichtigt wurden sämtliche Geldhäuser, die ihre Konditionen frei zugänglich im Internet veröffentlichen. Ausgewertet wurden die Zinsen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro.
Im regionalen Sektor wird zwischen Sparkassen und regionalen Genossenschaftsbanken unterschieden. In beiden Institutsgruppen gibt es einzelne Häuser, die ihre Sparprodukte deutschlandweit anbieten und in der Auswertung deshalb den überregionalen Banken zugeordnet wurden.
Auswertungsstand ist der 07.09.2026.