Festgeldzinsen deutlich über EZB-Leitzins – starker Anstieg seit Beginn des Irankriegs
Stand: 01.09.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Die Zinsen für festverzinsliche Sparanlagen sind seit Beginn des Irankriegs deutlich gestiegen. Bundesweit verfügbare Angebote mit zwei Jahren Laufzeit bringen im Schnitt aktuell 2,53 Prozent. Das entspricht einem Zinsanstieg um 0,46 Prozentpunkte seit Kriegsbeginn. Die Zinsen kurzfristiger Anlagen mit einem Jahr und längerfristiger mit zehn Jahren Laufzeit sind ähnlich stark angestiegen. Über alle Laufzeiten liegen die durchschnittlichen Festgeldzinsen mittlerweile deutlich oberhalb des aktuellen Einlagezinssatzes der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,25 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox.
Festgeldzinsen seit Kriegsbeginn deutlich gestiegen
Anfang März und damit unmittelbar nach Kriegsbeginn brachten Festgelder mit einem Jahr Laufzeit bei bundesweit aktiven Banken im Schnitt glatt 2 Prozent Zinsen. Aktuell liegen die Zinsen bei 2,43 Prozent. Das entspricht einem Anstieg um 0,43 Prozentpunkte.
Die Zinsen für zweijähriges Festgeld sind seit Kriegsbeginn um 0,46 Prozentpunkte gestiegen (von 2,07 auf aktuell 2,53 Prozent). Langfristige Festgeldanlagen mit zehn Jahren Laufzeit verzeichneten einen Zinsanstieg von 2,51 auf 2,94 Prozent, was ebenfalls einem Plus von 0,43 Prozentpunkten entspricht.
Sparzinsen höher als EZB-Einlagezins
Durch diesen Anstieg liegen die durchschnittlichen Festgeldzinsen aktuell in allen Laufzeiten oberhalb des EZB-Einlagezinssatzes in Höhe von 2,25 Prozent. Das bedeutet: Banken bieten Festgeldanlegern momentan höhere Zinsen, als sie selbst erhalten, wenn sie Spargelder ihrer Kundinnen und Kunden bei der Notenbank parken.
"Schon in den Monaten zuvor gab es bei den Festgeldzinsen eine leichte Aufwärtstendenz, aber seit Beginn des Irankonflikts hat sich dieser Trend erheblich verstärkt", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "In allen Laufzeiten liegen die durchschnittlichen Festgeldzinsen inzwischen ein gutes Stück höher als der EZB-Einlagezins. Das gab es zuletzt Ende 2022, also kurz nach dem Ausstieg aus der historischen Niedrigzins-Ära."
Festgeld trotz der hohen Zinsen auch für Banken attraktiv
Die Zinsen für festverzinsliche Spareinlagen orientieren sich nicht nur an der Geldpolitik der Notenbank. Sie werden darüber hinaus stark von den Zinsen am Kapitalmarkt beeinflusst, die unmittelbar nach Ausbruch des Irankriegs ebenfalls einen Sprung nach oben gemacht haben und seitdem weiter gestiegen sind.
Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe etwa hat im August mit zwischenzeitlich bis zu 3,26 Prozent den höchsten Stand seit gut 15 Jahren erklommen. Auch die Zinssätze im Interbankenmarkt – also die Zinsen, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen – sind deutlich gestiegen: So kletterte der Zwölfmonats-Euribor seit Anfang März von 2,23 auf 2,99 Prozent (Stand: 25. August).
"Obwohl die Festgeldzinsen oberhalb des maßgeblichen EZB-Leitzinssatzes dotieren, ist das Geschäft mit Spareinlagen für die Banken immer noch lukrativ. Die Geldhäuser nutzen fest angelegte Spargelder zur Refinanzierung ihrer ausgegebenen Kredite und verdienen an der Zinsdifferenz", erklärt Oliver Maier. "Würden sie sich das Geld für ihr Kreditgeschäft stattdessen am Kapitalmarkt beschaffen, wäre das für sie wegen der hohen Zinsen dort mitunter sogar noch teurer. Das hohe Zinsniveau an den Geld- und Anleihemärkten zieht somit auch die Festgeldzinsen in die Höhe."
Banken rechnen mit weiterer Leitzinserhöhung im September
Darüber hinaus begünstigt auch die Entwicklung der Verbraucherpreise höhere Zinsen. Infolge des Irankriegs sind die Preise für Energie und andere Waren deutlich gestiegen. Dadurch ist die Inflation im Euroraum deutlich über die angestrebte Marke von gut 2 Prozent geklettert. In Deutschland lag die Teuerungsrate im August bei 2,9 Prozent.
"Die hohe Inflation setzt die Währungshüter unter Zugzwang. Nach dem bereits erfolgten Zinsschritt im Juni rechnen viele Marktteilnehmer damit, dass die EZB die Leitzinsen im September erneut anheben wird. Das preisen die Banken in ihren Festgeldkonditionen bereits ein", erklärt Oliver Maier.
Bestandskundenzinsen beim Tagesgeld bislang nur leicht gestiegen
Im Gegensatz zum Festgeld sind die Zinsen beim Tagesgeld in der Breite des Marktes in den letzten Monaten nur leicht gestiegen. Die durchschnittlichen Bestandskundenzinsen bundesweit verfügbarer Angebote liegen aktuell bei 1,39 Prozent und damit lediglich 0,09 Prozentpunkte über ihrem Niveau von Anfang März.
Die Sparkassen zahlen durchschnittlich 0,42 Prozent aufs Tagesgeld. Bei den regionalen Genossenschaftsbanken, also insbesondere den örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken, liegen die Zinsen bei 0,48 Prozent. Bei den Sparkassen ging es damit seit März um 0,05 Prozentpunkte nach oben und bei den Genossenschaftsbanken um 0,06 Prozentpunkte.
Neukundenangebote bringen befristet bis zu 4,25 Prozent
Während sich die durchschnittlichen Bestandskundenzinsen nur langsam von der Stelle bewegen, läuft die Zins-Rally bei den Neukundenangeboten mit befristeten Sonderkonditionen weiter auf Hochtouren.
Den marktweit höchsten Tagesgeldzins bietet mit 4,25 Prozent derzeit die Digitalbank Revolut. Der hohe Aktionszins wird bis zu 4 Monate lang gewährt, das Angebot ist allerdings an mehrere Bedingungen geknüpft: Um es in Anspruch nehmen zu können, müssen neue Kunden zusätzlich zum Tagesgeld auch ein Revolut-Girokonto abschließen und die zugehörige Karte regelmäßig nutzen. Zudem ist der hohe Aktionszins auf Guthaben bis maximal 25.000 Euro beschränkt.
Weniger Bedingungen gibt es bei dem Neukundenangebot von Chase, dem deutschen Ableger der amerikanischen Großbank J.P. Morgan. Hier bekommen Neukunden vier Monate lang 4 Prozent Zinsen. Das ist aktuell der zweithöchste Zins im Markt und er wird auch für höhere Guthaben bis zu 1 Million Euro gewährt. Bei Chase benötigen Sparer kein zusätzliches Girokonto, um sich die hohen Zinsen zu sichern.
"Aktionsangebote mit befristeten Sonderkonditionen lohnen sich vor allem für Sparer, die bereit sind, ihr Geld gelegentlich umzuschichten und erneut zu einer anderen Bank zu wechseln, sobald die Neukundenzinsen ausgelaufen sind", sagt Oliver Maier. "Wer das nicht möchte, achtet beim Zinsvergleich am besten auf gute Bestandskundenzinsen. Hier liegen die Top-Angebote deutscher Banken aktuell bei 2,5 Prozent."
Methodik
Für die Analyse hat Verivox die aktuellen Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Banken und Sparkassen ausgewertet. Berücksichtigt wurden sämtliche Geldhäuser, die ihre Konditionen frei zugänglich im Internet veröffentlichen. Ausgewertet wurden die Zinsen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro.
Im regionalen Sektor wird zwischen Sparkassen und regionalen Genossenschaftsbanken unterschieden. In beiden Institutsgruppen gibt es einzelne Häuser, die ihre Sparprodukte deutschlandweit anbieten und in der Auswertung deshalb den überregionalen Banken zugeordnet wurden.
Auswertungsstand ist der 27.08.2026.